Alemannia Aachen: Das ist der Kader 2019/2020

Die Mannschaft von Alemannia Aachen : Das ist der Kader für die Saison 2019/2020

Alemannia Aachen ist ein Traditionsverein. Doch mit einer Tradition der vergangenen Jahre wird nun gebrochen: Zum ersten Mal seit er am Tivoli das Sagen hat, muss Fuat Kilic im Sommer keine komplett neue Mannschaft begrüßen. Der Großteil der Mittelrheinpokalsieger konnte gehalten und gezielt ergänzt werden. Wir stellen den Kader der neuen Saison vor!

Ab dem 26. Juli 2019 rollt in der Regionalliga West wieder der Ball. Im Gegensatz zur abgelaufenen Spielzeit muss der Meister am Ende der Saison wieder in die Relegation. Trotzdem will Fuat Kilic mit seiner Mannschaft nach dem sechsten Platz in der vergangenen Saison und dem Sieg des Mittelrheinpokals dieses Mal ganz oben angreifen. Dabei kann er auf eine weitgehend eingespielte Truppe setzen. Nur wenige Spieler haben den Tivoli verlassen, fast alle Stammkräfte konnten gehalten werden. Und ein ganz besonderes Spiel steht ja bereits fest: In der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals treffen die Schwarz-Gelben zuhause auf den Bundesligisten und Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen, bei dem mit Simon Rolfes ein ehemaliger Alemanne die Geschicke mitleitet.

Wer an diesem Spiel aus Aachener Sicht teilnehmen kann, zeigt unsere Kaderübersicht 2019/2020. Den Anfang macht wie immer das Trainerteam an der Seitenlinie.

Die Trainer

Fuat Kilic geht in seine fünfte Saison mit der Alemannia, die vierte komplette Spielzeit. Seit Anfang 2016 leitet der gebürtige Türke aus Gümüşhane die Geschicke an der Seitenlinie und seit dem Aus von Ex-Sportdirektor Alexander Klitzpera im Frühjahr 2016 ist der Trainer auch der Kaderplaner. Beide Jobs absolviert der in Köln lebende Übungsleiter mit Bravour. In bisher jeder Saison konnte Kilic seinen Teams seinen Stempel aufdrücken, überraschte mit Verpflichtungen und bewies ein gutes Händchen dabei, Spieler zu entwickeln. Nicht umsonst verließen viele Spieler in den vergangenen Jahren den Tivoli wieder: Aufgrund guter Leistungen bekamen sie sportlich und finanziell bessere Angebote. Nicht so in diesem Jahr. Fuat Kilic hat einen Plan: Er will mit der Alemannia zurück in den Profi-Fußball, er will in die dritte Liga. Der Sieg des Mittelrheinpokals war ein erstes Ausrufezeichen in diese Richtung. Das konnte er offensichtlich auch seiner Mannschaft klar machen und fast alle Leistungsträger zusammenhalten. Wenn nun auch wieder die Neuverpflichtungen, wie bisher, schnell integriert werden und ihr Potenzial abrufen, könnte die Alemannia ein Wörtchen um die Meisterschaft mitreden. Trotz der finanziell überlegenen Konkurrenz aus Essen oder den Absteigern aus Köln und Lotte.

Hans Spillmann wird weiterhin die Torhüter am Tivoli im Training fliegen lassen. Der Niederländer kam zum Start der abgelaufenen Saison zurück an den Tivoli. Wen er allerdings alles trainieren wird, steht noch nicht fest. Hier sind noch Plätze zu vergeben.

Verzichten muss Fuat Kilic zukünftig allerdings auf die Dienste von Simon Pesch. Sein bisheriger Co-Trainer wird seinen Master machen und sich anschließend beruflich verändern. Sein Nachfolger wird wahrscheinlich aus den eigenen Reihen kommen: Der bisherige Trainer der A-Jugend, Christian Mollocher, der mit seinem Team in der vergangenen Saison den Klassenerhalt feierte, wird wohl hochgezogen. Eine mündliche Vereinbarung existiert bereits, der Vertrag muss allerdings noch unterschrieben werden. Damit wird er die Position des Co-Trainer bereits zum zweiten Mal bei der Alemannia einnehmen: Bereits von 2015 bis 2017 nahm er diese Rolle am Tivoli ein.

