1:1-Remis: Aachen nimmt Viktoria in den Schwitzkasten

1:1-Remis: Aachen nimmt Viktoria in den Schwitzkasten

Alemannia zeigt beim 1:1 gegen den enteilten Tabellenführer über weite Strecken eine imponierende Leistung. Aber auch diesmal belohnt sich das Team nicht. Sebastian Schmitt erleidet einen Fußbruch.

Irgendjemand hatte einen halben Mond über dem Tivoli aufgehängt. Das passte ganz gut, denn da unten auf der Erde begann an diesem Abend die zweite Hälfte der Saison in der Regionalliga. Unter Mond- und Flutlicht begegneten sich Alemannia Aachen und Viktoria Köln. Es war ein durchaus stimmungsvoller Rahmen, nur das Ergebnis stimmte aus Aachener Sicht nicht.

Das 1:1 war kein passender Ertrag für eines der besten Spiele seit vielen Jahren. Die Gastgeber nahmen den klar enteilten Tabellenführer in den Schwitzkasten - aber wieder belohnten sie sich nicht. „Gefehlt hat nur ein Tor, ansonsten können wir ziemlich stolz auf die Leistung sein“, bilanzierte Mittelfeldspieler David Pütz. „Alemannia war in allen Belangen herausragend.“ Das Lob kam nicht aus den eigenen Reihen, sondern von Kölns Trainer Patrick Glöckner. „Wir hatten heute nur einen herausragenden Torwart.“

Die Aachener begannen forsch, an diesem Abend wollten sie ihre Chance entschlossen nutzen. Bevorzugt über die linke Seite flogen sie heran. Dort hatte es den einzigen Wechsel gegeben. Gegen seinen Ex-Klub war Manuel Glowacz nur Ersatz, für ihn stürmte nun Sebastian Schmitt auf der linken Seite, die die Gastgeber an diesem Abend erkennbar bevorzugten. Der 21-Jährige bereitete auch die erste Gelegenheit präzise vor. Seine Hereingabe konnte Robin Garnier per Kopf nicht verwerten (6.).

Diagnose: Mittelfußbruch

Ein paar Minuten später humpelte Schmitt mit schmerzverzerrtem Gesicht wieder vom Feld, Mittelfußbruch lautete die Diagnose am späten Abend. Marco Müller ersetzte ihn. An der Ausrichtung änderte das nichts.

Es wurde eine unerwartet einseitige Partie, die Aachener brachten den Tabellenführer mit schöner Regelmäßigkeit in Not. In dieser Phase der Saison sind sie allerdings nicht sonderlich zupackend. Das Problem der letzten Spiele setzte sich fort.

Beispiel Minute 23: Innerhalb weniger Sekunden kamen Imbongo, Batarilo und Bösing fast unbedrängt zum Abschluss. Zweimal wehrte ein Abwehrbein auf der Torlinie ab, dann flog der Nachschuss über das Tor, und die XXL-Chance war vorbei. Sebastian Patzler wäre chancenlos gewesen, Kölns Torwart verdiente sich eine Schwerarbeiterzulage. Einen Kopfballl von Imbongo schnippte er noch fast lässig über sein Tor (31.), kurz danach aber fischte er einen Kopfball von Alexander Heinze noch vor der Torlinie (33.). Der Torjubel starb auch diesmal ab. Imbongo kam den Ziel noch einmal mit einem abgefälschten Fernschuss näher, aber auch dieses Mal nahm Viktoria eine Anleihe auf ihrem Glückskonto. Der Meister war in Bedrängnis wie selten in der Vorrunde. „So wird es am Ende nicht reichen“, vermutete der Trainer des Tabellenführers.

Alemannia Aachen verzweifelt an Viktorias Patzler

Gelbe Karte für Albert Bunjaku

Nebenbei hatten die Gäste auch noch Glück, dass ihr Torjäger Albert Bunjaku beim Halbzeitpfiff noch auf dem Platz stand. Der Stürmer hatte Kapitän Peter Hackenberg, der ohnehin schon mit einem Jochbeinbruch spielt, rüde vor den Brustkorb getreten (25.). Die Gelbe Karte war eher ein mildes Strafmaß.

Aachen belohnte sich bei erstbester Gelegenheit nach dem Wechsel. Matti Fiedler verlängerte einen Eckball von Kai Bösing aus kurzer Entfernung ins Tor zum 1:0 (48.). Die Aachener hätten sofort erhöhen können, aber Stipe Batarilo verschnörkelte sich vor dem Gästetor.

So viel Übermut rächte sich, der erste Schuss auf das Aachener Tor war gleich ein Treffer: Sebastian Wimmer verlängerte einen Eckball ins Tor zum 1:1 (53.). Seinen Trainer stimmte das aber nicht milde. Innerhalb weniger Sekunden wechselte er dreifach.

Alemannia schüttelte sich ein paar Minuten, um dann wieder Angriffe zu sortieren. Verteidiger Fiedler hatte mehrfach die Gelegenheit, sein Torkonto aufzustocken (66./67.). Unten am Spielfeldrand raufte sich Fuat Kilic die Haare. Kai Bösing verpasste mit einem Kopfball freistehend die überfällige Führung (70.). Es wurde ein Scheibenschießen, Kölns Saghiri flog mit zwei Gelben Karten vom Platz (83.). Kilic wechselte offensiv, aber die Kugel fand an diesem turbulenten Abend nicht mehr ins Ziel. Heinze, Temür, Batarilo - sie alle scheiterten noch in den Schlussminuten.

Dieses Spiel diene auch der „Überprüfung“ hatte Aachens Trainer Fuat Kilic im Vorfeld gesagt. Im Hinspiel - gleich zu Saisonbeginn - hatte sein Team Viktoria nur in der letzten halben Stunde geärgert. Am Ende des Spektakels fiel auch Kilic in das Gegnerlob für sein Team mit ein. „Die Gier war groß, das Ding heute zu gewinnen. Es fehlte einfach das Glück, das mal ein Ball ins Tor rutscht.“

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