Köln: Aachen bringt Viktoria trotz Niederlage zum Schwitzen

Köln : Aachen bringt Viktoria trotz Niederlage zum Schwitzen

Bislang sieht die Spielordnung Zusatzpunkte für Leidenschaft nicht vor. Die Belohnung für die Aachener Spieler erfolgte also in anderer Form, sie gab es unmittelbar nach Schlusspfiff. „Wir sind gefeiert worden wie Sieger“, sagte Peter Hackenberg, als das Team von einer ausgedehnten Ehrenrunde zurückkam.

Dabei war der 29-Jährige nachgewiesenermaßen der Kapitän der Verlierermannschaft. Die Alemannia unterlag dem großen Titelfavoriten Viktoria Köln 1:2. Die Teams sind sich in den letzten drei Monaten drei Mal begegnet. Diese hitzige Partie am Sonntagnachmittag war der knappste dieser Wettkämpfe — gemessen an den Stressphasen der Viktoria. „In dieser Liga ist alles möglich, hier wird uns keiner vom Platz fegen“, urteilte David Pütz.

Eine Stunde lang deutete nicht so viel darauf hin, dass das Duell noch eine dramatische Schlussphase bekommen sollte. Der gut eingespielte Favorit hatte die Lage im Griff. Der neue Trainer Patrick Glöckner hatte gleich neun Spieler aufgeboten, die vor gut zwei Monaten im Pokalfinale gegen die Aachener standen. Sein Kollege Fuat Kilic konnte nur noch vier Profis dieser Partie aufbieten.

Schon nach der ersten Ecke musste Aachens neue Nummer eins gegen Felix Backzsat retten. Der Meisterfavorit hatte erkennbar ein paar Zentimeter mehr aufgeboten, die sich in höheren Sphären bemerkbar machten. Zwei Flanken später war Niklas Jakusch dann auch schon überwunden. Tobias Willers köpfte freistehend in den Winkel zum 1:0.

Diese Schwäche nach Standards regte Kilic auch noch Stunden nach dem Spiel auf. Gespielt waren da erst schlanke zehn Minuten, und es ließ sich nicht gut an für die Gäste, die ihre Seiten zu selten abgedichtet bekamen. Nach der nächsten Hereingabe stand Mike Wunderlich frei, Steven Rakk verhinderte Schlimmeres.

Die Aachener bekamen die Lawine erst jetzt gestoppt, die Partie wurde ausgeglichener. Von Zeit zu Zeit ergab sich auch mal eine Gelegenheit, wie für David Pütz, für den Marco Müller auflegte, sein Schuss flog knapp über das Ziel (26.). Der läuferische Aufwand der Gäste war deutlich höher, ein paar Mal eroberten sie den Ball in gefährlichen Zonen, um dann falsche Entscheidungen zu treffen. Und auch etliche Standards verpufften.

Die Nachspielzeit war schon fast abgelaufen, da entwischte Mike Wunderlich den Innenverteidigern. Der Kapitän umkurvte den Keeper, um zum 2:0 zu vollenden. Der Favorit war zufrieden, jazzte die Partie mit vielen Ballstafetten herunter. Viktoria war kaum zu packen. Kilic wechselte ein paar Ideen und Spieler — Blendi Idrizi und Vincent Boesen — ein. Und ziemlich unerwartet bekam der Wettkampf einen neuen Soundtrack. Viktorias Keeper Sebastian Patzler senste im Strafraum Marcel Kaiser um.

Den unstrittigen Elfmeter verwandelte Boesen zum 1:2 (71.). Aus dem Meisterschafts- wurde ein spektakuläres Pokalspiel. Die meisten der 2506 Zuschauer trugen eine schwarz-gelbe Brille, sie peitschten ihre Mannschaft nach vorne. „Das hat mich an eine Spielzeit erinnert, die sehr erfolgreich war“, sagte Hackenberg später. „Wir werden sehr viel Spaß mit diesem Team haben.“ Es entwickelte sich ein Spiel im Elektrizitätswerk unter der Aufschrift: Achtung Hochspannung.

Der Favorit taumelte, der ebenfalls eingewechselte Kai Bösing hätte aus drei Metern eine Rakk-Vorlage verwerten können — ja müssen. Er scheiterte an Kölns Schlussmann nach 80 Minuten. Die Aachener gingen an ihre Grenzen, riskierten nun Konter, die Wunderlich und Kreyer versemmelten.

Keeper Jakusch tauchte in den letzten Minuten regelmäßig im anderen Strafraum auf, etliche Flanken zischten vor das Tor, es wurde immer lauter, aber die Leidenschaft wurde nicht mit einem Punkt belohnt. „Es gab keinen großen Leistungsunterschied heute“, fasste der überzeugende Marco Müller das erste Pflichtspiel zusammen. „Man hat schon erkennen können, dass wir eine sehr emotionale Mannschaft sind.“

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