Fit machen wird die Spieler weiterhin Athletik-Trainer Kolja Wrase, der in dieser Funktion seit dem vergangenen Sommer tätig ist und zudem auch die A-Jugend in diesem Bereich trainiert.

Das Tor

In der abgelaufenen Spielzeit teilten sich die Torwartposition Niklas Jakusch und Daniel Zeaiter. Niklas Jakusch, der zwischenzeitlich psychisch erkrankt ausfiel, sich aber wieder zurückkämpfte, hat den Tivoli nach nur einem Jahr wieder verlassen. Er kehrt zurück in die Heimat und will seine Erfahrungen an junge Spieler weitergeben. Er schließt sich der U23 von Holstein Kiel an. Auf Facebook verabschiedete sich der Torwart mit den Worten: „Zu sagen, das mir die Entscheidung schwer gefallen ist, wäre nicht richtig. Für mich geht es zurück in die Heimat, es ist eine Entscheidung für die Zukunft und nicht gegen Alemannia Aachen. Ich hätte den Verein nicht verlassen, wenn ich diese Möglichkeit nicht erhalten hätte. Was bleibt mir noch zu sagen, eine Menge: Ich gehe mit einem Gefühl der tiefsten Dankbarkeit und Liebe. […]“.

Auch Leon Tigges, der nicht über die Position des dritten Torwarts hinauskam, hat seine Zelte am Tivoli wieder abgebrochen.

Gleiches gilt für Daniel Zeaiter. Der libanesische Nationalspieler wollte sich mit guten Leistungen für sein Heimatland anbieten, das gelang aber nicht konstant genug. Daher wurde ihm, trotz eines noch laufenden Vertrages, ein Wechsel nahegelegt.

Aus Saarbrücken kommt dafür Ricco Cymer an die Krefelder Straße. Der 23-Jährige wurde bei der TSG Hoffenheim ausgebildet und sammelte erste Regionalliga-Erfahrung in den vergangenen drei Spielzeiten beim 1. FC Saarbrücken. Auf der Vereinswebseite freute sich Fuat Kilic schon auf seinen neuen Keeper, den er aufgrund seines auslaufenden Vertrages ablösefrei verpflichten konnte: „Mit Ricco haben wir einen sehr gut ausgebildeten und talentierten Torhüter verpflichten können, dessen Werdegang ich schon länger verfolge.“ Und auch Ricco Cymer kann seine neue Aufgabe kaum erwarten und will mit der Alemannia viel erreichen: „Ich freue mich auf die neue Herausforderung bei einem Traditionsverein, mit dem ich wieder angreifen möchte, um die gemeinsam gesteckten Ziele zu erreichen.“

Im Kampf um die Nummer 1 sollte sich Cymer mit Nikolai Rehnen auseinandersetzen. Der 22-Jährige wurde von Arminia Bielefeld ausgeliehen. In der Vorsaison spielte der Kölner in seiner Heimatstadt bei der Fortuna. Dort war er in der 3. Liga Stammkraft und blieb neunmal ohne Gegentor. Den Abstieg konnte aber auch er nicht verhindern. Bereits im FVM-Pokal-Finale lernte er einige seiner neuen Kollegen kennen, die seinem Ex-Team aber keine Chance ließen und 3:1 siegten. „Für mich ist es eine gute Möglichkeit, mich ein Jahr weiterzuentwickeln. Es freut mich, für einen Traditionsverein spielen zu können. Mein Ziel ist es, mit der Mannschaft so erfolgreich wie möglich sein“, sagte Rehnen bei seiner Vertragsunterzeichnung. Auch Fuat Kilic freut sich auf den zweimaligen U20-Nationalspieler: „Wir sind froh, dass Nikolai sich für uns entschieden hat und wir mit ihm und Ricco Cymer auf der Torwartposition sehr gut aufgestellt sind“. Allerdings verletzte sich Rehnen früh in der Saison. Als Ersatz wurde der erfahrene André Krul verpflichtet. Der Weltenbummler aus den Niederlanden war schon in Australien, Japan, Puerto Rico und Kolumbien aktiv und spielte zuletzt bei Ajax Amsterdam.

