1. Sport
  2. Fußball
  3. 1. FC Köln

Bremen: Schmadtke spart sich das „Eierkopp-Urteil“

Bremen : Schmadtke spart sich das „Eierkopp-Urteil“

Es war am Samstagabend fast genau ein Jahr her, dass Jörg Schmadtke nach einem 1:1 des 1. FC Köln bei Werder Bremen das Schiedsrichtergespann „Eierköppe“ genannt hatte. Der Vorfall führte damals zu einem sprachwissenschaftlichen Diskurs, weil Schmadtke argumentierte, „Eierkopp“ sei in seinem rheinländischen Kulturkreis gar keine Beleidigung.

Sehen wir anders, sagte das DFB-Sportgericht und verhängte 6000 Euro Geldstrafe. Und nun, im Dezember 2016, nach einem erneuten 1:1 bei Werder Bremen, sollte Schmadtke natürlich sagen, was er darüber denkt, dass seiner Mannschaft gerade ein Elfmeter in der 89. Minute verweigert worden war. Und der gefoulte Marco Höger auch noch die Gelbe Karte bekam und damit im nächsten Spiel gesperrt ist.

Die sportliche Bedeutung der Szene für das Spiel war viel höher als im „Eierkopp“-Fall. Aber Schmadtke kam diesmal ohne regionale oder internationale Schimpfworte aus, sondern wirkte bestürzt über die Möglichkeit eines so kapitalen Fehlers: „Die Situation ist ja nicht so, dass sie unübersichtlich ist. Da sind nur zwei Leute involviert, das Tempo ist auch nicht hoch. Da erwarte ich von einem Schiedsrichter, dass er die Situation richtig einschätzt.“

Keine Entlastung für Robert Bauer

Hatte Stark aber nicht. Keine Kamera-Einstellung, keine Zeitlupe der Szene konnte Werder-Verteidiger Robert Bauer entlasten und auch nicht den Unparteiischen. Im Gegenteil: Häufiges Anschauen musste aus Kölner Sicht schmerzverstärkend wirken — die Szene war mindestens so eindeutig wie das legendäre Handtor des Hannoveraners Leon Andreasen im Rhein-Energie-Stadion. „Da sind in einer Minute zwei sehr unglückliche Dinge passiert, und deswegen ist es schade“, sagte FC-Trainer Peter Stöger über den doppelten Wermutstropfen. Der Österreicher hatte die Szene zuvor einige Male gesehen und sichtbar, aber mit Erfolg um Selbstbeherrschung gekämpft.

Mit Blick auf das Derby gegen Bayer Leverkusen am Mittwoch empfand Stöger die Sperre für den stark spielenden Höger schwerwiegender als die möglicherweise entgangenen zwei Punkte. Die Personallage beim FC ist weiterhin angespannt. Höger, der die Karte sah, weil er dem pöbelnden Bauer mit dem Finger gedroht hatte, sagte: „Mit meiner Erfahrung muss ich mich da besser im Griff haben.“ Immerhin kann der am Samstag gesperrte Salih Özcan gegen Leverkusen wieder auflaufen.

Hinter der großen Diskussion um Starks ausgebliebenen Pfiff verschwand eben ein wenig der Eindruck, dass der FC die Partie auch ohne den Elfmeter hätte gewinnen können. Und sogar ohne die Nutzung von Osakos großer Chance, der in der 60. Minute aus 16 Metern freistehend knapp am Bremer Tor vorbeischoss.

Nach der Kölner 1:0-Führung durch Artjoms Rudnevs, schön herausgespielt von Jonas Hector und Anthony Modeste, ließ FC-Keeper Thomas Kessler einen tückischen 30-Meter-Schuss von Serge Gnabry zum 1:1 passieren. „Der war sicher nicht unhaltbar“, sagte Kessler, „wenn ich den gehalten hätte, hätten wir wahrscheinlich drei Punkte mitgenommen. Deswegen ist der Ärger bei mir groß.“

Freude setzt später ein

Kessler hatte auch sehr starke Momente, und sein Team brauchte sie. Sowohl Werder-Trainer Alexander Nouri als auch Stöger waren am Ende mit dem Remis zufrieden. Der FC konnte immerhin wieder punkten, auch wenn der letzte Sieg schon vier Spiele zurückliegt. Die Kölner schleppen sich aufgrund der vielen Ausfälle der Winterpause entgegen, in der ihre Torfabrik Modeste bereits zu sein scheint. Aber sie verlieren selten: „Wir haben wieder ein gutes Auswärtsspiel gezeigt in einer Phase, in der jeder weiß, dass wir ein bisschen auf der Felge laufen“, sagte Kessler, „deswegen überwiegt morgen doch die Freude über unsere Leistung.“