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Keine Komplimente, viele Punkte: Aachen spielt schlecht in Ahlen, gewinnt aber erstmals in dieser Saison

Keine Komplimente, viele Punkte : Aachen spielt schlecht in Ahlen, gewinnt aber erstmals in dieser Saison

Vor dem Spiel kam in der Kabine noch einmal die Erinnerung an die Vorwoche auf. Alemannia lieferte Dortmunds U 23 einen guten Wettkampf, um am Ende mit langen Gesichtern in den Feierabend zu gehen. „Viele Komplimente, keine Punkte“, war die Überschrift nach dem 0:1 verlorenen Auftaktspiel.

Am Samstag nun reisten die Aachener zum Rot Weiss Ahlen, um es komplett anders zu machen. Das gelang. 1:0 gewann die Mannschaft beim Aufsteiger - nach sehr überschaubarer Darbietung. „Die Mentalität und das Spiel gegen den Ball war in Ordnung, fußballerisch war das sicher unter unseren Ansprüchen“, sprach Trainer Stefan Vollmerhausen nach dem staubigen Arbeitssieg.

Ahlen begann sein erstes Heimspiel in der neuen Liga erkennbar ambitioniert. Nach 18 Sekunden flatterte bereits ein Weitschuss in die Hände von Aachens Keeper Joshua Mroß.

Das Team hatte Pläne. Aachen hatte dagegen Hamdi Dahmani. Vollmerhausen hatte den Neuzugang nach nur zwei Einheiten mit den Kollegen sofort in die Startformation geschoben. Dessen Neustart wäre fast kitschig-schön geworden: Nach einem Eckball von Batarilo kam der Routinier zum ersten Mal für seinen Klub an den Ball, seinen präzisen Kopfballl wischte Torwart Bernd Schipmann aus dem Winkel (7.).

Der Favorit meldete sich an. Drei Minuten später ruhte der Ball an der Mittellinie. Aachens Hünen machten sich auf den Weg in den Strafraum, aber Batarilo hatte spontan eine Idee. Er passte zu Vincent Boesen, der sich am Strafraumeck abgesetzt hatte. Aachens Mittelstürmer lupfte den Ball kurz auf, um ihn dann präzise in die lange Ecke zum 0:1 zu schmettern (10.). Aachens erstes Saisontor war gleich eines für die Jahresrückblicks-DVD. Alemannia setzte nach: Marco Müller traf aus der Ferne das Außennetz (22.), ein Flugkopfball von Takashi Uchino prallte an einer zweibeinigen Mauer ab (24.).

Aus unerfindlichen Gründen zogen sich die Gäste dann zurück, der letzte Abschnitt im ersten Durchgang ging an die Gastgeber. Arda Nebi, Angreifer mit Aachener Vergangenheit, kullerte durch den Strafraum, erkennbar ohne Feindberührung (42.). Regelmäßig flogen nun Eckbälle und Weitschüsse in Richtung von Keeper Mroß. Zwar richteten die wenig Unheil an, aber nach diesem vertrödelten Drittel gab es erhöhten Redebedarf.

Es änderte sich: nichts. Alemannia Aachen blieb seltsam passiv, das Team zog sich immer weiter zurück. An der Seitenlinie ruderte der Trainer, von hinten versuchte der Torwart das Team herauszuschieben. Ohne Erfolg. Die Mannschaft igelte sich weiter ein. „Ich kann es nicht erklären“, urteilte Mittelfeldspieler Matti Fiedler später. "Es war ein graumsames Spiel." Mit jedem verlorenen Ball sank das Selbstvertrauen.

Aachen kam nicht mehr in die Spur, auch die Auswechslungen verpufften weitgehend. Von hinten wurden viele Bälle meistens unkontrollierte durch Westfalen gepöhlt. Einmal musste Torwart Mroß sich sogar behandeln lassen, sein Oberschenkel reagierte auf die vielen Abschläge.

Die Gäste bekamen keinen Zugriff mehr, sie beschränkten sich an einem Tag, an dem die offensiven Mittel fehlten, auf eine solide Verteidigung.

Es wurde hektisch, Ahlens Trainer Björn Mehnert rumpelstilzte pausenlos, die angeblich nur 300 Zuschauer sorgten für viel Stimmung. Der Aufsteiger schenkte zum ersten Mal nach einem halben Jahr wieder Alkohol aus. Damit konnte noch nicht jeder umgehen, in der zweiten Halbzeit musste in der Nähe der Aachener Bank ein aufgebrachter Fan mit Bierbecher in der Hand vom Spielfeldrand wieder zurückgeführt werden.

Ahlen drängte, sie bekamen erhebliche Ballvorteile, die Überlegenheit führte keineswegs zu einem Chancenfestival. Das erste Pflichtspiel ohne Gegentor für Joshua Mroß kam nur einmal in Gefahr. Der Schlussmann veränderte nach einem Kopfball von Sebastian Mai reaktionsschnell die Flugbahn des Balles. Gespielt waren da 75 Minuten, Aachen rettete sich mit hohem kämpferischen Aufwand über die Ziellinie. „Ich habe nichts dagegen, wenn wir Scheiße spielen und gewinnen“, fasste Marco Müller später zusammen. „In den letzten Jahren haben wir in solchen Spielen regelmäßig Punkte verloren.“ Aachen landete den ersten Sieg in dieser Saison und veränderte die Schlagzeile des ersten Spieltags.

Ahlen: Schipmann - Eickhoff, Lindner, Höveler, Kacinoglu - Wiesweg (73. Schmitz), Schmidt (59. Anan), Tietz - Aboagye (73.Mai), Maiella (79. Steinfeldt), Nebi

Aachen: Mroß - Garnier, Heinze, Hackenberg, Uchino - Fiedler - Blumberg (63. Rüter), Müller, Dahmani (55. Rakk), Batarilo (83. Wallenborn) - Boesen (88. Baum)

Weiter im Kader: Zelic - Arifi, Zahnen

Schiedsrichter: Benkhoff (Recklinghausen) Zuschauer: 300 Tor: 0:1 Boesen (10.) Gelbe Karten: Tietz, Ana, Schipmann, Schmitz/Batarilo, Rakk

Hier geht es zur Bilderstrecke: Alemannia gewinnt in Ahlen