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Abstimmung: Der Sturm der Legenden-Elf von Alemannia Aachen

Jetzt abstimmen : Der Sturm von Alemannias Legenden-Elf

Stephan Straub fischt den Ball aus dem Winkel, wirft das Leder in die Füße von Reinhold Münzenberg, Pass auf Michel Pfeiffer, der Stephan Lämmermann gekonnt in Szene setzt … Was für ein fiktiver Angriff mit klangvollen Namen! Wir suchen Alemannias Legenden-Elf, und Sie haben die Wahl: Stimmen Sie jetzt ab!

Wir suchen die Besten der Besten der Alemannia und stellen Spieler aus den verschiedensten Dekaden vor. Dieses Mal geht es um die Torjäger. Egal ob spektakulär verwandelt oder über die Linie gestochert, ein Knaller aus der Distanz oder locker eingeschoben, ohne Tore wäre Fußball nur halb so spaßig. Doch wer netzt für Alemannias Legenden-Elf?

Vom kleinen wendigen Dribbler über den langen Kopfballspieler bis hin zum Straufraummonster: Im Sturm hatte die Alemannia die verschiedensten Typen. Da gab es Nationalspieler wie Roger Claessen oder Jan Schlaudraff, Stürmer der alten Schule wie Mario Krohm und Benjamin Auer, Kunstschützen wie Taifour Diane oder Europapokalhelden wie Erik Meijer. Sie alle hatten ihre Vorzüge, doch in unsere Legenden-Elf kommen nur die Besten der Besten.

Benjamin „Benni“ Auer

Bei der U20-Weltmeisterschaft 2001 machten Javier Saviola, Adriano und Djibril Cissé als beste Torschützen auf sich aufmerksam. Doch auch ein deutsches Talent spielte sich mit fünf Treffern in den Vordergrund: der damals 20-jährige Benjamin Auer von Borussia Mönchengladbach. In diesem Sommer galt der in Landau in der Pfalz geborene Angreifer als Deutschlands größte Sturmhoffnung.

Doch Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück, eingesetzt wurde er am Niederrhein nur sporadisch, es folgte der Wechsel in die 2. Bundesliga nach Mainz im Sommer 2002. Dort wurde Auer über die Jahre hinweg zu einem echten Publikumsliebling und verpasste sich in der Saison 2005/06 selbst das Etikett „Talent im Endstadium“. Nach dem verpassten Aufstieg mit den 05ern am Ende der Spielzeit wechselte der Stürmer in die Bundesliga zum VfL Bochum. Doch wieder warfen ihn eine Viruserkrankung und Verletzungen zurück, zwischenzeitlich wurde er daher nach Kaiserslautern ausgeliehen.

Im Sommer 2008/09 führte Auers Weg an die Krefelder Straße nach Aachen. Dort zeigte er wieder seine Treffsicherheit vergangener Tage. Gleich in seiner ersten Saison für die Schwarz-Gelben wurde er mit 16 Treffern Torschützenkönig der 2. Bundesliga. Bis zum Ende der Saison 2011/12 kamen in insgesamt 121 Spielen noch weitere 40 Tore hinzu. Unter Michael Krüger übernahm Auer 2010 sogar das Kapitänsamt der Alemannia. Unvergessen bleiben die DFB-Pokalspiele in der Saison 2010/11 auf dem Neuen Tivoli gegen die Bundesligisten Mainz und Frankfurt, die Aachen mit Auer erfolgreich bestritt. Erst im Viertelfinale gegen die Bayern war Schluss.

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Nach dem Abstieg in die 3. Liga verließ Auer die Kaiserstadt und blieb bis zur Rückrunde der Saison 2014/15 vereinslos. Im Januar 2015 schloss er sich dem Südwest-Regionalligisten FK Pirmasens an, musste seine Karriere 2017 aber verletzungsbedingt beenden.

