Alemannia Aachen: Abschied von Fuat Kilic spätestens 2020

Alemannia-Trainer: Fuat Kilic: Spätestens 2020 genug von der Regionalliga

So genau kann Fuat Kilic gar nicht sagen, wann das Fass übergelaufen ist. Aber er kann ganz sicher sagen, dass es übergelaufen ist. Für Alemannias Trainer verliert die Regionalliga immer weiter an Reiz.

Er will, spätestens Ende der Saison 2019/20, wenn sein Dreijahres-Vertrag am Tivoli ausläuft, nicht mehr als Cheftrainer in dieser Liga arbeiten. „Das ist die Deadline, die ich mir gestellt habe.“

Denkbar sei allenfalls eine andere Funktion im Verein, sagt er. Die Entscheidung, nicht mehr in der Regionalliga coachen zu wollen, sei in den letzten Monaten gereift. Sie habe viel mit den enttäuschenden Rahmenbedingungen der 4. Liga zu tun, sagt er. „Es fehlt dieser Liga an professionellen Strukturen, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten.“

Aachens sportlicher Leiter fragt, was das für eine Liga ist, die per Losentscheidung vorab festlege, welcher der fünf Meister diesmal direkt aufsteigen darf. Der Coach lässt sich auch nicht besänftigen, weil demnächst vier der fünf Regionalliga-Meistern tatsächlich direkt in die 3. Liga gehievt werden. „Mit der Regelung wurden nur einige Verbände beruhigt“, sagt er. Die Ungerechtigkeit werde abgeschwächt, aber sie bleibe bestehen.

Ein zusätzliches strukturelles Problem sieht Kilic in der Regelung mit den U23 Teams der Bundesligisten. Die Statuten lassen den Einsatz prominenter Spieler zu. „Das hat dann aber nichts mehr mit einem fairen Wettbewerb oder Talentförderung zu tun, wenn Spieler aus der Bundesligamannschaft eingesetzt werden, die weit über 23 Jahre alt sind und zudem nicht nachweislich lange verletzt waren, um an den Bundesligakader herangeführt zu werden“, moniert Kilic. „Diese Vereine können je nach Tabellenplatz jonglieren und ihre Zweitvertretungen verstärken, um gegebenenfalls in der Liga zu bleiben oder doch aufzusteigen.“

Grundsätzlich sollte erneut über eine Nachwuchsrunde unter den Bundesligisten nachgedacht werden, so seine Anregung.

Kilic ist seit fünf Jahren in unterschiedlichen Regionalligen unterwegs. Einmal, im Frühsommer 2015, sah es lange so aus, als entkomme er ihr. Aber dann verlor er noch mit dem 1. FC Saarbrücken gegen die Würzburger Kickers im Relegationsspiel nach Elfmeterschießen. Knapper kann man nicht scheitern. Ein paar Tage später verließ er den Verein, um dann am ersten Tag des Jahres 2016 in Aachen anzuheuern.

Sein Vertrag läuft noch bis zum Ende der Saison 2019/20. Spätestens dann will er das Kapitel Regionalliga abschließen. Ohnehin, das ist kein Geheimnis, enthält sein Kontrakt eine Ausstiegsklausel für die 2. und 3. Liga bei entsprechender Ablöse. Es ist keine „Erst-beste-Gelegenheit-Klausel“, die da eingebaut ist. In den letzten Monaten hätte Kilic schon mehrfach andere Herausforderungen annehmen können.

Zuletzt stand er nach Informationen dieser Zeitung auch bei Fortuna Köln auf dem Zettel, nachdem Langzeittrainer Uwe Koschinat in Richtung 2. Liga ausgewandert war. Kilic hat solche Angebote bislang immer auf Seite gelegt. „Es muss schon passen. Ich verlasse diesen besonderen Verein nur vorzeitig, wenn es wirklich eine Perspektive gibt“, sagt er nicht zum ersten Mal.

Ohnehin ist er bundesweit einer der wenigen Trainer, der quasi von den eigenen Fans „verpflichtet“ wurde. Im vorletzten Sommer hatte er bereits gekündigt, ehe er sich dann nach vielen „Liebesbekundungen“ überzeugen ließ, zu bleiben. Jetzt läuft der Countdown. Bis 2020 will Kilic der Regionalliga endgültig den Rücken kehren. „Am liebsten natürlich mit Alemannia.“

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