1. Sport
  2. Fußball
  3. Alemannia Aachen

Aachen: Aachen klammert sich an die letzte Chance

Aachen : Aachen klammert sich an die letzte Chance

Eine fatale Serie von sechs Niederlagen mit 3:19 Treffern, das schlechteste Torverhältnis aller Abstiegskandidaten, dazu die anhaltende Diskussion um den suspendierten Torjäger Jan Schlaudraff: Die Lage bei Alemannia Aachen scheint aussichtslos. 13 Monate nach der Rückkehr in die Fußball- Bundesliga ist von der Aufstiegs-Herrlichkeit nichts mehr übrig geblieben, am Tivoli herrscht Tristesse pur.

Der schlimmste Fall ist einkalkuliert, obwohl sich Vereinspräsident Horst Heinrichs mit ihm nicht beschäftigen will: „Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie in die Bundesliga gehört. Das gilt auch dann, wenn sie absteigen muss”, sagte Heinrichs der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Dienstag.

Selbst wenn der Abstieg Realität wird, würde an der Krefelder Straße die Fußball-Welt nicht untergehen. „Wir haben Blut geleckt in der ersten Liga. Wenn das Team absteigen muss, werden wir wieder angreifen”, kündigte Heinrichs die Reaktion an, die er im Abstiegs- „Endspiel” am Samstag gegen Wolfsburg von seinen Profis erwartet. „Ich hoffe, dass die Mannschaft das auf die Reihe bekommt.”

Zuletzt bekam der Aufsteiger gar nichts mehr auf die Reihe. Und personell herrscht größte Not. Die Innenverteidigung mit Alexander Klitzpera und Nico Herzig fehlt gegen Wolfsburg gesperrt, Nationalspieler Schlaudraff und Sascha Dum sind von Trainer Michael Frontzeck und Sportdirektor Jörg Schmadtke auf Eis gelegt. Heinrichs will sich in die Diskussionen um den zu Bayern München wechselnden Schlaudraff, mit acht Treffern erfolgreichster Torschütze der Aachener, nicht einmischen: „Die sportlich Verantwortlichen haben sich genug den Kopf zerbrochen, was zu tun ist.”

Aachens Aufsichtsrats-Vorsitzender Helmut Breuer übte zunächst Druck aus. Dem „kicker” sagte er, es bestehe Redebedarf: „Wenn man 36 Jahre auf die erste Liga warten musste, sollte man wirklich alles versuchen und nicht Prinzipien reiten.” Heinrichs hielt sich bedeckt und verwies auf zahlreiche Gespräche, „die wir seit der Niederlage in Frankfurt in kleineren Kreisen geführt haben”.

Das Ergebnis ist klar: „Wir stehen nicht dafür, jede Woche eine neue Entscheidung zu treffen”, betonte Schmadtke das Festhalten am Votum gegen Schlaudraff, der seinen letzten Treffer am 17. März beim 2:0 gegen Bielefeld erzielte. Der Aufsichtsrat stärkte Frontzeck und Schmadtke am Dienstag den Rücken und stellte sich „hinter alle von der sportlichen Leitung getroffenen Entscheidungen”.

Damit ist eine Rückkehr der aus dem Kader entfernten ehemaligen Stammkräfte Schlaudraff und Dum nahezu ausgeschlossen. Nationalspieler Schlaudraff, mit acht Treffern bislang erfolgreichster Torschütze des Aufsteigers, und Dum absolvierten ein Training unter sich, während Frontzeck seine Mannschaft mit einer Lauf-Einheit auf das Abstiegs- „Endspiel” am Samstag gegen den VfL Wolfsburg einstimmte. Mannschaftskapitän Sascha Rösler fordert, „noch einmal alles zu mobilisieren. Das sind wir unseren Fans schuldig.”

Heinrichs will an der Position von Frontzeck und Schmadtke nicht rütteln. „Aber wir müssen sicher sein, dass für den Verein das Beste gemacht wird”, sagte er. An eventuelle personelle Veränderungen in den leitenden Positionen verschwendet der Clubchef derzeit keinen Gedanken: „So weit sind wir noch nicht.”