Neben seiner Karriere als Fußballer absolvierte Auer erfolgreich ein Studium der Fitness-Ökonomie, das er mit einem Master abschloss. Bereits während seiner Zeit auf dem Platz eröffnete er Fitnessstudios, von denen er heute drei Stück betreibt.

Jan „Knochen“ Schlaudraff

Er war einer dieser typischen Medaillen-Spieler: Die glänzende Seite zeigte einen genialen Jan Schlaudraff, einen abschlussstarken Offensivallrounder, der in der Lage war, Spiele im Alleingang zu gewinnen. Die andere Seite zeigte einen überheblichen Jan Schlaudraff, eine verletzungsanfällige Diva.

Schlaudraff wurde am 18. Juli 1983 als Sohn einer Lehrerin und eines Pfarrers in Waldbröl im Oberbergischen Land geboren. Mit 19 Jahren erhielt das Talent von Hassia Bingen einen Profivertrag bei Borussia Mönchengladbach. Für die Fohlen kam Schlaudraff - auch bedingt durch zahlreiche Verletzungen - in drei Jahren lediglich auf zehn Bundesligaeinsätze. Im Januar 2005 schloss er sich zunächst als Leihspieler der Alemannia an, wo er gleich zum Stammspieler avancierte. Kurz nach Anbruch seiner zweiten Zweitligasaison verpflichteten ihn die Schwarz-Gelben fest – eine gute Idee, wie sich schnell herausstellte. Mit elf Treffern und sieben Vorlagen hatte der damals 22-Jährige großen Anteil am langersehnten Aufstieg ins Oberhaus beteiligt.

Im neuen Rampenlicht sorgte Schlaudraff weiter für Furore. Spätestens nach seinem unnachahmlichen Sololauf mit anschließendem Hebertor am 13. Spieltag gegen Bremen (Tim Wiese: „Wenn das gewollt war, darf er nicht in Aachen spielen, sondern bei Real Madrid“) wusste jeder über die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Profis Bescheid. Wenige Tage zuvor hatte er seinen Einstand im DFB-Team gegeben. Insgesamt durfte er für die Nationalmannschaft jedoch nur dreimal aufs Feld.

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Kein Wunder also, dass der Angreifer einer der gefragtesten Spieler der Bundesliga war. Borussia Dortmund, Werder Bremen und auch der große FC Bayern München bekundeten schnell starkes Interesse an Schlaudraffs Diensten. Der Rekordmeister hatte die herausragende Qualität des neuen Superstars schmerzhaft zu spüren bekommen. Mit einem legendären Alleingang durch die Hintermannschaft der Bayern besiegelte Schlaudraff im Dezember 2006 das Aus der Münchener im Achtelfinale des DFB-Pokals.

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Prompt – Anfang Januar 2007 – gaben die Münchener bekannt, die festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von 1,2 Millionen Euro zu bezahlen und Schlaudraff zur neuen Saison zu verpflichten. So blieb Schlaudraff, anders als die Alemannia, nach der Spielzeit, in der er acht Tore erzielte, erstklassig.

Bei seinem neuen Arbeitgeber ging es ihm dann wie so vielen Spielern vor und nach ihm. Schlaudraff konnte sich nicht gegen die namenhafte Konkurrenz durchsetzen. In seinem Fall waren das Klose, Toni und Podolski. durchsetzen, stand in der Bundesliga nur 150 Minuten auf dem Platz und bekundete fast folgerichtig früh den Wunsch, den Verein schnellstmöglich wieder verlassen zu wollen.

Der Wunsch wurde ihm erfüllt, unter anderem deshalb, weil Hannover 96 bereit war, 2,5 Millionen Euro für den Angreifer auf den Tisch zu legen. Acht Spielzeiten absolvierte Schlaudraff für die „Roten“, wobei er mal eine mehr, mal eine weniger wichtige Rolle spielte. 2015 beendete er mit jungen 31 Jahren seine aktive Karriere. Seither ist er Strippenzieher hinter den Kulissen. Im Sommer 2019 beerbte er Horst Heldt als Sportdirektor seines „Herzensvereins“ Hannover 96. Ein halbes Jahr später wurde er wegen Erfolgslosigkeit von seinen Aufgaben entbunden.

