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Werner Spinner tritt ab: Wie der Präsident den Machtkampf beim 1. FC Köln verlor

Werner Spinner tritt ab : Wie der Präsident den Machtkampf beim 1. FC Köln verlor

Die Sitzung dauerte kaum mehr als eine Stunde, doch anschließend saßen einige Mitglieder des Gemeinsamen Ausschusses des 1. FC Köln noch länger an der Formulierung der Pressemitteilung, die der Fußballverein am Mittwochabend um 18.36 Uhr schließlich verschickte.

Es war eine wichtige Mitteilung, es gab Historisches zu verkünden: Die Amtszeit des Präsidenten Werner Spinner beim Zweitligisten ist zu Ende.

„Angesichts der aktuellen Ereignisse hat sich am heutigen Mittwoch der Gemeinsame Ausschuss getroffen. In dem Gespräch hat FC-Präsident Werner Spinner die Mitglieder des Gemeinsamen Ausschusses darüber informiert, dass er zurücktritt.“ So lautete der Text der offiziellen Mitteilung, in der auch Spinner zu Wort kam. „Ich habe mich bereits zuvor dazu entschieden, für eine weitere Amtszeit über den Herbst hinaus nicht zur Verfügung zu stehen“, wurde der Präsident zitiert. „Nun ziehe ich diesen Schritt vor, weil mir klar geworden ist, dass es über die momentane und künftige Ausrichtung des 1. FC Köln Differenzen gibt.“

Um 15 Uhr hatten sich Spinner und Lionel Souque, der Vorstandsvorsitzende des FC-Hauptsponsors Rewe, zum Vorgespräch getroffen; gegen 15.30 Uhr trafen die weiteren Mitglieder des Gremiums ein. Neben den Vizepräsidenten Markus Ritterbach und Toni Schumacher, der sich am Mittwoch wohl lieber seinem 65. Geburtstag gewidmet hätte, waren das Stefan Müller-Römer, der Vorsitzende des Mitgliederrats, sowie sein Stellvertreter Carsten Wettich; dazu Karl-Ludwig Kley, der Vorsitzende des Beirats.

Veh und die Herausforderung

Zu klären war, wie damit umzugehen sei, dass ein angestellter Geschäftsführer den gewählten Präsidenten herausfordert. Nichts anderes hatte Armin Veh mit seinen Äußerungen am Sonntag getan, als er von einem „Problem innerhalb des Vereins“ gesprochen hatte. „Wenn man bei mir einen Vertrauensverlust hat, kann man das nicht reparieren.“ Namen hatte Veh nicht genannt. Sein Verhältnis zu Spinner galt jedoch schon länger als gestört. Zum Bruch soll es gekommen sein, nachdem Veh nach der 2:3-Niederlage in Paderborn Trainer Markus Anfang kritisiert hatte.

Der Gemeinsame Ausschuss sah Vehs Vorstoß kritisch. Und nun galt es, eine angemessene Reaktion zu beschließen. Ganz frei war man nicht darin, schließlich gibt es noch eine Mannschaft, die am Samstag gegen Arminia Bielefeld zu bestehen hat (13 Uhr). Zwar sind die Kölner derzeit Tabellenführer, stehen jedoch nach dem 24. Spieltag mit nur vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang längst nicht als Aufsteiger fest. All das schwebte wohl über dem Nachmittag – denn die Geschäftsführer, neben Veh ist das der für das Kaufmännische zuständige Alexander Wehrle, hatten sich offenbar gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Spinner ausgesprochen. Gegen diese Opposition hatte der 70-Jährige nicht angehen wollen. Er entschied sich zum Rückzug.

Veh hatte die Machtprobe gewonnen.Aber als Sieger konnte er sich nur bedingt fühlen. Ganz ohne Rüffel kam der 58-Jährige nämlich nicht davon. „Die Mitglieder des Gemeinsamen Ausschusses haben in der Sitzung ihr Missfallen über die jüngsten öffentlichen Äußerungen des Geschäftsführers Armin Veh ausgedrückt und ihm dies eindeutig mitgeteilt“, hieß es. „Alle sind sich einig, dass das Wohl des 1. FC Köln an erster Stelle stehen muss.“

In der Mitteilung stand weiterhin, man respektiere Spinners Entscheidung und dankte dem ehemaligen Vorstand der Bayer AG für „die vielen Jahre engagierter Arbeit und seine großen Verdienste um den 1. FC Köln“. Allerdings bedaure das Gremium den „Zeitpunkt seines Rücktritts“. Spinners Platz im Vorstand wird nun bis zur Mitgliederversammlung am 8. September ein Vertreter des Mitgliederrats einnehmen. Womöglich wird das Müller-Römer (50) sein, der Vorsitzende. Doch das muss das Gremium erst noch beschließen.

Der Ausgang des Mittwochnachmittags war nach Ansicht des Gemeinsamen Ausschusses der für die Mannschaft schonendste: Vizekapitän Marco Höger war nach dem wackligen 3:1 gegen Sandhausen mit der Aussage aufgefallen, die Mannschaft sei „mental angeschlagen ins Spiel gegangen“.

Und damit – wohl ohne die Absicht zu haben – auch die Frage aufgeworfen, ob Veh für Mannschaft und Trainerstab zuletzt eine Hilfe gewesen war. Spinner hatte diese Frage zuletzt in unterschiedlichen Runden gestellt und damit den Zorn seines Geschäftsführers beschworen. Höger hatte am Mittwochmorgen zwar erklärt, für ihn bedeute das alles keinen Unterschied zur Unruhe, die ohnehin herrsche: „Ob die zwei sich verstehen oder nicht, das nützt uns nichts, wenn Bielefeld  kommt.“

Doch vier Stunden später sah die Welt anders aus. Nach fast sieben Jahren ist Werner Spinners Amtszeit als neunter Präsident des 1. FC Köln vorüber.