Monatelanges Hin und Her: „Tony darf endlich wieder Fußball spielen“

Monatelanges Hin und Her : „Tony darf endlich wieder Fußball spielen“

Anthony Modeste erhält die Spielberechtigung für den 1. FC Köln. Läuft er schon am Freitagabend beim Auswärtsspiel in Paderborn auf?

Drei Monate lang hatte An­thony Modeste auf diesen eigentlich banalen  Moment gewartet, und dann war er endlich da. Erst gab der Stürmer des 1. FC Köln den Fans bei prallem Sonnenschein am Geißbockheim noch ein paar Autogramme, er stand für Fotos zur Verfügung – und dann stieg  er als letzter Kölner Spieler um 14.56 Uhr in den Mannschaftsbus, der zur Abfahrt nach Paderborn bereitstand.  Sagen wollte der Angreifer zwar nichts, aber man muss kein Prophet sein, um zu behaupten: Modeste hat sich wohl noch nie derart auf eine Busfahrt zu einem Auswärtsspiel gefreut wie an diesem 14. Februar.

Auf Blumen zum Valentinstag musste der Franzose zwar verzichten, dafür hatte er ein paar Stunden zuvor ein anderes Geschenk erhalten, eines, das länger haltbar sein dürfte: Der Weltverband Fifa erteilte Modeste  nach einer drei Monate währenden Hängepartie die Spielberechtigung für den FC. Es handelt sich nicht um eine vorübergehende, die die Fifa hätte ausstellen können, sondern nach Angaben des Klubs sogar um eine dauerhafte. „Der chinesische Fußballverband hat Tony mit Zustimmung von seinem ehemaligen Klub Tianjin Tianhai die Freigabe erteilt, und damit einher geht die Spielberechtigung“, wird Geschäftsführer Alexander Wehrle in der Pressemitteilung des Klubs zitiert. „Diese Entwicklung freut uns sehr.“ Geld geflossen sein soll keines, darauf insistiert Wehrle auf Nachfrage.

„Tony darf endlich wieder Fußball spielen – das ist das Wichtigste“, ließ Sportchef Armin Veh mitteilen, der sich ebenso wie Trainer Markus Anfang nicht weiter äußerte. Man war wohl der Meinung, dass die Causa Modeste schon ausreichend in der Öffentlichkeit dargestellt wurde. Und die Verantwortlichen wollten wohl auch nicht Gefahr laufen, dass sich die anderen Spieler gering geschätzt fühlen. Denn die haben es bisher in dieser Zweitliga-Saison gerichtet – und müssen es voraussichtlich auch am Freitag zu Spielbeginn beim SC Paderborn (18.30 Uhr) tun. Anfang wird wohl erneut seinem zuletzt so erfolgreichen Sturmduo Simon Terodde und Jhon Córdoba das Vertrauen schenken. Aber vielleicht kommt Modeste ja von der Bank aus zu seinem Comeback.

Fit sei der Stürmer, dass versicherte der Coach immer wieder. Aber seit August hat Modeste, der seit Mitte November beim FC trainiert hat, kein Pflichtspiel mehr bestritten. Der Freigabe vorausgegangen war ein monatelanges Gezerre. Modeste hatte in China wegen ausstehender Zahlungen gekündigt, eine Klausel in seinem Vertrag erlaubte das wohl – doch die Chinesen sahen das anders. Nun erteilte der chinesische Verband CFA mit Zustimmung seines Ex-Klubs Tianjin Tianhai, wie der finanziell ins Schlingern geratene Klub jetzt heißt, doch noch die sofortige Freigabe. Der Streit zwischen Modeste und seinem Ex-Klub um ausstehende Zahlungen ist indes nicht beigelegt, er könnte bald sogar vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) ausgetragen werden.

Die Fifa hatte in ihrem Urteil vom 6. Dezember festgestellt, dass Modeste von seinem Ex-Verein zwar noch Geld zu bekommen habe; allerdings in ihrer Urteilsbegründung auch formuliert, der Spieler habe den Verein ohne triftigen Grund verlassen. Bei dem fehlenden Geld handelt es sich um rund 260.000 Euro Prämien; außerdem blieb Tianjin Modeste das letzte Monatsgehalt im Juli schuldig. Insgesamt wäre das etwa eine Million Euro – nach Ansicht der Fifa zu wenig, um zu kündigen. Doch könnten Modeste ganz andere Summen zustehen: Der Stürmer schloss in Tianjin einen Zusatzvertrag über 15 Millionen Dollar ab, dessen Gültigkeit die Chinesen zuletzt bestritten. Die Kölner können seit einer Recherche von Wehrle aber offenbar beweisen, dass der Vertrag gilt oder zumindest in betrügerischer Absicht geschlossen wurde.

Die Chance auf viel Geld

Beide Varianten lassen nur den Schluss zu, dass die Chinesen vor dem Cas keine Chance haben dürften, einen Anspruch auf Schadenersatz gegen Modeste zu erwirken. Dem gegenüber steht die Möglichkeit für den Spieler, auf 15 Millionen Dollar aus dem Zusatzvertrag sowie zwei Jahresgehälter zu klagen, die ihm bis zum Ende seines Vertrags 2020 zugestanden hätten. Insgesamt also rund 35 Millionen Euro. Zukunftsmusik. Modeste ist erst mal froh, einfach in den Bus steigen zu dürfen.

Voraussichtliche Aufstellung: T. Horn - Schmitz, Meré, Czichos - Clemens, Geis, Kainz - Drexler, Hector - Córdoba, Terodde