Roger Claessen

229 Spiele für Standard Lüttich, 161 Treffer, bester Torschütze im Europapokal der Pokalsieger in der Saison 1966/67, Torschützenkönig der belgischen ersten Liga eine Saison später und im Sommer 1968 der damalige Rekordtransfer in der Bundesliga: Für 300.000 DM verpflichtete Alemannia Aachen den belgischen Nationalspieler.

Mit dem Wechsel nach Deutschland verließ der 1941 in Weerst geborene Stürmer nach insgesamt zwölf Jahren Standard Lüttich, dessen Anhänger ihn später zum besten Spieler der Klubgeschichte wählten. Sein Porträt ziert noch heute eine Säule an der Tribüne 1 im Stade de Sclessin.

Auch in der Kaiserstadt lief es zunächst rund für den 1,78 Meter großen Angreifer. In seiner Premierensaison 1968/69 im deutschen Fußball-Oberhaus hatte er mit neun Treffern in 29 Spielen maßgeblichen Anteil an der überraschenden Vize-Meisterschaft der Alemannia. Doch schon in der kommenden Spielzeit war der Glanz verflogen: Claessen brachte es nur noch auf 15 Einsätze, in denen ihm zwei Treffer gelangen, die Aachener stiegen am Saisonende als Letzter ab.

Claessen verließ Deutschland wieder und schnürte noch bis 1978 die Fußballschuhe für Crossing Schaerbeek, RJS Bas-Oha, Sankt Vith und Queue-du-Bois, in den letzten vier Jahren sogar als Spielertrainer. An die glorreichen Lütticher Zeiten konnte er allerdings nicht mehr anknüpfen.

Nach seiner aktiven Karriere kehrte er zu Standard zurück und war dort zwei Jahre als Jugendtrainer tätig. 1982 starb er mit nur 41 Jahren.

Karl „Kalle“ Del’Haye

Im August 1955 erblickte Karl Del’Haye in Aachen das Licht der Welt. Bereits mit sieben Jahren schloss er sich der Alemannia an und lernte bei den Schwarz-Gelben das Einmaleins des Fußballs. Bis zu seinem 18. Lebensjahr durchlief er alle Jugendabteilungen der Kaiserstädter, 1973 wurde er Profi. Aufgrund seiner guten Leistungen in der Regionalliga West und im Länderpokal der Amateure wurde Borussia Mönchengladbach auf den Stürmer aufmerksam, im Sommer 1974 wechselte er in die Bundesliga.

Bei den Fohlen erlebte Del’Haye seine erfolgreichste Zeit, 1975 und 1979 wurde er Uefa-Cup-Sieger, von 1975 bis 1977 wurde er mit den Borussen dreimal in Folge deutscher Meister und im April 1980 Nationalspieler. Rechtzeitig zur Europameisterschaft in Italien, bei der er mit dem DFB-Team den Titel gewinnen konnte.

Im Anschluss wechselte er für die damalige Rekordsumme von 1,265 Millionen DM vom Niederrhein an die Isar und schloss sich dem FC Bayern an. Zwar holte er mit den Münchenern zwei weitere Meisterschaften (1981 und 1985), gewann zweimal den DFB-Pokal (1982 und 1984) und den DFB-Supercup (1982), doch so richtig durchsetzen konnte er sich nicht. Er wollte im Sturm spielen, die rechte Außenbahn war sein Revier. Doch wie schon in der Nationalmannschaft hieß sein Konkurrent auch bei den Bayern Karl-Heinz Rummenigge, an dem kein Vorbeikommen war. So wurde er zum Inbegriff der Münchener Transferpolitik, die – so die Vorwürfe der Konkurrenz – darauf ausgerichtet war, die Gegner zu schwächen, ohne die verpflichteten Spieler wirklich zu benötigen.

