1. Sport
  2. Fußball
  3. 1. FC Köln

Borissow/Köln: Vor Kellerduell: Hitzige Stimmung beim 1. FC Köln

Borissow/Köln : Vor Kellerduell: Hitzige Stimmung beim 1. FC Köln

Nach den Klassikern „Wir haben die Schnauze voll“ und „Wir wollen euch kämpfen sehen“ folgten sogar „Schmadtke raus“-Rufe: Ausgerechnet vor dem wichtigsten Spiel der bisherigen Saison kippt die Stimmung bei Bundesliga-Schlusslicht 1. FC Köln. Es droht der Bruch mit den Fans.

Als die Spieler nach der 0:1 (0:0)-Niederlage in der Europa League bei Bate Borissow in die Kurve wollten, schlugen ihnen Wut und Ablehnung entgegen. Auf halber Strecke kehrten die Profis um. Zu allem Überfluss muss der FC nun noch 30.000 Euro Strafe für das Zünden von Pyrotechnik im Fanblock während der Partie gegen Belgrad zahlen.

Der Schuldige an der beispiellosen Talfahrt ausgerechnet nach der besten Saison seit 25 Jahren ist für die Fans gefunden: Sportchef Jörg Schmadtke, vor einigen Wochen noch als einer der Väter des Erfolgs gefeiert, hat durch einige unglückliche Transfers im Sommer den Großteil seines Kredits bei den Anhängern verloren. „Egal ist mir das nicht. Aber es macht nichts mit mir“, sagte Schmadtke, bemüht unbeeindruckt, aber sichtlich getroffen. Sein Absturz von der Kultfigur zum Sündenbock kam schnell und heftig, doch Schmadtke fehlen die Argumente. Er hatte nach dem 35-Millionen-Verkauf von Torjäger Anthony Modeste eine Menge Geld zur Verfügung und die Europa League als Argumentationshilfe. Von den Zugängen schlug aber bisher keiner ein. Und die schon im Vorjahr zu erkennenden Schwachstellen wurden nicht beseitigt.

Trainer Peter Stöger blieb von Entlassungs-Forderungen aus der Kurve verschont. Einen Rücktritt schloss er weiterhin aus. „Ich bin kein Sesselkleber, aber es wäre jetzt der allerfalscheste Ansatz, sich zu verpissen“, beteuerte er. Doch er weiß auch: „Die Situation wird schwieriger und schwieriger.“ Die gefeierte Rückkehr in den Europacup will der Österreicher aber nicht verfluchen, und den Wettbewerb trotz der fast aussichtslosen Situation ernstnehmen. „Wenn du jetzt sagst, die Europa League interessiert mich nicht mehr, bist du kein Sportler“, sagte er.

Zur Ratlosigkeit über zehn Niederlagen aus den vergangenen elf Pflichtspielen gesellen sich nun noch atmosphärische Spannungen — die es auch im Verhältnis zwischen Stöger und Schmadtke geben soll. All das ist ein explosives Gemisch vor dem Kellerduell gegen den Vorletzten Werder Bremen am Sonntag (13.30 Uhr). Ein Spiel, das viele nach einem Punkt aus acht Liga-Partien bereits als so Abstiegs-Endspiel bezeichnen.

Stöger wehrte sich gegen diese Formulierung, stellte aber klar: „Es wird mal Zeit, dass wir ein Zeichen setzen.“ Vielleicht hilft dabei der Trotz. Denn die harsche Kritik der bisher ruhigen Fans kam bei den Spielern und den Verantwortlichen nicht gut an. Der Trainer erklärte: „Dass man Unmut zeigt, verstehe ich. Dass man der Mannschaft vorwirft, dass sie nicht gekämpft hat, verstehe ich weniger.“

Umso wichtiger könnte Claudio Pizarro werden. Der Routinier ist gegen seine alte Liebe Werder besonders motiviert — und weil er für die Europa League nicht spielberechtigt ist, unbelastet von den Schmähungen in Weißrussland.

Voraussichtliche Aufstellung: T. Horn - Klünter, Sörensen, Heintz, Rausch - Özcan, Lehmann - Jojic, Osako, Bittencourt - Pizarro

(dpa)