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Köln: Wenn das Derby Nebensache ist

Köln : Wenn das Derby Nebensache ist

In einem Derby geht es um mehr als Sieg und Niederlage, sonst wäre es ja ein ganz normales Fußballspiel. In einem Derby steht auch immer die sogenannte Vormachtstellung auf dem Spiel, denn das Ergebnis entscheidet ja auch darüber, wer behaupten darf, besser als der Rivale aus der Nachbarschaft zu sein.

Das weiß auch Peter Stöger, Trainer des 1. FC Köln. Aber Derby hin, Vormachtstellung her: Stöger ist das gerade ziemlich egal. Seine Mannschaft spielt heute, 15.30 Uhr, bei Bayer Leverkusen; in der direkten Nachbarschaft also, aber Stöger: „Ob Derby oder nicht, wir brauchen keine Zusatzmotivation.“ Für den 1. FC Köln geht es heute um mehr als die Rivalität am Rhein. Es geht um Europa.

Der FC wird das erste Mal seit 21 Jahren in der Abschlusstabelle vor Leverkusen stehen, er braucht nur noch einen Punkt, um seinen Rekord seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995 zu brechen. Aber als Erfolg wird diese Saison nur gewertet werden, wenn es am Ende für die Europa-League-Qualifikation reicht. Weil sie kein Zufall wäre. Die Kölner Mannschaft ist in dieser Saison gut genug für einen Platz im ersten Tabellendrittel. Darum haben die Verantwortlichen die Europa League vor gut zwei Wochen ja als offizielles Ziel ausgegeben; lange war das unausgesprochen geblieben, mittlerweile reden sie beim FC ganz offen darüber. Die Spieler sprechen von einer Chance, die sie nutzen wollen, Stöger von einem Traum, den er sich erfüllen kann. Seitdem sie beim FC so offen über das internationale Geschäft reden, hat die Mannschaft ein respektables Remis in Dortmund und einen spektakulären Sieg gegen Bremen geholt.

Zwei weitere Dreier sollen im besten Fall noch her, erst in Leverkusen, dann zu Hause gegen Mainz. „Wir können etwas Außergewöhnliches erreichen“, sagt Stöger. „Wir wissen aber auch, dass wir auch bei zwei Siegen auf Hilfe angewiesen sind.“ Wenn die Konkurrenten nicht patzen, würde der FC mit zwei Erfolgen lediglich Platz sieben verteidigen. Und müsste dann hoffen, dass Borussia Dortmund den Pokal gewinnt. Weil der BVB in der Champions League spielen wird, dürfte der Liga-Siebte in der Europa-League-Qualifikation ran.

Das Derby in Leverkusen ist für die Kölner so oder so vor allem eins: ein Spiel, das sie gewinnen sollten. Und vielleicht hilft dabei doch das, was Stöger eigentlich bezweifelt: dass dieses Spiel ein Derby ist. Es gibt keine Bundesliga-Stadien, die näher beieinander liegen, das Rhein-Energie-Stadion und die BayArena trennen gerade mal gut 20 Kilometer. Die FC-Fans werden wieder weit mehr Karten ergattert haben als die 3500 aus dem offiziellen Gästekontingent, sie werden in Leverkusen wieder für eine Atmosphäre wie bei einem Heimspiel sorgen. Und da war ja auch noch dieses Versprechen von Stefan Kießling an die Bayer-Fans, als er per Megafon tönte, sein Team wolle die „scheiß Kölner“ schlagen. Beide Vereine waren zwar danach bemüht, die Wogen zu glätten, die Spieler des FC wird Kießling aber zusätzlich motiviert haben.

Bayer muss das Spiel machen

Dass Leverkusen noch Punkte holen will, um den Klassenerhalt zu sichern, könnte Köln helfen; Leverkusens Team muss das Spiel machen, offensiv auftreten. Und könnte dem FC damit Räume zum Kontern öffnen. Was Stögers Mannschaft mit ihren schnellen Offensivspielern ja ganz gut liegt. Leonardo Bittencourt ist in großartiger Form, das hat der Flügelspieler mit seinem Tor und zwei Vorlagen gegen Bremen bewiesen; dazu hat Anthony Modeste mit zwei Toren gegen Werder seine Treffsicherheit wiedergefunden. Der zuletzt angeschlagene Yuya Osako könnte in die Startelf zurückkehren, dafür müsste wohl Simon Zoller weichen, auch wenn er gegen Bremen ebenfalls getroffen hat. Peter Stöger sagt: „Alle sind Optionen.“ Sagt er vor jedem Spiel. Derby hin, Europa her.

Mögliche Aufstellung: Horn - Klünter, Sörensen, Subotic, Heintz - Lehmann, Hector - Jojic, Bittencourt - Osako, Modeste