Doch nicht nur der persönliche sportliche Erfolg blieb aus, auch privat hatte Del’Haye einen Schicksalsschlag zu verkraften: 1981 verbrachte er ein halbes Jahr auf der Intensivstation, um bei seiner Tochter zu sein. Sie wurde mit einem Herzfehler geboren und starb.

Zu Beginn der Saison 1981/82 wurde Del’Haye ein Wechsel seitens der Bayern nahe gelegt, da er in den Planungen keine Rolle mehr spielte. Doch der Stürmer hatte geschickt verhandelt, zählte zu den Großverdienern und ließ sich nicht vom Hof jagen. Zwischenzeitlich flog er zwar aus dem Kader, in der Folgesaison erspielte er sich aber dank guter Leistungen sogar einen neuen Vertrag. Doch mit Udo Lattek als neuem Trainer war der Aufwind von Del’Haye auch schon wieder verschwunden.

Nach fünf Jahren in Deutschlands Süden wechselte er zurück ins Rheinland und lief noch zwei Jahre für Fortuna Düsseldorf in der Bundesliga auf. In 23 Spielen gelang ihm dabei aber kein Treffer. Seine aktive Karriere ließ er in der Saison 1987/88 beim Amateurverein Lobbericher SC ausklingen.

Nachdem er seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt hatte, betrieb er 15 Jahre lang eine Sportreisefirma, die an der Costa Brava eine Fußballschule für Kinder organisierte. Nebenbei erwarb er sämtliche DFB-Trainerscheine. Das Amt selbst übte er aber nie aktiv aus. Sein Verhältnis zum Fußball beschrieb er einmal mit den Worten: „Meine Tochter ist Gladbach-Fan, meine Frau Bayern-Fan, mein Sohn Aachen-Fan, und ich bin genau dazwischen. Aber Fan? Wer so etwas 15, 20 Jahre beruflich gemacht hat, ist kein Fan mehr.“

Josef „Jupp“ Derwall

Max Merkel kürte ihn während seiner Amtszeit als Bundestrainer zum „Häuptling ondulierte Silberlocke“. Die Rede ist natürlich von Jupp Derwall. Als Trainer der deutschen Nationalmannschaft startete er gleich mit einem Rekord von 23 Spielen in Folge ohne Niederlage, zwischenzeitlich gab es sogar zwölf Siege am Stück. Er führte das DFB-Team zum Gewinn der Europameisterschaft 1980 in Italien und wurde Vize-Weltmeister 1982 in Spanien.

Anschließend feierte er in der Türkei große Erfolge als Trainer und wurde mit Galatasaray Istanbul zwischen 1984 und 1988 zweimal Meister und Pokalsieger. Noch heute ist auf dem Florya-Metin- Oktay-Tesisleri, dem Trainingsgelände von Galatasaray, ein Fußballplatz nach ihm benannt.

Geboren und aufgewachsen ist Derwall in Würselen. Dort erblickte er im März 1927 das Licht der Welt und schloss sich als Elfjähriger der Rhenania an. Bereits mit 16 Jahren lief er für die erste Mannschaft auf.

Nachdem er 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet und den Franzosen überstellt wurde, floh er nach Cloppenburg zu seinen evakuierten Eltern und spielte kurzzeitig für den ortsansässigen BV. 1946 kehrte er nach Würselen zurück und spielte wieder für die Rhenania.

Mit Würselen stieg er 1947 als Mittelrheinmeister in die Oberliga West auf und schaffte zweimal mit seinem Team den Klassenerhalt. Im Sommer 1949 folgte schließlich der Wechsel zur Alemannia, für die er in 109 Spielen in der Oberliga West 41 Tore erzielte. 1953 erreichte er mit den Schwarz-Gelben zudem das DFB-Pokalfinale. Gegen Rot-Weiss Essen erzielte er den Anschlusstreffer zum 1:2, die Niederlage konnte aber auch er nicht verhindern.

