1. FC Köln schlägt Ingolstadt: Veh offenbart tiefen Riss nach Siegesserie

1. FC Köln schlägt Ingolstadt : Veh offenbart tiefen Riss nach Siegesserie

Der 1. FC Köln schlägt Ingolstadt mit 2:1. Derweil zeigt sich ein tiefer Riss in der Vereinsführung: Sportchef Armin Veh spricht von einem „irreparablen Vertrauensverlust“.

Eine letzte Gewissheit fehlte den Profis des 1. FC Köln nach dem Schlusspfiff in Ingolstadt noch. Nämlich die, ob der Rosenmontagszug trotz des Sturms stattfinden werde.

Als das geklärt war, konnte sich zum Beispiel Rafael Czichos endlich auf die anstehenden Feierlichkeiten vorbereiten. Er wird am Montag erstmals im Zug mitfahren, seine Kollegen haben ihn schon vorbereitet: „Die Jungs haben es angepriesen. Die Erwartungen sind enorm, und ich bin gespannt“, sagte der Verteidiger nach dem 2:1-(1:0)-Sieg beim FC Ingolstadt, dem dritten Kölner Erfolg in der dritten Partie dieser englischen Woche. Vor dem Vergnügen hatte ein weiterer Arbeitssieg gestanden. „Das war ein Kampfspiel“, sagte Czichos, „aber genau so muss man in dieser Liga leider spielen. Kann sein, dass das nicht schön aussieht. Aber wenn wir nicht schön aufsteigen, ist mir das egal“, ergänzte Czichos.

Auch sein Trainer war zwar nicht unbedingt hingerissen. Doch das Auftreten der Kölner stimmte ihn zufrieden. „Wir haben viel Leidenschaft auf den Platz gebracht. Das ist nicht so schön anzusehen. Aber die Jungs haben alles reingehauen.“

...und Sportchef Armin Veh spricht Grundlegendes an. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Der Tabellen-Vorletzte bereitete den Kölnern zunächst große Schwierigkeiten, besonders über die extrem mobilen Angreifer Sonny Kittel, Dario Lezcano und Thomas Pledl. Jorge Meré sah nach einer Viertelstunde die Gelbe Karte. Doch immerhin gingen die Kölner in Führung. Jhon Córdoba setzte sich in der 39. Minute im direkten Duell mit Julian Kotzke durch, der ihn im Strafraum zu Fall brachte. Es war nicht der klarste Elfmeter der Fußballgeschichte, doch Anthony Modeste schritt zum Punkt und traf sicher zum 1:0.

Blick auf die Lage im Verein

Nach dem Seitenwechsel bekamen die Kölner den Gegner zwar besser in den Griff, dennoch blieben sie fehlerhaft. Nur 68 Prozent ihrer Pässe kamen an. Ingolstadts Trainer Jens Keller merkte hinterher zerknirscht an, seine Mannschaft liege in allen Statistiken vorn: „Wir haben den Tabellenführer weitestgehend dominiert, da ist es bitter, dass wir mit leeren Händen dastehen“, sagte der frühere FC-Profi. Statt den Ausgleich zu erzielen, kassierten die Ingolstädter nach einer Stunde das 0:2: Johannes Geis schlug einen Eckball an den langen Pfosten, wo Dominick Drexler gelauert hatte und mit einem sauberen Rechtsschuss versenkte. Weil Rafael Czichos in der Nachspielzeit im Strafraum über den Ball schlug, schaffte Paulsen für Ingolstadt noch das 1:2.

Drexler demonstrierte anschließend im Kabinengang Selbstvertrauen. Das Spiel war keine Schönheit, aber „wir sollten aufhören, Siege schlechtzureden. Die Brust sollte breiter werden. Es war ein guter Auftritt.“ Markus Anfang honorierte das ebenfalls. „Morgen sollen es die Jungs richtig krachen lassen, das schweißt auch zusammen“, sagte der Coach.

Armin Veh hatte um die 70. Minute seinen Platz auf der Tribüne verlassen, auch der Kölner Sportchef hatte sich zeitweise aufgeregt angesichts der engen Partie. „Wir haben auch schon besser gespielt, aber wenn wir in einer englischen Woche neun Punkte holen, habe ich nichts zu meckern“, sagte er.

Allerdings sah er dann den Moment gekommen, nach drei Siegen in Serie den Blick auf die Lage im Gesamtverein zu richten. „Für mich gibt es innerhalb des Vereins ein Problem. Das hat mit Vertrauen zu tun. Wenn man bei mir einen Vertrauensverlust hat, kann man das nicht reparieren. Ich weiß nicht, was das für Konsequenzen hat. Aber irgendwann gibt es welche.“

Offenbar ist Veh Verhältnis zu Präsident Werner Spinner mindestens angespannt. Zwar ist Spinner im Skiurlaub in Österreich, aber offenbar erklärt Veh Kritik an seinem jüngsten Auftreten mit dem Wirken des Präsidenten: „Jetzt könnt ihr euch aussuchen, was ich meine. Irgendwann kläre ich das auf.“

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