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Aachen: Stöger holt Weisweiler ein: 130. Auftritt an der Seitenlinie

Aachen : Stöger holt Weisweiler ein: 130. Auftritt an der Seitenlinie

Wenn Kölns Trainer Peter Stöger etwas beherrscht, was eigentlich nicht zusammenpasst, dann ist das Unaufgeregtheit förmlich zu zelebrieren: „Ich weiß ja, dass ich für FC-Verhältnisse relativ lang hier bin“, bilanziert der Österreicher seine Zeit bei dem lange als beinahe untrainierbar geltenden Klub.

Seit fast vier Jahren ist Stöger nun verantwortlicher Übungsleiter in der Domstadt, wozu ihm Holger Stanislawski (12 Monate), Stale Solbakken (9 Monate), Svonomir Soldo (14 Monate), Hanspeter Latour (11 Monate) und Uwe Rapolder (5 Monate) sicher gerne gratulieren würden, wären sie nicht schon längst Rohmaterial für Wikipedia.

 Zwei spezielle Charaktere, beide sehr erfolgreich: Peter Stöger egalisiert heute den Rekord von Hennes Weisweiler als FC-Trainer.
Zwei spezielle Charaktere, beide sehr erfolgreich: Peter Stöger egalisiert heute den Rekord von Hennes Weisweiler als FC-Trainer. Foto: Thomas Zimmermann

Und mit dem Spiel (Samstag, 15.30 Uhr), das bezeichnenderweise gegen Borussia Mönchengladbach stattfindet, wird sich der 50-Jährige einen weiteren Eintrag sichern. Es ist sein 130. Auftritt an der Seitenlinie, Stöger stellt damit den bisherigen Rekord eines Mannes ein, der bei beiden Klubs verehrt wird. Und während die eine Hälfte der Menschheit „der Hennes“ und die andere „der Weisweiler“ sagen würde, gibt Stöger zu bedenken: „Stimmt schon. Aber Herr Weisweiler hatte ja wesentlich mehr Europapokal-Spiele in seiner Zeit.“

Hennes und Gisela

Vermutlich hätte noch nicht einmal zu Zeiten des größten Ehekrachs Gisela selbst zu ihrem Hennes „Herr Weisweiler“ gesagt. Und als früherer Kölner Trainer mehr Europapokal-Spiele auf dem Konto zu haben als der aktuelle, ist auch nicht das größte Kunststück, schließlich liegt der letzte Auftritt des FC auf internationaler Bühne fast so lange zurück wie die Deutsche Wiedervereinigung. Aber immerhin ist der Klub wieder auf dem besten Weg dahin, was auch mit ein Verdienst von Peter Stöger ist.

Darauf festlegen will sich der Österreicher trotz der bislang erfolgreichsten Saison der letzten Dekaden nicht, ob nach Ende der Saison die Auslosungen der Uefa in Nyon auch für die FC-Verantwortlichen um Sportdirektor Jörg Schmadtke wieder ein Pflichttermin werden — und verblüfft angesichts von 40 Punkten nach 27 Spieltagen mit der Aussage: „Bislang haben wir noch nicht mal unser ursprüngliches Saisonziel, Platz 9 aus der letzten Spielzeit zu bestätigen, erreicht.

Hinter uns ist alles dicht gedrängt, man muss Konstanz zeigen, wenn man um die europäischen Plätze mitspielen will, und man muss ein bisschen mehr Glück als die anderen haben. Diejenigen werden es dann schaffen, und die anderen nicht.“

Ein unbestreitbar wichtiger Schritt dahin wäre es jedenfalls, gegen die im Aufwind befindliche Borussia vom Niederrhein etwas zu holen. Am besten einen „Dreipünkter“, wie der alpenländische Fachbegriff für einen Sieg offenkundig lautet. Doch schon der Gedanke an die anstehende Begegnung entlockt dem Kölner Trainer ein anerkennendes „Das wird ein harter Brocken für uns, das ist klar!“, und die Gründe dafür folgen auf dem Fuße: „Gladbach war gegen die Hertha sehr dominant, hatte viele Chancen, viele Abschlüsse. Die Mannschaft hat gezeigt, was man von ihr auch erwarten darf.“

Sein eigenes Team habe allerdings auch einiges vorzuweisen, etwa „Wir sind sehr heimstark“ oder „Wir haben es geschafft, die wichtigen Spiele zu gewinnen“. So sei der Ausgang der Partie völlig offen, sagt Stöger und überrascht sich selbst: „Sie fragen mich, wer der Favorit in dieser Partie ist?“, meint er zu einem Journalisten in der Pressekonferenz vor dem Gladbach-Spiel und sagt nach kurzer Denkpause ein wenig verwundert: „Allein die Tatsache, dass ich darüber nachdenke, zeigt schon, dass wir eine gute Mannschaft sind.“

Für die Richtigkeit dieser Aussage sprechen jedenfalls die bisherige Stögersche Derbybilanz (zwei Siege/zwei Niederlagen/ein Unentschieden) und Tabellenplatz 5 in der heißen Phase der Saison.

Und natürlich diese Unaufgeregtheit des Österreichers, der gleich zwei Antworten auf die Frage findet, warum er an „Herrn Weisweiler“ absehbar vorbeiziehen wird in der kommenden Woche — sollte am Samstagnachmittag nicht gerade ein 12:0 für Borussia Mönchengladbach an der Anzeigetafel stehen: „Meine Leute, also meine Chefs, haben mir nicht gekündigt in dieser Zeit. Danke dafür“, lautet die eine für die spöttischen Lacher.

Aber auch vier erfolgreiche Jahre haben ihre dunklen Phasen, und so sagt der Österreicher, gefragt, ob er in dieser Zeit jemals das Gefühl gehabt habe, in einer Sackgasse zu stecken: „Manchmal waren wir kurz davor, dass wir dachten, es wird immer schwieriger und schwieriger. Doch dann haben wir jedes Mal Überraschendes geschafft. Also auch danke an die Jungs.“

Sollten allerdings die Kölner Ultras, anders als im Spiel gegen Eintracht Frankfurt, für 90 Minuten ihr Hadern mit sich selbst vergessen können und auch noch ein Sieg über Gladbach dieses fast schon historische Datum krönen, dürfte ein „Danke, Herr Stöger“ auch von der Südtribüne zu vernehmen sein.

Voraussichtliche Aufstellung: Horn - Olkowski, Sörensen, Heintz, Hector - Lehmann, Höger - Clemens, Jojic, Rausch - Modeste