Vorbericht zum Spiel 1. FC Köln gegen Hertha BSC

1. FC Köln gegen Hertha BSC : Auf der Suche nach der Treffsicherheit

Anthony Modeste will mehr Tore für den 1. FC Köln schießen – am liebsten schon im besonderen Spiel gegen Hertha BSC am Sonntag.

Anthony Modestes bislang letztes Spiel in der Fußball-Bundesliga gegen Hertha BSC ist durchaus besonders gewesen. Der Stürmer des 1. FC Köln erinnert sich gut daran, was auch daran liegt, dass er in dieser Partie ein ums andere Mal fast seine Hose verloren hätte. Sie rutschte, hing ab und zu in Modestes Kniekehlen statt seinen Hintern zu bedecken. Das war so kurios, dass das widerspenstige Stück Stoff danach für einen guten Zweck versteigert wurde. Sowas vergisst auch ein Fußballprofi nicht, zumal das ja nicht alles war: Der FC gewann am 18. März 2017 gegen die Berliner 4:2, Modeste schoss drei Tore. Es war die Saison, die der Franzose mit 25 Treffern abschloss; er hatte damit seinen Klub in die Europa League geschossen und war im Sommer nach China gewechselt. Am Sonntag trifft der Aufsteiger wieder auf die Hertha (18 Uhr), und Modeste ist seit einem guten halben Jahr zurück in Köln. Er sagt: „Ich hoffe, ich verliere wieder meine Hose.“

„Das ist meine Aufgabe“

Um seine Hose erneut zu verlieren, muss der 31-Jährige auf dem Platz stehen, was am vergangenen Wochenende nicht der Fall war: Bei der 0:4-Niederlage beim FC Bayern saß Modeste 90 Minuten auf der Bank, und irgendwie wirkt es ein bisschen so, als sei er nach seiner Rückkehr nach Köln noch nicht richtig angekommen. In der Rückrunde der vergangenen Saison traf er zwar in zehn Zweitligaspielen immerhin sechs Mal, aber er war nicht der herausragende Stürmer, als den ihn vor allem die Fans des FC in Erinnerung hatten. Und so war es ja auch bei seinen bisherigen Einsätzen in der laufenden Bundesligasaison: Modeste spielte zwar an den ersten vier Spieltagen von Beginn an, traf aber nur beim 2:1-Sieg beim SC Freiburg. Das Kopfballtor zum zwischenzeitlichen 1:1 war zwar sehenswert, in der Summe erwarten sie in Köln aber mehr von ihm. Wie auch Modeste: „Ich muss langsam mein Torjägerkostüm anziehen, dafür bin ich da, das ist meine Aufgabe.“

Natürlich liegt es nicht einzig am Stürmer, dass der FC mit vier Niederlagen in die Saison gestartet ist; das hat in erster Linie damit zu tun, dass der neue Trainer Achim Beierlorzer viele Zugänge in die Mannschaft einbauen musste. Und dass die Kölner ein knackiges Auftaktprogramm hatten, unter anderem mit dem Spiel in München und gegen Borussia Dortmund. Es ist aber definitiv so, dass der FC einen treffsicheren Modeste gut gebrauchen kann, um in der Bundesliga zu bestehen – zumal seine Konkurrenten Simon Terodde und Jhon Cordoba in der 2. Liga zwar 29 beziehungsweise 20 Mal trafen, diese Kaltschnäuzigkeit im Oberhaus aber noch nicht unter Beweis stellen konnten. Klar ist, dass im Spiel gegen die Hertha der zweite Sieg der Saison her sollte – um nicht schon früh im Tabellenkeller steckenzubleiben. Findet auch Modeste. „Es ist ein guter Moment, jetzt wieder drei Punkte zu holen“, sagt der Stürmer. „Wir spielen zu Hause und vor unseren Fans.“

Modeste mahnt aber auch an, sich nicht unter Druck setzen zu lassen. „Wir müssen ruhig bleiben und einfach weiter arbeiten“, sagt er. Und stimmt damit auch seinem Trainer zu. Beierlorzer wünscht sich auch die nächsten drei Punkte und damit den ersten Heimsieg, erklärt aber auch, dass seine Mannschaft weit davon entfernt sei, „gewinnen zu müssen“. Er bringt es lieber auf eine andere Formel: „Wir wollen unbedingt gewinnen.“ Und das soll auch wieder auf dem Platz zu sehen sein. Selbst in München hat sich der FC nicht versteckt, mutig gespielt – und die Bayern vor dem Gegentor zum 0:2 zu Beginn der zweiten Halbzeit durchaus gefordert. Gegen die Berliner soll sein Team „mit absolutem Siegeswillen auftreten“, fordert Beierlorzer. „Jeder soll sehen: Diese Mannschaft will gewinnen.“

Wer will, kann daraus schließen, dass der Trainer wieder eine offensivere Aufstellung wählen wird. In der Auswärtspartie in München hatte Beierlorzer auf Cordoba als einzige Spitze gesetzt, im Heimspiel gegen Berlin könnte er wieder zur Variante mit zwei Spitzen zurückkehren. Cordoba dürfte als agiler und ballsicherer Stürmer erneut von Beginn an auflaufen – und könnte wie an den Spieltagen zwei, drei und vier erneut von Modeste flankiert werden. Es wäre auch eine Möglichkeit, wieder seine Hose zu verlieren. Der Franzose sagt: „Als ich damals meine Hose verloren habe, haben wir drei Punkte mitgenommen – und das ist das Wichtigste.”

Voraussichtliche Aufstellung: Horn - Bornauw, Meré, Czichos (Schmitz), Hector - Skhiri, Höger - Drexler, Kainz - Cordoba, Modeste

Mehr von Aachener Zeitung