1. Sport
  2. Fußball
  3. 1. FC Köln

Köln: Rieseln in Hamburg wieder die Punkte für den FC Köln?

Köln : Rieseln in Hamburg wieder die Punkte für den FC Köln?

In dieser Woche hat auch Armin Veh die besondere Emotionalität der Fußballstadt Köln mit Wucht kennengelernt. Es ist nur wenige Tage her, da mühte der Sportdirektor sich noch, die sterbende Zuversicht am Leben zu halten.

Nur wenige Tage später zwingt die erstaunliche Geschichte des 2:1-Sieges des FC im Derby gegen Borussia Mönchengladbach den neuen Sportdirektor zum Tritt auf die Euphoriebremse. „Man muss demütig sein, gerade nach solchen Siegen“, ruft er dem fiebernden Fußballvolk zu, denn tatsächlich herrscht wieder einmal helle Aufregung um den Tabellenletzten.

Nach der sagenhaften Kumulation des Unglücks in der Hinrunde scheinen nun sogar die Spielplangestalter auf die Seite der Kölner gewechselt zu sein. Dass genau jetzt ein Gastspiel beim Hamburger SV (Samstag, 18.30 Uhr) ansteht, wird als Glücksfall empfunden. „Die haben jetzt Druck“, sagt Trainer Stefan Ruthenbeck, und es ist nicht zu überhören, wie gut ihm das gefällt.

Nicht mwhe hoffnungslos

In den Kölschkneipen ergötzen die Leute sich an der Vorstellung von zitternden HSV-Knien, die Kölner, die schon so gut wie verloren schienen, können sich aus eigener Kraft mitten hinein hieven in einen keinesfalls hoffnungslosen Abstiegskampf. „Es ist unglaublich, dass wir sogar mit neun Punkten noch die Chance haben, wieder ranzukommen“, sagt Torhüter Timo Horn.

Trainer Ruthenbeck verwendet den Modebegriff vom „Momentum“, das im Moment für Köln spreche, und tatsächlich ist dieser Faktor nicht zu unterschätzen. In der Hinrunde mündete die Summe aus ungewöhnlichem Verletzungspech, ungünstigen Entscheidungen auf dem Transfermarkt, fehlendem Spielglück, Pech mit den Schiedsrichtern und Unstimmigkeiten in einer Dynamik des Niedergangs.

Das führte zu einer seltsamen Ambivalenz, weil die Leute sich an der ersten Europapokalteilnahme seit einem Vierteljahrhundert erfreuten. Köln ist die Dramaqueen der Liga, die Fans mussten Trennungen von Peter Stöger und Jörg Schmadtke, den Helden des Aufschwungs, verkraften, freundeten sich mit dem Gedanken an die Zweite Liga an.

„Wir waren schon totgesagt, Absteiger, Nichtskönner“, erinnert Ruthenbeck an die Depression des Spätherbstes. Nun hat sich dieser Schmerz in einen festen Glauben an die Kraft der Erneuerung verwandelt.

So groß die Summe der Unglücksfälle in der ersten Saisonhälfte war, so konsequent fügen sich jetzt die günstigen Umstände zu einem neuen kölschen Überschwang zusammen. Mit Jonas Hector ist der wichtigste Stabilisator zurück im Team. „Er steht sportlich über allen“, sagt der Trainer über den Nationalspieler, der lange verletzt gefehlt hatte. Außerdem haben sie im Wintereinkauf Simon Terodde wieder einen echten Stürmer.

Das Siegtor, das der Neue in der fünften Minute der Nachspielzeit gegen Gladbach erzielte, hat den Glauben an Wunder genauso beflügelt, wie die Verpflichtung des im Sommer von Topklubs umworbenen Mittelfeldspielers Vincent Koziello, der aus Nizza kam und ebenso wie der zuletzt angeschlagene Matthias Lehmann im Kader für das Hamburg-Spiel steht. Konstantin Rausch, der wohl zu Dynamo Moskau wechseln wird, fehlt im Aufgebot.

Der Deal mit Koziello ist nach der Terodde-Verpflichtung schon der zweite Coup von Veh, der Vertrauen gewinnt. Eigentlich trauern viele noch dem Schmadtke-Stöger-Effzeh nach. Immer noch fühlt sich die übergangslose Verwandlung vom menschlichen Erfolgsmodell in das Improvisationswerk mit Veh und Ruthenbeck fremd an.

Und wenn die Sache in Hamburg schief läuft, kann der Klub schnell wieder in die Depression zurückfallen. Das weiß auch der Trainer: „Der HSV ist immer noch in einer besseren Situation als wir, wir dürfen nicht blauäugig sein“, warnt Ruthenbeck.

Voraussichtliche Aufstellung: T. Horn - Sörensen, Meré, Heintz, Hector - Koziello (Özcan), Höger - Klünter, Jojic - Zoller, Terodde