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Köln/Bremen: Rückkehrer Ujah: „Ich erwarte keine schöne Atmosphäre“

Köln/Bremen : Rückkehrer Ujah: „Ich erwarte keine schöne Atmosphäre“

So wechselhaft hat er sich sein erstes Jahr in Bremen nicht vorgestellt. Doch auf dem Weg zur persönlichen Glückseligkeit gibt es für Anthony Ujah ein Hindernis, das er derzeit nicht überwinden kann. Dieses Hindernis ist 37 Jahre alt, vereint Coolness und Eleganz noch immer wie kein Zweiter in der Bundesliga, stammt aus Peru und hört auf einen Namen, der die jüngere Geschichte des deutschen Profifußballs prägte: Claudio Pizarro.

Noch im Januar schwärmte Ujah: „Claudio hat keine Angst, Bälle zu bekommen und versucht immer, Optionen zu geben. Wenn er spielt, haben wir mehr Ballbesitz. Ich kann noch viel von ihm lernen. Auf dem Platz mache ich gerne, was er will.“ Heute würde ihm eine solche Schmeichelei wohl kaum noch leicht über die Lippen gehen.

Sie wäre angemessener denn je, doch genau darin ist das Dilemma des Nigerianers begründet: Er selbst durfte nach der Winterpause nur neun Mal von Anfang an ran und erzielte vier Tore. Pizarro hingegen beginnt immer — und traf nach der Winterpause zwölf Mal für die abstiegsbedrohten Bremer. Eine sagenhafte Quote eines sagenhaften Stürmers.

Doch Ujah leidet darunter. Im vergangenen Sommer verließ er den 1. FC Köln, er nutzte eine Klausel, die es ihm erlaubte, für 4,5 Millionen zu einem Verein seiner Wahl zu wechseln. Er entschied sich für Bremen. Und der Auftakt glückte: In den ersten vier Saisonspielen kam er auf zwei Tore und zwei Vorlagen sowie einen wichtigen Treffer in der ersten Runde des DFB-Pokals.

Sein Trainer, der ehemalige Werder-Profi Viktor Skripnik, nannte ihn seinerzeit den „wichtigsten Mann“ im Kader — später schoss Ujah mit seinem Tor zum 1:0-Sieg in der zweiten Runde noch den FC aus dem Pokal. Doch als die Transferfrist schon vorüber war, holten die Hanseaten den nach seinem Abschied vom FC Bayern vereinslosen Claudio Pizarro zurück.

Plötzlich hatte Ujah einen neuen und namhaften Konkurrenten. Anfangs war Pizarro zwar nicht fit und nicht in Form. Es gab ja sogar Zweifel daran, ob er tatsächlich noch einmal zum Startelf-Kandidaten würde werden können, oder ob Werder eine von Nostalgie befeuerte, doch sportlich kaum förderliche Rückholaktion vollzogen habe. Aber der Rest der Geschichte ist bekannt: Pizarro, der Wundersame, hat sich zurückgearbeitet.

Er ist unumstritten, Werder möchte unbedingt mit ihm verlängern, und wenn der Klub nicht absteigt, dann wird der mit 176 Toren längst erfolgreichste ausländische Bundesliga-Stürmer voraussichtlich noch ein Jahr bleiben. Immerhin konnte Ujah den Triumph der Mannschaft am Montag beim 6:2 gegen Stuttgart mit einem persönlichen Erfolgserlebnis kombinieren, als er nach seiner Einwechslung ein Tor zum furiosen Sieg beisteuerte, durch den Werder auf Tabellenplatz 15 vorrückte.

Heute kehrt er mit Bremen nun erstmals ins Rhein-Energie-Stadion zurück. „Ich freue mich darauf, mal wieder dort zu spielen. Das waren drei wichtige Jahre für mich“, sagt Ujah.

Der Nigerianer weiß aber auch, dass er in Müngersdorf nicht mit Harmonie rechnen kann. Die Art und Weise seines Abschieds pulverisierte seinen Status als Publikumsliebling, denn schon einige Spieltage vor Ende der zurückliegenden Saison veröffentlichten die Bremer einige Fotos, auf denen Ujah unter anderem vor einem „100 Prozent Werder“-Schriftzug posierte. „Ich erwarte keine schöne Atmosphäre. So ist das im Fußball. Das hat ja jeder bei Mats Hummels in Dortmund gesehen“, sagt Ujah.

Doch was die FC-Fans ihm zurufen werden und wie laut sie ihn auspfeifen werden, darf ihn natürlich nicht tangieren — Ujah hat schlichtweg andere Probleme: Primär ist natürlich der Kampf mit Werder gegen den Abstieg gemeint. Aber dann ist da ja auch noch dieser peruanische Wunderstürmer.

(sag)