Trainingsauftakt beim 1. FC Köln

Viel Arbeit für Beierlorzer : FC-Fan fordert beim Trainingsauftakt: „Klasse halten!“

„Wir wollen von euch nur, dass ihr die Klasse haltet“, forderte am Donnerstagmorgen beim Trainingsauftakt des 1. FC Köln ein Fan, der vermutlich schon in der ersten Bundesliga-Saison als Kiebitz dabei war, er packte Stürmer Jhon Cordoba energisch am Arm und schob hinterher: „Mehr nicht!“

Dieses Ziel Wirklichkeit werden zu lassen, ist die Hauptaufgabe des neuen Trainers Achim Beierlorzer, der dafür gleich mehrere Baustellen zu schließen hat, die sich zwischen Euphorie bewahren und Euphorie beleben bewegen. Bewahren – das bezieht sich auf den üppigen Kader, den der Bundesliga-Aufsteiger mit sich herumschleppt.

Beierlorzer begrüßte um 10 Uhr morgens neben den vier Torhütern auch 22 Feldspieler, die (noch) fehlenden Christian Clemens (Reha nach Kreuzbandriss) und Louis Schaub (Knochenödem) sowie Jonas Hector und Jorge Meré (verlängerter Urlaub) nicht eingerechnet. Nikolas Nartey (U 21) war nicht zu sehen, und auch der vom FC Groningen zurückgekehrte Tim Handwerker stand nicht auf dem Platz. „Tim hat gerade Gespräche mit dem Verein und will sich verändern“, klärte Beierlorzer auf. Am Abend wurde dann Handwerkers Wechsel zum Zweitligisten 1. FC Nürnberg verkündet

Der Spagat des Trainers

So muss der 51-Jährige den Spagat schaffen, den Kader zu fördern und gleichzeitig darauf vorbereitet zu sein, Chancenlose ziehen zu lassen und Neuzugänge kurzfristig einzubauen. „Das kann ganz schnell gehen, das kann sich ziehen, weil es nicht nur nach unserem Willen geht“, räumte Beierlorzer ein, ohne die Namen Marvelous Makamba (FC Brügge) oder Kevin Akpoguma (1899 Hoffenheim) auszusprechen.

Ohnehin hat der sich FC neben Kingsley Schindler (rechtes Mittelfeld/Kiel) und Kingsley Ehizibue (Rechtsverteidiger/Zwolle) auch mit Birger Verstraete (Gent) auf der Schlüsselposition vor der Abwehr verstärkt. Ein Fakt, den FC-Urgestein Marco Höger nach eigener Aussage nur zur Kenntnis nimmt. „Bei Schalke 04 hat man wesentlich mehr Geld in die Hand genommen, um für meine Position Spieler zu verpflichten. Und am Ende habe ich doch gespielt.“ Höger, mittlerweile 29 Jahre alt, bringt fast alles mit, was sich ein Trainer für einen Sechser wünschen kann – nur keine Schnelligkeit.

Doch genau diese spielt im von Beierlorzer bevorzugten 4-4-2-System neben Zweikampfhärte wohl eine zentrale Rolle, auch wenn der offizielle Auftakt nach drei Wochen eigenverantwortlichen Ausdauertrainings der Spieler eher ein gegenseitiges Beschnupppern war. „Rasen, Ball und neue Schuhe kennenlernen“, fasste Höger die Eckpunkte zusammen, auch wenn der FC bereits am heutigen Freitag in Frechen sein erstes Testspiel bestreitet. „Zunächst geht es um große Formen mit viel Ballbesitz und Verlagerung auf die Außen – damit werden wir das ganze Jahr über zu tun haben“, sagt Beierlorzer.

Euphorie wieder erwecken, das ist die Aufgabe, die Beierlorzer in Bezug auf den FC-Anhang erwartet und die angesichts des Auftaktprogramms (in Wolfsburg, gegen Dortmund, in Freiburg, gegen Mönchengladbach und in München) auch schnell wieder tiefer Betrübnis weichen kann. „Er versprüht eine positive Aura, die uns mitreißt“, bescheinigt Höger seinem Coach. „Und wir haben ein Jahr lang alles gegeben, um unserem Publikum attraktive Heimspiele gegen Dortmund und Gladbach liefern zu können. Da müssen wir uns jetzt nicht beschweren, wenn die auch kommen.“

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