Alemannia Aachen gewinnt den Mittelrheinpokal gegen Fortuna Köln

Aachen gewinnt das Finale im Mittelrheinpokal : Alemannia Aachen hat wieder etwas zu feiern

Endlich wieder ein Grund zu feiern: Alemannia Aachen hat das Finale im Mittelrheinpokal gegen Fortuna Köln mit 3:1 gewonnen. Spieler des Spiels war Dimitry Imbongo. Eine Analyse.

Irgendwann in dieser Nacht der Nächte wurde dann auch der Siegerpokal auf der Geschäftsstelle müde eingesperrt, nachdem wirklich jeder sein Erinnerungsfoto gemacht hatte. Aber der Pokal verfügt ja auch noch über einen Deckel, und zumindest der ging an diesem „Feiertag“ später mit auf Reisen ins Aachener Vergnügungsviertel…

Dieser 25. Mai 2019 war ein außerordentlich schöner und lukrativer Tag für Alemannia Aachen. Der Regionalligist besiegte Fortuna Köln im Pokalfinale des Fußballverbandes Mittelrhein ziemlich verdient mit 3:1 und erreichte damit die erste Hauptrunde im DFB-Pokal (Auslosung 15. Juni), was mindestens einen 100.000-Euro-Jackpot bedeutet.

Wie gewaltig die Anspannung war, ließ sich mühelos beim Abpfiff im Bonner Nordpark beobachten. Trainer Fuat Kilic rannte los, 30, 40, 50 Meter, er schrie die Freude heraus. Später reckte er die Trophäe in den Abendhimmel, schaute selig und brüllte: „Da ist das Ding!“ Titel sind auch die Lieblingswährung der Trainer. „Auch für mich ist der Erfolg enorm wichtig.“ Der Pokal ist eine persönliche Belohnung für dreieinhalb Jahre intensive Arbeit am Tivoli. „Das ist ein phantastischer Moment nach so vielen Rückschlägen.“

Ein schlechter Start ins Spiel

Schlechter hätte diese Partie für die Aachener allerdings nicht beginnen können. Der erste Versuch der Kölner war gleich erfolgreich: Bernard Kyere traf aus etwa 18 Metern ins Netz. Gespielt waren da erst vier Minuten, und sollte das Spiel einmal taktische Fesseln gehabt haben, so waren sie in diesem Moment bereits gesprengt. Vorhang auf zum Schlagabtausch. Schon froh flogen die Funken bei den Zweikämpfen, Schiedsrichter Nico Fuchs hatte Mühe, in die Partie zu finden.

Umjubelter Pokalsieg für die Kilic-Elf

Die Aachener schüttelten sich ein paar Minuten, um dann erste eigene Gelegenheiten zu kreieren. Dimitry Imbongo legte fein auf für Steven Rakk, der aus 16 Metern Fortunas Torwart Nikolai Rehnen zu einer ersten Parade zwang (12.). Rakk war der Überraschungsgast in der Aufstellung, Kilic hatte einen zusätzlichen defensivstarken Mittelfeldspieler aufgestellt. Sein Team blieb nach dem Fehlstart ein bisschen nervös, die Abstände zwischen den Linien waren zu groß, und wieder schlüpfte Kyere durch das Netz. Kölns Angreifer tauchte unbehelligt vor Aachens Keeper Niklas Jakusch auf, der ihm den Ball vom Fuß fischte und einen frühen K.o-Schlag verhinderte (18.).

Für Kyere aber endete die Saison nur ein paar Minuten später: Der bereits verwarnte Angreifer war seinem Trainer zu wild unterwegs, Oliver Zapel ersetzte ihn durch Serhat Güler (21.) – und war sauer: „Wir haben ein einziges Trümpflein, und das mussten wir aus dem Spiel nehmen.“

Die Aachener übernahmen das Kommando. Sie nisteten sich lange in der gegnerischen Hälfte ein, die kleine Belohnung waren vier Eckbälle, die alle ungewohnt gefährlich waren. Die größte Gelegenheit bekam Manuel Glowacz, seinen Schlenzer lenkte Rehnen am Tor vorbei (37.). Nach dem nächsten ruhenden Ball reklamierten etwa 5000 der 6645 Fans einen Strafstoß, nachdem David Pütz kurz vor dem Tor von Bone Uaferro einen kräftigten Schubs erhalten hatte (41.). Videobeweise gibt es auch in einem Endspiel nicht, und so änderten die Proteste: nichts.

Die Nachspielzeit zog auf. Und die Aachener nutzten eine Chance, die keine war: Imbongo nahm den Ball am Strafraumeck an, er stand mit dem Rücken zum Tor, Fortuna war deutlich in Überzahl, der 29-Jährige schlängelte sich um einen Gegenspieler, um dann kernig zum 1:1 zu vollenden (45.). Die letzten Restzweifel waren verflogen. „Wir haben nach schwächeren Wochen den Schalter im richtigen Moment umgelegt“, strahlte Kapitän Peter Hackenberg.

Mittelstürmer Dimitry Imbongo überzeugte mit einem Tor und zwei Vorlagen. Foto: Jérôme Gras

Der Führungstreffer lag nach dem Wechsel schnell in der Luft, als der quirlige Blendi Idrizi (47.) und Robin Garnier (52.) knapp das Ziel verfehlten. Dann setzte sich Imbongo robust durch, seine Vorlage schob Stipe Batarilo zum 2:1 ein (67.). „Bei uns sind danach die Köpfe runtergegangen“, sagte Kölns Dominik Ernst später. Die Aachener mussten nur noch einmal vom Glückskonto abheben. Ernsts Vorlage lenkte Güler aufs Aachener Tor, Jakusch verhinderte den Ausgleich. Es war eine schöne Pointe, dass der Torwart, der lange fehlen musste, die Führung festhielt. Es war die letzte Parade des Keepers für die Aachener: Wie Holstein Kiel am Sonntag mitteilte, wechselt Jackusch zur U 23 des Zweitligisten.

Die Aachener brachten danach die Beute sicher ins Ziel. Wieder bereitete Imbongo vor, diesmal vollendete Glowacz zum 3:1 (85.). Fortunas Kurzzeit-Trainer Zapel war bedient, nicht nur, weil Steven Ruprecht noch die Rote Karte sah (90.). „Für uns ist das ein katastrophales Ende dieser Saison.“ Unterm Strich stehen der Abstieg und eine Final-Niederlage. So trist geht sein einmonatiges Intermezzo zu Ende, Thomas Stratos soll übernehmen.

Für die Aachener war es dagegen ein sensationelles Saisonende, die Party ging los: erst in Bonn, später in Aachen und am Sonntag dann auf Mallorca, wohin viele Sieger flogen. Vor allem Imbongo war auch nach Spielende nicht zu bremsen. Er ging weiter steil. Der Stürmer wurde von einer Jury zum „Man of the match“ ausgerufen. Sich selbst rief der neue Publikumsliebling zum Wettsieger aus. 15 Saisontore hatte er angekündigt, 14 waren es wettbewerbsübergreifend geworden. „Plus die beiden Vorlagen im Finale“, rechnete er vor, „das macht 15“.

Trainer Fuat Kilic feiert im Bonner Stadion auf dem Zaun mit den Fans. Foto: ZVA/Jerome Gras

Wettpartner Kilic akzeptierte die Bedingungen. „Ich werde zahlen“, grinst er. An seinem bisher besten Tag bei Alemannia wollte er kein Spielverderber sein.

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