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Köln: Unschönes Ende eines schönen Derbys

Köln : Unschönes Ende eines schönen Derbys

„Wir haben jetzt noch fünf Endspiele vor uns, um das Saisonziel von 40 plus x Punkten zu erreichen“, hatte FC-Trainer Peter Stöger vor der Partie gegen Bayer Leverkusen nüchtern verkündet. Die erste der Handvoll Gelegenheiten, sich aus der Nervenschlacht Abstiegskampf herauszuhalten, verstrich am Sonntagnachmittag vor 50.000 Zuschauern ungenutzt.

„Die Tore sind viel zu einfach gefallen, viel zu einfach. Das darf nicht, das soll nicht, aber das ist passiert“, haderte FC-Kapitän Matthias Lehmann mit der unnötigen Niederlage ebenso wie Yannick Gerhardt: „Wir sind tief frustriert, hatten mehr vom Spiel, hatten die besseren Chancen. Den Leverkusenern ist in der ersten halben Stunde überhaupt nichts eingefallen, sie haben nur lange Bälle gespielt.“ Tatsächlich geriet Leverkusen schon in den ersten fünf Minuten unter Druck, den Kölnern gehörte das Mittelfeld, die Zuspiele in die Schnittstellen klappten — nur der Treffer wollte nicht fallen. Bernd Leno konnte erst einen Schuss von Simon Zoller abwehren (3.) und dann per Kopf vor Anthony Modeste klären (5.).

Doch Leverkusen konterte, Timo Horn konnte einen Schuss von Hakan Calhanoglu um den Pfosten lenken (14.), Kopfbälle von Dominic Maroh (19.) und Modeste (21.) fanden nicht den Weg ins Tor, und dann passierte das, wovor Peter Stöger vor und auch nach dem Spiel warnte: „Leverkusen hat die individuelle offensive Qualität und die Effektivität“, konstatierte der Österreicher. Karim Bellarabi glänzte zweimal als Vorlagengeber, überlupfte erst die Kölner Abwehr, und Brandt traf volley, dann legte er in den Lauf von Chicharito, der sicher vollendete.

„Uns war klar, dass Köln in der zweiten Halbzeit heftig auf ein Tor drängen würde. Ein paar Mal mussten wir in der Box verteidigen, ein paar Mal kriegte ein Innenverteidiger noch ein Bein dazwischen, und Leno warf sich mutig in die Schüsse“, fasste Leverkusens Trainer Roger Schmidt den zweiten Durchgang zusammen. Tatsächlich wechselte Kölns Trainer sein komplettes offensives Potenzial ein, brachte Filip Mladenovic, Philipp Hosiner und schließlich noch Marcel Hartel.

Leno läuft zu großer Form auf

Doch erst rettete Leno und anschließend der Pfosten gegen den Kopfball von Zoller (60.), dann entschärfte der Bayer-Keeper einen Volleyschuss von Hartel (86.) und vereitelte eine Chance von Hosiner (87.). Mladenovic wurde in letzter Sekunde frei am Torschuss gehindert, und vielleicht war es der Pfostentreffer von Calhanoglu mit einem Freistoß aus 22 Metern, der Schiedsrichter Manuel Gräfe noch Lust auf viel mehr machte.

„Er hätte besser nach vier Minuten Nachspielzeit abgepfiffen und uns die letzte Minute erspart“, konstatierte Roger Schmidt. Stattdessen räumte Leo Bittencourt, der zu spät in den Zweikampf kam, Admir Mehmedi übermotiviert vor dem Strafraum ab, sah zu Recht für die Aktion glatt Rot — und Bayers Verteidiger Wendell durfte mit Gelb-Rot ebenfalls vorzeitig vom Platz, da er sich mit kämpferischen Qualitäten bei der Rudelbildung heraushob. Unschönes Ende eines schönen Rhein-Derbys.

Bleibt vier Spieltage vor Saisonende die Frage nach den weiteren Aussichten für die beiden Klubs. „Natürlich haben wir den Champions-League-Platz noch im Visier, zumal wir noch zu Hause gegen Hertha BSC spielen“, richtete Schmidt den Blick nach oben, während sein Kölner Kollege eher gelassen nach vorn schaute: „Ich werde heute Nacht mit Familie und Freunden in meinen Geburtstag reinfeiern“, erklärte Stöger. „Ich werde als Trainer noch weitere Spiele verlieren und hoffentlich auch gewinnen. Aber 50 Jahre alt wird man nur einmal im Leben.“