Alemannia Aachen: Bastian Schmitt übernimmt das Problemressort „Standards“

Alemannias Ecken und Freistöße : Bastian Schmitt übernimmt das Problemressort „Standards“

Sebastian Schmitt: "Wir können mit breiter Brust auftreten."

Alemannias Saison war gerade erst 18 Minuten alt, da holte Bastian Schmitt gewaltig aus. Wie von einem Laser gelenkt, landete sein kerniger Fernschuss präzise im Torwinkel. Sein Treffer beim ersten Testspiel gegen den SV Eilendorf war vermutlich der schönste Treffer, den diese Spielzeit zu bieten hat. Das Tor war dann auch ein Hinweis in eigener Sache: „Das soll endlich einmal meine Saison werden.“

Schmitts erste Saison in Aachen war durchaus kompliziert, zwei langwierige Verletzungen pflasterten seinen Weg. Wochenlang zwackte zu Beginn die Patellasehne, kurz vor Weihnachten brach er sich den Mittelfuß. Eine Seuchensaison.

Nun hat hat er gerade eine beschwerdefreie Vorbereitungsphase hinter sich. „Zum ersten Mal seit fünf Jahren“, sagt der Linksfuß. Es zwickt nirgendwo, der 23-Jährige ist gut zur Startlinie gekommen. Schmitt ist der Überraschungsgast in der Vorbereitung. „Am Ende der letzten Saison hatte ich meine Bedenken, wann er wieder die alte Form erreicht“, sagt Fuat Kilic. Er bemängelte dessen zuweilen zarte Zweikampfführung. „Er war manchmal zu leicht auszuspielen.“

Schmitt hat die Lektion verstanden. Mit zunehmender Spielpraxis ist auch das Vertrauen in das eigene Leistungsvermögen gewachsen. Aktuell jedenfalls ist er gesetzt auf der linken Außenbahn. Und nebenbei hat er nun die Federführung über das Problemressort „Standards“ übernommen, sagt Kilic. Die scharfen Hereingaben sorgten zuletzt in Wattenscheid für ein paar gute Kopfballgelegenheiten. „Wir arbeiten noch an einem besseren Timing“, sagt Kilic. Ruhende Bälle sind immer noch eine Sorgendisziplin für die Mannschaft. Immerhin verbucht Schmitt schon drei Vorlagen in dieser Saison. Ein prachtvoller Treffer wie in der Vorbereitung ist noch nicht dazu gekommen.

Die nächste Gelegenheit dazu gibt es am Samstag, wenn der Vizemeister RW Oberhausen sich vorstellt. Mehr als 6000 Zuschauer werden zu dem Evergreen erwartet. „Wir wollen unsere gute Bilanz am Tivoli verteidigen“, sagt Kilic. „Ich gehe von einem engen Spiel aus, das wir hoffentlich für uns entscheiden können.“

Nach sieben Spielen hat seine Mannschaft bereits sieben Punkte Rückstand auf RW Essen. Von „Zugzwang“ will Kilic deswegen nicht sprechen. „Es geht um die Art und Weise, wie wir auftreten, und es geht um unsere Entwicklung“, sagt er. Der Trend stimmt gerade. Tabellenführer und Angstgegner wurden an den vergangenen beiden Spieltagen aus dem Weg geräumt. Der robuste Vizemeister aus Oberhausen, mit der ehemaligen Aachener Innenverteidigung Jerome Propheter und Jannik Löhden, ist die nächste Herausforderung.

Der 46-Jährige sieht kaum Anlass, die zwei Mal siegreiche Formation zu verändern. André Wallenborn greift wieder auf die alten Einlagen zurück, nachdem er zuletzt mit Adduktorenproblemen ausgewechselt werden musste.

Verzichten muss Kilic auf die Langzeitpatienten Nikolai Rehnen und David Bors, Can Özkan kehrt nach überstandener Grippe dann endlich nächste Woche ins Teamtraining zurück. Interimstorwart André Krul ist immer noch nicht spielberechtigt, hat aber nach den ersten gemeinsamen Einheiten schon ein paar Fans in der Mannschaft gefunden.

Bastian Schmitt wird wieder über den linken Flügel nach vorne preschen. In seiner Dynamik erinnert er zuweilen an seinen Vorgänger Tobias Mohr. Den Ex-Aachener, der in die 2. Liga zu Greuther Fürth gewechselt ist, hat er ein paar Mal am Fernseher verfolgt. „Der ist ruhiger am Ball als ich und torgefährlicher“, beobachtet Schmitt. „Ein Spieler, von dem man lernen kann.“

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