Der kuriose Nachmittag des 1. FC Köln: Zweitligameister erhält nach 3:5 gegen Regensburg die Schale

Der kuriose Nachmittag des 1. FC Köln : Zweitligameister erhält nach 3:5 gegen Regensburg die Schale

Irgendwann an diesem wilden Nachmittag kam der Moment, in dem Jonas Hector auf der Westtribüne des Rhein-Energie-Stadions eine Trophäe in die Luft stemmte, die wie die Felge eines Autos aussieht. Das war weder kurios noch überraschend, auch wenn es so klingen mag.

Die Schale für den Meister der 2. Bundesliga sieht nun einmal so aus, und sie war dem 1. FC Köln vor diesem 33. Spieltag ja genauso wenig zu nehmen gewesen wie der Wiederaufstieg.Überraschend und kurios war dafür so ziemlich alles andere, was zuvor auf dem Platz und danach in den Katakomben passierte. Der Tag folgte keinem Drehbuch, zumindest nicht dem, das sie beim FC ausgetüftelt hatten, er glich einer Achterbahnfahrt. Dieses letzte Heimspiel des 1. FC Köln in der Zweitligasaison sollte ja eine große Sause mit den Fans werden, ein Sieg vor einem eigenen Publikum inklusive, natürlich. Die Partie endete allerdings 3:5; die Kölner verloren durchaus verdient gegen den SSV Jahn Regensburg, und Interimstrainer André Pawlak sagte: „Das war nicht der Plan.“

Seiner Mannschaft fehlte in weiten Teilen dieses Spiels die letzte Motivation, was nach einem feststehenden Aufstieg durchaus vorkommen darf; unter der Woche ist schließlich mehr gefeiert als trainiert worden. Und so kassierte Kölns Torhüter Timo Horn ausgerechnet an seinem Geburtstag gleich drei Gegentore in der ersten Halbzeit, und so verlor der FC Stürmer Jhon Córdoba nach einer diskussionswürdigen Roten Karte. „Bittere Momente“, sagte Pawlak.

Der Trainer aber setzte nun einen emotionalen Kontrapunkt, indem er selbst vom geplanten Ablauf abwich: Er wechselte zur Pause Matthias Lehmann ein, Kölns ehemaligen Kapitän, der im Sommer höchstwahrscheinlich seine Karriere beendet; es war jedenfalls sein letztes Heimspiel für den FC. „Es war nicht besprochen, dass ich so früh ins Spiel komme“, sagte der defensive Mittelfeldspieler. Vor dem Spiel war ein Video mit seinen besten Szenen über die Anzeigetafel geflimmert, es gab Blumen, Umarmungen und bei Lehmann viele Tränen; in den letzten Minuten hätte es noch ein kleines Abschiedsründchen geben sollen. Aber jetzt wurde Lehmann noch mal gebraucht. „Es war mir eine Ehre“, sagte er.

Wird seine Verpflichtung am Sonntag offiziell? Achim Beierlorzer. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Er konnte das so hübsch formulieren, weil seine Kölner in der zweiten Halbzeit aufwachten; sie kamen mit Lehmann und einem neuen Plan. Pawlak sagte: „Die Mannschaft hat nach der Pause viel Leidenschaft und Moral gezeigt.“ Und sie schoss Tore. Hector traf erst zum 1:3 (63.) und nach einem weiteren Regensburger Tor auch zum 2:4 (73.). Und weil wenig später auch Anthony Modeste einen Treffer beisteuerte (78.), war der FC wieder im Spiel. Es wurde offensichtlich, welche Energie das Team aufbringen kann, wenn es gefordert wird. Der Ausgleich lag in der Luft, Köln stürmte, Köln forderte Handelfmeter; das entscheidende Tor erzielte aber Jonas Föhrenbach auf der anderen Seite (90.). „Die Leute haben noch mal ein tolles Spiel gesehen – leider mit dem falschen Ergebnis“, sagte Pawlak.

Aber irgendwie war das am Ende ja auch egal, das befand nach dem Spiel sogar Sportchef Armin Veh. Und so sahen es auch die Spieler und die Fans. Was nach dem Abpfiff folgte, war eine Feier mit angezogener Handbremse. Der Platzsturm der Anhänger blieb aus, sie machten eher eine Platzbegehung daraus. Und während die Mannschaft ein bisschen mit der Schale auf der Tribüne hüpfte, beschäftigten sich einige Fans lieber damit, die Tore zu demolieren statt das Team zu feiern. „Es ist das Größte, mit den Fans zu feiern“, sagte Horn. „Und ich hoffe, dass zur neuen Saison in der Bundesliga wieder die ganz große Euphorie in Köln herrscht.“

„Mit Vollgas“ – und Beierlorzer

Die Zukunft war auch das Thema bei der abschließenden Pressekonferenz; sie beendete diesen kuriosen Tag würdig: Achim Beierlorzer saß schließlich auf dem Podium, Kölns neuer Trainer; diesmal allerdings noch in seiner Funktion als Regensburger Coach.

Seine Mannschaft hatte auf dem Platz gezeigt, warum sich Köln für ihren Trainer entschieden hat: Sie ist läuferisch stark, spielt mit beeindruckender Struktur und Effizienz – und, das mögen sie in Köln besonders gerne, sie spielt schönen Fußball. Gesprochen wurde aber kaum noch über das Spiel oder den Kölner Aufstieg, sondern fast ausschließlich über Beierlorzer.

Der Trainer und die FC-Verantwortlichen weigerten sich allerdings weiterhin beharrlich, die künftige Zusammenarbeit zu bestätigen. Regensburgs Coach sagte: „Es macht erst Sinn, etwas zu verkünden, wenn es etwas zu verkünden gibt.“ Es heißt, der FC würde die Verpflichtung am heutigen Montag bekannt geben. Beierlorzer ließ sich nur eine paar Silben dazu entlocken, wie der FC die Bundesliga angehen solle. „Mit Vollgas!“ sagte er. Beierlorzer hat es selbst in der Hand.

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