Krefeld: Alemannia Aachen ärgert den Tabellenführer KFC Uerdingen

Krefeld : Alemannia Aachen ärgert den Tabellenführer KFC Uerdingen

In den drei Spielen gegen die Spitzenteams der Liga sollte auch die Frage beantwortet werden, für welche Tabellenrichtung sich das junge Team von Alemannia Aachen entscheidet. Rutscht die Insolvenz-Mannschaft in den Tabellenkeller oder kann sie gegen Topteams mithalten?

Drei Spiele und sieben Punkte weiter ist durchaus ein positiver Trend erkennbar. „Wenn wir diese Leidenschaft zeigen wie heute, sind wir auf Augenhöhe mit den Spitzenteams“, ist die Antwort von Kapitän Nils Winter. Nach den Siegen gegen Dortmund II und Wuppertal erreichte er mit den Kollegen am Sonntag ein imponierendes torloses Remis beim KFC Uerdingen. 70 Minuten lang war Fuat Kilic sehr einverstanden mit der Leistung. „Warum wir am Ende den Faden verlieren, müssen wir besprechen.“

Aachens Trainer verzichtete beim neureichen Aufsteiger auf Tobias Lippold, wählte eine offensivere Variante mit Emre Yesilova und einem 3-4-1-2-System, das Mergim Fejzullahu viele Freiheiten hinter dem beiden Angreifern ermöglichte. Es entwickelte sich ein intensiver Stellungskampf. Die Überraschung: Die Jungspunde nahmen den Routiniers den Spaß. Die Aachener waren das aufmerksamere und das selbstbewusstere Team. Das Mittelfeld um den starken David Pütz raubte viele Bälle, Alemannia hatte mehr Spielanteile und folgerichtig viele Eckbälle. Junior Torunarigha bugsierte eine Winter-Flanke in Rücklage auf das Tor, der Ball touchierte die Latte (20.). Matti Fiedler köpfte nach einem Eckball präzise, doch der Torschrei erstarb den Aachener auf den Lippen. Reaktionsschnell tauchte Torwart René Vollath noch in die bedrohte Ecke (22.).

Der Tabellenführer hatte nur wenige lichte Momente, die Gastgeber mussten häufiger als beabsichtigt den Rückwärtsgang einlegen. „Sie haben uns im Infight den Schneid abgekauft“, nahm KFC-Coach Michael Wiesinger Anleihen aus der Boxersprache.

Gefährlicher Abschuss

Lediglich Connor Krempicki sorgte vom Strafraumeck für einen gefährlichen Abschluss (28.). „Wir haben eine überragende erste Halbzeit gespielt“, war der umsichtige zentrale Abwehrspieler Matti Fiedler zufrieden.

Sein Torhüter hatte sich schon beim Warmschießen über den „Flummi“-Ball gewundert. Im Spiel sorgte Patrick Nettkoven dann für erhöhten Pulsschlag. Er ließ einen harmlosen Schuss von Dennis Chessa durch die Finger gleiten. Der Keeper krabbelte dem Ball hinterher wie ein Krebs, der die Flut verpasst hat und erwischte ihn noch vor der Torlinie (68).

Im Gegenzug spielte Meik Kühnel Ilias Azaouaghi im Strafraum frei, der einen Tick zu lange zögerte. Noch einmal kamen die Aachener der Führung sehr nahe. Mickels passte zu Fejzullahu, der freistehend aber nur die Brust von Keeper Vollath traf (78.). Es war der letzte erfolgversprechende Ausflug, die Aachener zogen sich zurück. „Die Kräfte ließen nach“, beobachtete Fiedler, der angeschlagen (Wade) durchhielt. Alemannia verteidigte nicht mehr nach vorne, das Team igelte sich rund um den Strafraum ein — und brauchte eine größere Glücksration und Torwart Nettekoven, um den Tag ohne Blessuren zu überstehen.

Zunächst traf Chessa aus kurzer Entfernung das Außennetz (88.), dann rettete Aachens Torwart gegen Lucas Musculus (89.), ehe er Sekunden vor dem Abpfiff noch einen Kopfball von Chessa über sein Tor lenkte. Die Aachener kamen mit dem letzten Tropfen Benzin ins Ziel.

Und dennoch mausern sie sich zu einem veritablen Verfolger. Spitzenteams liegen dem Team, die Punkte wurden eher auf dem Dorf verloren. „In dieser engen Liga können wir an guten Tagen jedes Team schlagen, an schlechten Tagen aber auch gegen jedes Team verlieren“, sagt Nettekoven. Seine Empfehlung: „Wir sollten die schlechten Tage abschaffen.“

Mehr von Aachener Zeitung