Alemannia Aachen hat seit Jahren keine klare Nummer 1 mehr

Alemannia auf Torwartsuche : Eine Mannschaft sehnt sich nach einer starken Nummer 1

Als Fuat Kilic Anfang 2016 seinen Spind am Tivoli einräumte, räumte Frederic Löhe nebenan in der Mannschaftskabine von Alemannia Aachen seinen Spind zeitgleich aus. Der neue Trainer und die Nummer 1 der Hinrunde trafen sich nicht. Vielleicht kam der neue Trainer durch den Vordereingang, währen der alte Torwart durch den Hintereingang nach Hause ging.

Löhe war mit zwei weiteren Feldspielern suspendiert worden, weil er einer der Rädelsführer einer aufmüpfigen Mannschaft gewesen sein soll. „Der Verein kann nicht immer nur zuschauen, er muss auch handeln“, begründete der damalige Sportdirektor Alexander Klitzpera seine Entscheidung. Die war getroffen, bevor Fuat Kilic seinen Dienst am Tivoli antrat.

Löhe war - so weiß man heute - die letzte unumstrittene Nummer 1 am Tivoli. Seit seinem Weggang herrscht auf der Torwart-Position so viel Fluktuation wie zu früheren Zeiten auf Alemannias Cheftrainer-Stuhl. Nach dem Weggang von Löhe teilten sich Pierre Kleinheider (15 Einsätze) und Philip Sprint (3) die Einsätze in der Liga-Rückrunde 2015/16 untereinander auf. Der nachverpflichtete Gilles Deusings lief nie auf. In der Saison 2016/17 blieb Sprint am Tivoli, er wurde im Ligalltag fünf Mal aufgestellt, mehr Einsätze hatten Pascal Nagel (19) und Mark Depta (9). Ein Jahr später in der Spielzeit 2017/18 war Depta zunächst gesetzt (22 Einsätze), aber immer wieder Mal griff Kilic auch auf den routinierten Patrick Nettekoven (11) zurück. Akif Sahin bekam immerhin einen Abschiedseinsatz.

Wieder wurden am Saisonende alle Torhüter am Tivoli verabschiedet, wieder teilten sich die drei neuen Schlussleute die Liga-Einsätze in der abgelaufenen Saison 2018/19 auf: Niklas Jakusch (23), Daniel Zeaiter (11), Leon Tigges (1). Auch die drei sind dann aus unterschiedlichen Motiven im Sommer weitergezogen. Keiner der vielen Kandidaten war eine Bank im Tor, ein Keeper, der alleine gut war für ein paar Punkte in der Saison.

Und so ist es wie immer vor Saisonbeginn. Fuat Kilic ist wieder einmal auf Torwartsuche. Eine eindeutige Nummer 1 hat er in den dreieinhalb Jahren am Tivoli bislang nie gefunden. „Mal haben wir verletzungsbedingt wechseln müssen, mal stimmten die Leistungen nicht“, sagt er. Die Sehnsucht nach einem unumstrittenen Schlussmann ist in dieser Zeit gewachsen. „Ich wünsche mir wirklich eine klare Nummer 1“, sagt er.

Die Fahndung läuft wieder seit Monaten. Verpflichtet ist Ricco Cymer vom 1. FC Saarbrücken, der am Samstag beim Testspiel gegen SG Altenkirchen/Neitersen erstmals eingesetzt wird. Für Cymer wird ein Herausforderer gesucht. „Wir wollen jemanden verpflichten, mit der in den Clinch um die Nummer 1 gehen kann.“ Torwart Nummer 3 dagegen soll in den Reihen der A-Jugend gefunden werden, so sind die Planungen.

Seit Trainingsbeginn haben vier Torhüter bei Alemannia vorgespielt. Erledigt hat sich die Personalie Baboucarr Gaye, der Ex-Bielefelder sucht an anderer Stelle weiter. Mit seinen drei Kollegen dagegen beschäftigt sich die Torwartfindungskommission, zu der neben Kilic vor allem sein Torwarttrainer Hans Spillmann gehört. „Auf seine Expertise lege ich großen Wert“, sagt der 46-Jährige. Denis Jansen (zuletzt SV Breinig), Tom Pachulski (ZFC Meuselwitz) und Mikolay Smylek (Skierniewice/3. polnische Liga) haben ihre Visitenkarten abgegeben.

Spätestens bis zum Ende der kommenden Woche, so kündigt Kilic an, soll eine Entscheidung getroffen sein. Die drei Kandidaten bleiben im Rennen, sofern sie sich nicht anderen Vereinen kurzfristig anschließen. Aber ganz und gar nicht ist ausgeschlossen, dass am Ende ein Schlussmann das Rennen macht, der bei dem großen Torwart-Casting am Tivoli bislang nicht beteiligt war.

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