Die Abwehr

Das Prunkstück der Alemannia in der vergangenen Spielzeit war sicherlich die Abwehr. Mit gerade einmal 39 Gegentoren stellten die Aachener die fünftbeste Verteidigung und kassierten nur neun Treffer mehr als der Meister Viktoria Köln. Kapitän Peter Hackenberg mit seiner Erfahrung, Alexander Heinze mit seiner Ruhe, Mattie Fiedler und Patrick Salata mit schneller Anpassung und starker Entwicklung und alle mit einer enormen Größe – da war für die meisten Gegenspieler kein Durchkommen. Zudem zeigte sich in der abgelaufenen Spielzeit, dass auch zwischenzeitliche Ausfälle einzelner Akteure zu kompensieren waren. Marco Müller und Steven Rakk fielen zwar lange Zeit aus, konnten aber zum Ende der Spielzeit zeigen, dass auch sie ein Wörtchen bei der Startaufstellung mitsprechen werden. Vor allem Müller sammelte im letzten Saisonabschnitt noch einige Minuten auf dem Platz. Rakk bewies, dass er auch im defensiven Mittelfeld eine Alternative sein kann.

Robin Garnier wurde ursprünglich für die Abwehrkette von den Stuttgarter Kickers nach Aachen gelotst. Doch der Rotschopf zeigte schnell, dass er im Mittelfeld deutlich wertvoller ist: Mit fünf Toren und sechs Vorlagen belegt er in der internen Scorerliste den zweiten Platz hinter Dimitry Imbongo.

Aus Wiedenbrück kommt André Wallenborn. Der gebürtige Kölner wurde 2018 Vizemeister mit Viktoria Köln, wechselte allerdings in der vergangenen Winterpause nach Ostwestfalen zum SC Wiedenbrück. Der linke Außenverteidiger absolvierte dort elf Spiele in der Rückrunde, konnte den Abstieg allerdings nicht verhindern. Mit der Alemannia will er in der neuen Saison oben mitmischen: „Ich freue mich auf die neue Aufgabe, auf das Stadion und die Fans. Die Gespräche mit Fuat Kilic waren äußerst positiv. Ich bin sehr ehrgeizig und verfolge entsprechende Ziele. Das deckt sich mit den Ambitionen des Vereins.“

Zusätzlich hat sich die Alemannia für ein Jahr die Dienste von Abwehrtalent Can Özkan gesichert. Der 19-Jährige wird für die kommende Saison von Arminia Bielefeld, für die er bereits zu zwei Einsätzen in der 2. Bundesliga kam, ausgeliehen und soll in Aachen den nächsten Schritt machen.

Einzig Mohamed Redjeb verlässt den Defensivverbund der Schwarz-Gelben. Der erst vor einem Jahr vom TV Herkenrath an den Tivoli gewechselte Abwehrspieler hatte seinen auslaufenden Vertrag ursprünglich verlängert. Nun ergab sich für ihn aber die Chance auf ein Studium in den USA, der Vertrag wurde aufgelöst.

Das Mittelfeld

Bleibt er? Bleibt er nicht? Stipe Batarilo, mit acht Toren Alemannias zweiterfolgreichster Schütze, ließ die Alemannia lange zappeln. Noch vor einem Jahr wurde der Vertrag des Kroaten, der beim 1. FC Köln ausgebildet wurde, in Wiedenbrück nicht verlängert. Bei den Schwarz-Gelben fand er aber wieder zu alter Stärke zurück und war vor allem in der Hinrunde ein Eckpfeiler und maßgeblich am Pokalerfolg beteiligt. Trotz anderer Angebote konnte Fuat Kilic den Mittelfeldspieler von einem Verbleib am Tivoli überzeugen, sodass gleich ein neuer Zwei-Jahresvertrag unterzeichnet wurde: „Ich fühle mich hier sehr wohl, weil ich das Vertrauen des Trainers spüre und wir eine gute Mannschaft haben, mit der wir in der kommenden Saison oben angreifen wollen.“

Auch auf Dauerbrenner David Pütz, der bereits seit 2016 die Schuhe für die Alemannia schnürt, kann Fuat Kilic in der kommenden Saison bauen. Gleiches gilt für Manuel Glowacz, der nach Startproblemen in der zweiten Saisonhälfte zeigte, warum er ein Wunschspieler seines Trainers war.

