1. Sport
  2. Fußball
  3. 1. FC Köln

Vor dem Spiel gegen Leipzig: Überzeugungsarbeit mit der Taktiktafel

Vor dem Spiel gegen Leipzig : Überzeugungsarbeit mit der Taktiktafel

FC-Trainer Markus Gisdol will seinen Spielern vor dem Leipzig-Spiel wieder zu mehr Selbstvertrauen verhelfen. Viel Zeit bleibt ihm dafür nicht.

Viel Zeit blieb Markus Gisdol nicht, seine Spieler auf die schwere Auswärtsaufgabe beim Tabellenzweiten RB Leipzig vorzubereiten. Und wenn man wie der 1. FC Köln in elf Bundesliga-Spielen bislang 23 Gegentore kassiert hat und zudem weiß, dass Leipzigs Sturmrakete Timo Werner mehr Tore (elf) erzielt hat als alle Spieler des Tabellenvorletzten zusammen (zehn), muss man kein Hellseher sein, um zu ahnen, worauf die Schwerpunkte in den Trainingseinheiten lagen.

So überrascht es also nicht, dass der 50-jährige FC-Coach das Defensivverhalten in den Mittelpunkt stellte und dazu auch die Taktiktafel auf den Trainingsplatz tragen ließ, um mit den bunten Magneten seine Vorstellungen schnell – und vor allem unmissverständlich – zu vermitteln. Gisdol, eigentlich als Freund des permanenten Offensivpressings bekannt, ließ seine Spieler deutlich tiefer stehend attackieren, als es unter Achim Beierlorzer exerziert wurde.

Denn nicht nur der durch fast nichts zu erschütternde Optimismus Beierlorzers war dem Schicksal wohl bislang ein zu beseitigendes Ärgernis, sondern auch die Naivität nach Ballverlusten im Mittelfeld führte häufig dazu, dass FC-Keeper Timo Horn immer mal wieder den Ball aus dem Netz holen musste.

Personelle Neuerungen

„Es ist wichtig, Ruhe reinzubringen und das Team zu entwickeln, um aus dieser Situation rauszukommen“, sagt Gisdol und versucht, durch diesen einfachen Kniff wieder mehr Stabilität in eine Mannschaft zu bekommen, deren Selbstvertrauen in den zurückliegenden Wochen deutlich gelitten hat.

Auch personell arbeitet der neue Übungsleiter des FC an Neuerungen. So ließ Gisdol mit Sebastiaan Bornauw als Innenverteidiger neben Rafael Czichos trainieren, dem die Rolle des verlängerten Arms des Trainers auf dem Platz zugedacht ist. „Er hat gefragt, wie wir es bisher gemacht haben, und dann gesagt, wie er es jetzt machen möchte“, erklärte Czichos. „Das sind Details, die er einem mitgibt, damit man die an die anderen Spieler weitergibt und ein bisschen Ordnung in der Viererkette herrscht“

„Selbstvertrauen tanken“

Als Rechtsverteidiger sollte Benno Schmitz für den zuletzt patzenden Kingsley Ehitzibue für Ordnung sorgen. Der Niederländer könnte dann auf der rechten Bahn ebenso für Tempo sorgen wie Ismail Jakobs, der bei seinem Debüt gegen Hoffenheim überzeugte, auf der linken. Jonas Hector nahm nach seiner Rückkehr von der Nationalmannschaft wieder seine angestammte Position als Linksverteidiger ein.

Bleibt die Frage, wer der Zielspieler in der gegnerischen Box sein soll: Anthony Modeste, den Gisdol bereits aus gemeinsamen Zeiten kennt, überzeugte mit Trainingseinsatz und -toren, Jhon Cordoba wäre die schnellste Alternative, Simon Terodde derjenige, der in der ersten Linie als Abfangstation die weitesten Wege geht.

„Ich muss die Mannschaft kennenlernen, damit ich die Spieler auf den richtigen Positionen einsetzen kann, um wieder eine gewisse Stabilität hineinzubekommen. Unabhängig von der Spielweise brauchen wir einfache Mechanismen, die der Mannschaft weiterhelfen. Wir werden auch in Leipzig unsere Chance haben“, sagt Gisdol.

Defensive Stabilität auf der einen und schnelle Angreifer auf der anderen Seite dürften nicht das schlechteste Rezept sein, um in Leipzig zu bestehen. „Wir müssen ein bisschen Selbstvertrauen tanken und den frischen Wind des Trainers mitnehmen. Dann wird es auch punktemäßig besser laufen“, sieht auch Czichos seine Mannschaft nicht chancenlos trotz der gewaltigen Aufgabe. „Keiner glaubt an uns, das können nur wir selbst tun. Wenn wir da was mitnehmen, guckt jeder doof – und wir freuen uns.“

Voraussichtliche Aufstellung: Horn - Schmitz, Bornauw, Czichos, Hector - Skhiri, Verstraete -Ehizibue, Schaub, Drexler (Jakobs) - Cordoba