Kurios: Zur neuen Saison unterschrieb er einen Vertrag bei Fortuna Düsseldorf. Der Westdeutsche Fußballverband verweigerte ihm allerdings die Freigabe, da die Existenz der Alemannia ohne Derwall auf dem Spiel stand. Letztendlich wurde er für eine Saison gesperrt.

Seine aktive Karriere ließ er als Spielertrainer in der Schweiz ausklingen und hängte die Schuhe zum Ende der Spielzeit 1961/62 endgültig an den Nagel. 1970 wurde er Assistent von Bundestrainer Helmut Schön, den er 1978 beerbte und mit einer bis dahin einmaligen Serie als deutscher Nationaltrainer startete.

Im Juni 2007 starb er mit 80 Jahren in St. Ingbert im Saarland.

Mario Krohm

Er gehörte zu einer Gattung Stürmer, die heute vom Aussterben bedroht zu sein scheint: Mario Krohm, Strafraummonster und Kopfballungeheuer, erzielte in insgesamt 115 Spielen für die Schwarz-Gelben 37 Tore. „Eigentlich 38", werden eingefleischte Alemannia-Anhänger jetzt sagen. Schließlich ist die Wunde vom Achtelfinalaus im DFB-Pokal gegen Waldhof Mannheim noch nicht ganz verheilt – ein Rückblick:

Donnerstag, 3. Dezember 1997, 19.30 Uhr: Doktor Markus Merk pfeift das Regionalliga-Duell an, der Ball ist orange, sonst würde er im vom Schnee gesäumten Rasen nicht zu erkennen sein, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hüllen sich einige der 19.000 Zuschauer in warme Decken.

21.34 Uhr: Es steht 1:1, kaum einer im Stadion braucht noch eine Decke, die Verlängerung läuft seit sieben Minuten, Krohm wird im Strafraum gelegt – Elfmeter.

21.35 Uhr: Der Gefoulte tritt selbst an, Mannheims Schlussmann Stephan Straub wehrt nach vorne ab – Krohm verwandelt den Nachschuss. Doch der Treffer zählt nicht, und das zu einer Zeit, als es noch keinen Videobeweis gibt. Aus dem Gästeblock war ein zweiter – ebenfalls – orangefarbener Ball auf das Grün geworfen worden. Statt Anstoß gibt es Schiedsrichterball.

Die Alemannia wird im Elfmeterschießen verlieren, unter anderem weil Krohm verschießt. „Ich kann nach wie vor nicht begreifen, wie aus einem so großen Vorteil so ein Nachteil werden kann", gibt der damals 26-Jährige einen Tag nach der Partie immer noch sichtlich konsterniert zu Protokoll.

„Super Mario“ erblickte 1967 in Heide (Schleswig-Holstein) das Licht der Welt. Nach dem Umzug nach Lüxheim, wo er in jungen Jahren auf Torejagd ging, wurde er von der Alemannia entdeckt. Sein Profidebüt in der 2. Bundesliga gab er am 14. Februar 1987.

Nach drei Saisons, in denen er als Joker überzeugte, zog es ihn nach Belgien zum Erstligisten Racing Mechelen. 13 Treffer später wurde er nach Royal Antwerpen transferiert, wo er Uefa-Pokal-Luft schnuppern durfte. Es folgten Stationen in Aalst und St. Truiden. Nachdem er sich in der zweiten belgischen Liga die Torjägerkanone gesichert hatte, wurde der MSV Duisburg auf den treffsicheren Mittelstürmer aufmerksam und verpflichte ihn.

In seinen einzigen 20 Bundesligaeinsätzen traf er einmal. Der MSV stieg ab – und Krohm wechselte überraschend zum Oberligisten SC Jülich. Dort hielt es ihn aber wieder nur eine Spielzeit.

Im kommenden Jahr hatte er mit 22 Toren großen Anteil am Aufstieg des Bonner SC in die 3. Liga. Doch auch hier blieb er nur eine Saison. Dem Angebot der „alten Liebe" konnte er wohl nicht widerstehen.