Die schwarz-gelben Pechvögel der vergangenen Saison hießen Sebastian Schmitt und Kai Bösing. Erstgenannter kam vor einem Jahr von Wormatia Worms an den Tivoli und zog sich im November einen Mittelfußbruch zu. Noch schlimmer traf es Aachens Nummer 7: Bei Kai Bösing wurde im November ein Knieschaden festgestellt, der ihn lange zum Zusehen zwang. Gerade erst wieder in die Mannschaft gekämpft, verpasste er das FVM-Pokalfinale wegen eines Teilanrisses des Außenbandes im Knie. Zur neuen Saison bekam er als Vertrauensbeweiß von Kilic die Nummer 10, doch den Titel „Pechvogel der Saison“ verteidigte er bereits in der Vorbereitung. Im vorletzten Testspiel gegen Elversberg zog er sich erneut eine Verletzung am Knie zu - die erste Saisonphase wird er verpassen - sehr, sehr bitter!

Doch die Alemannia reagierte prompt und leihte Sergio Gucciardo vom SC Paderborn aus. Das Talent kommt für ein Jahr vom Bundesligisten an den Tivoli. Dort trifft er auf einen alten Bekannten: Co-Trainer Christian Mollocher bildete den variablen Mittelfeldspieler, der zentral und auf dem Flügel einsetzbar ist, in der A-Jugend beim VfL Bochum aus. Dort zeigte er bereits seine Torgefährlichkeit und traf in der Bundesliga in 14 Spielen zehnmal. Das Vergnügen war allerdings nur von kurzer Dauer: Da er sich in Aachen nicht wohlfühlte, wurde der Vertrag wieder aufgelöst. Stattdessen schloss er sich Ende August dem SV Lippstadt an.

Neu hinzugekommen sind zudem Frederic Baum und Muja Arifi aus den eigenen Reihen. Die beiden Spieler, die mit der A-Jugend der Alemannia den Klassenerhalt in der Bundesliga feiern konnten, bestritten bereits die Wintervorbereitung in der ersten Mannschaft und kamen in Testspielen zum Einsatz. Nun folgt der endgültige Sprung in den Kader von Fuat Kilic.

Der Sturm

Nach dem Abgang von Junior Torunarigha lotste Fuat Kilic Dimitry Imbongo als Ersatz an den Tivoli. Zunächst hatte der Kongolese noch Startschwierigkeiten, die Leistungen schwankten und nicht jeder Trick (an der Außenlinie) saß. Doch spätestens in der Rückrunde mauserte sich der Angreifer immer mehr zum Publikumsliebling. Imbongoal traf immer konstanter und auch dank seiner Treffer im Pokal dürfen sich die Aachener auf die erste DFB-Pokal-Hauptrunde freuen. Doch solche Treffer wecken Begehrlichkeiten und so wurde ein Verbleib des besten Torschützen in Schwarz-Gelb in der abgelaufenen Saison immer unwahrscheinlicher. Auf Instagram gab der Stürmer letztendlich seinen Abgang aus der Kaiserstadt bekannt.

Neben Imbongo hat sich auch Blendi Idrizi für einen Abgang vom Tivoli entschieden: „Der Berater von Blendi Idrizi hat mir signalisiert, dass er unser Angebot nicht annehmen wird“, sagte Fuat Kilic wenige Tage vor dem offiziellen Trainingsstart in die neue Saison.

Damit verlieren die Aachener gleich zwei ihrer offensivstärksten Akteure. Gemeinsam kamen die beiden auf 15 Tore und acht Vorlagen.

Marc Kleefisch, Alemannias Sturm-Talent aus der eigenen Jugend, sollte in der Rückrunde Spielpraxis beim SV Breinig sammeln. Eine Verletzung verhinderte dies. Für die anstehende Spielzeit wurde er nun erneut verliehen und soll beim FC Wegberg-Beeck seine Knipserfähigkeiten unter Beweis stellen, um sich anschließend wieder den Schwarz-Gelben anzuschließen.