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Markus Gisdol: Vom Buhmann zum Hoffnungsträger

Markus Gisdol : Vom Buhmann zum Hoffnungsträger

Mit einem Sieg gegen Werder Bremen könnte Trainer Markus Gisdol beim 1. FC Köln zum großen Gewinner werden.

Als vor der Saison in der Fußball-Bundesliga alle über Florian Kohfeldt sprachen, war es um Markus Gisdol längst ganz still geworden, er war einer der Trainer, über die fast niemand mehr sprach. Gut, nach seiner Entlassung beim Hamburger SV Anfang 2018 hatte es zwar immer mal wieder Spekulationen um ein neues Engagement Gisdols gegeben, doch eigentlich stand der Trainer im Abseits. Ganz anders war die Situation bei Kohfeldt. Der Coach von Werder Bremen galt als der Shootingstar der Branche,  nachdem er die Norddeutschen auf beeindruckende Art und Weise wiederbelebt und fast in die Europa League geführt hatte. Es wurden Interviews in der „Süddeutschen Zeitung“ und im „Spiegel“ abgedruckt,  Kohfeldt war gefragt und hatte immer etwas Substanzielles zu sagen. Kohfeldt war die Zukunft, Gisdol die Vergangenheit, so sah es zumindest vor dem Beginn dieser Spielzeit aus.

Eine grundlegend veränderte Lage

Dass der Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist, wissen alle, die sich mit dem Sport beschäftigten, das wissen natürlich auch Gisdol und Kohfeldt. Aber dass sich die Situation so ins Gegenteil verkehrt, war dann doch nicht abzusehen. Wenn sich Gisdol und Kohfeldt am heutigen Samstag (15.30 Uhr) im Kellerduell zwischen dem 1. FC Köln und Werder Bremen begegnen, hat sich ihre Lage grundlegend geändert. Während Kohfeldt in Bremen die schwierigste Phase seiner etwas mehr als zweijährigen Amtszeit durchlebt, zuletzt drei Pleiten in Serie mit dem 0:5-Debakel gegen Mainz als (vorerst) negativem Höhepunkt kassierte und unter Druck steht, Gisdol in Köln in die Rolle des Hoffnungsträgers geschlüpft ist – obwohl er bei seiner Verpflichtung bei vielen Fans des FC irgendwie als Buhmann galt, bevor er seine Arbeit überhaupt aufgenommen hatte.

Er kam nicht gut an – und die Bilanz von nur einem Punkt aus den ersten drei Partien schien die Kritiker zu bestätigen: Unter Gisdol verloren die Kölner erst klar bei RB Leipzig, schafften dann zumindest ein spätes Remis gegen den FC Augsburg, um nur eine Woche später beim 0:2 bei Union Berlin eine desolate Leistung auf den Platz zu bringen. Und was machte Gisdol? Er blieb ruhig. Und erarbeitete sich mit zwei gefeierten Siegen gegen Bayer Leverkusen (2:0) und bei Eintracht Frankfurt (4:2) den Respekt der Fans. „Markus marschiert ganz hervorragend vorne weg“, sagte Sportchef Horst Heldt, der zeitgleich mit Gisdol verpflichtet worden war. „Er hat die notwendige Klarheit und Ruhe, die man in so einer Situation braucht.“

Auf diesem Weg ist der neue FC-Coach durchaus ein Risiko eingegangen, als er zuletzt zahlreiche junge Spieler einbaute. Spötter behaupten in Köln, die Ersatzbank sei unter Gisdol prominenter besetzt als die Startelf. Anthony Modeste, Simon Terodde oder Marco Höger sind nur noch Ersatz, dafür standen zuletzt Jan Thielmann, Noah Katterbach und Ismail Jakobs auf dem Rasen. Das Kölner Nachwuchsleistungszentrum hat gute Arbeit geleistet, was der 50-Jährige nutzt, um seinen Überzeugungen zu folgen: Als Trainer der TSG Hoffenheim hatte Gisdol 2016 den erst 17-jährigen Niklas Süle in der Endphase und in den Relegationsspielen eingesetzt. Jetzt wiederholt sich das Vertrauen in die Jugend.

Mit sechs Punkten aus zwei Spielen hat sich der FC auf Platz 15 vorgearbeitet, ein Sieg gegen Bremen würde die Ausbeute aus der Hinrunde auf 17 Punkte schrauben – und damit doch durchaus solide sein. Die Tabelle, so sagte es Gisdol nach dem umjubelten Erfolg in Frankfurt, interessiere ihn derzeit allerdings nicht. „Er lässt sich nicht von einzelnen Ergebnissen treiben, das ist ganz wichtig“, sagte Heldt über den Trainer. „Wir tun alle gut daran, wenn wir auf dem Boden bleiben.“ Mit einem Sieg gegen Werder würde der Trainer aber zum großen Gewinner vor dem Weihnachtsfest werden. Und wäre wohl mehr als angekommen in Köln.

Das gute Gefühl mitnehmen

Gisdols Devise vor dem Duell mit den Bremern? „Schlau sein, Kopf einschalten.“ Und das gute Gefühl aus den zwei Siegen in Serie auf den Platz bringen. „Natürlich wäre es schön, wenn wir nochmal Punkte mitnehmen könnten, das wollen wir auch und das geht nur so, wie die Mannschaft es in den letzten beiden Spielen gezeigt hat: Wenn wir auch nur einen Prozentpunkt weniger in die Waagschale werfen, dann werden wir eines Besseren belehrt werden“, sagte Heldt. Spannend wird sein, auf welche Spieler Gisdol setzen wird: Kingsley Ehizibue könnte nach seiner abgesessenen Gelbsperre als rechter Verteidiger für Benno Schmitz in die Startformation zurückkehren, Florian Kainz hat sich mit zwei Torvorlagen in Frankfurt möglicherweise wieder für den erst 17-jährigen Thielmann in die erste Elf gespielt.

Unter Druck: Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt. Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Egal, wer spielt: Gisdols Team hat die Chance, die Hinrunde ziemlich versöhnlich zu beenden. Worauf freilich aber auch die Bremer hoffen. „Ich will mit einem einigermaßen guten Gefühl in die Winterpause gehen“, sagte Kohfeldt. In Köln wollen sie genau das verhindern. – weil es allen beim FC gefällt, dass nicht mehr unbedingt Kohfeldt für die Zukunft steht. Sondern viel eher Markus Gisdol.