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Gelsenkirchen: Peter Stöger und der lange Abschied

Gelsenkirchen : Peter Stöger und der lange Abschied

Das Spiel ist gerade vorbei, und die Fans von Schalke 04 sind außer sich vor Wut. Nur 2:2 gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten, und das nach dem triumphalen Comeback im Derby der Vorwoche. Zweimal hat Schalke geführt, zweimal hat der 1. FC Köln ausgeglichen. 2:2 also.

Aus der Schalker Fankurve donnerten Beschimpfungen gegen FC-Torhüter Timo Horn, der nach Ansicht der Schalker auf Zeit gespielt hatte. Dann wechselten die Sprechchöre, noch lauter brüllten die Schalker in Richtung der Kölner: „Absteiger, Absteiger!“

Beide Mannschaften standen währenddessen am Mittelkreis, und die Kölner Spieler wussten in diesem Augenblick, dass sie in dieser Konstellation nicht mehr zusammenstehen würden. Peter Stöger hielt eine Ansprache, dann ging die Mannschaft zum Block mit den FC-Fans, Stöger folgte seinen Spielern. Die Kölner Anhänger jubelten; zweimal Ausgleich, endlich wieder ein dramatisches Spiel mit einer guten Leistung und einem erträglichen Ausgang. Es war einer der besten Kölner Bundesligatage seit einiger Zeit.

Und Handwerker weint

Stöger legte den Arm um seinen Assistenten Manfred Schmid, winkte in die Tribüne und sah dabei aus wie ein Rockstar, der nach einer letzten Zugabe ein triumphales Konzert beendet. Stöger zog seinen Hut, verbeugte sich, während die Leute auf den Rängen seinen Namen riefen. Es war ein großer Auftritt des Österreichers, der noch seinen Kapitän Matthias Lehmann umarmte, während der junge Tim Handwerker weinte. Dann ging Stöger. Und was wie ein Abschied ausgesehen hatte, war auch einer.

Dennoch dauerte es noch eine Nacht, bis Klarheit herrschte. In der Interviewzone verrichteten alle ihren Job. Tingelten von einer Kamera zur nächsten, gaben ihre Statements ab. Keine verrammelte Kabine, keine Emotionen. Nur ein paar vielsagende Sätze. Etwa von Horn, dem Torhüter und Leistungsträger. Der sprach davon, dass dem Trainer nach einer sportlichen Bilanz wie der aktuellen „die Argumente ausgehen“.

Keine Treueschwüre, nur das seltsame Gefühl, dass es vorüber war. Aus dem Mannschaftskreis sickerte in diesen Minuten durch, dass sich der Trainer verabschiedet hatte. In einer Whatsapp-Gruppe des Teams war die Nachricht aufgetaucht, dass Stöger nicht mehr Trainer sei. Doch eine Verkündung blieb zunächst aus.

Dabei war nichts mehr offen. Eine Art Trennungsgespräch hatte es schon am Freitagmittag in Alexander Wehrles Büro gegeben. In dem hatte der Geschäftsführer dem Trainer mitgeteilt, dass es nach dem Schalke-Spiel nicht weitergehen werde. Interessanterweise hatte aber auch Stöger erklärt, dass die Partie in Gelsenkirchen seine letzte als FC-Trainer würde; Stöger wolle wegen der Ereignisse der letzten Tage nicht weitermachen — selbst im Falle eine Sieges über Schalke nicht.

„Wir hatten uns am Freitag darauf verständigt, dass eine weitere Zusammenarbeit unabhängig vom Ergebnis auf Schalke nicht mehr möglich ist. Ich habe die Entscheidung von Peter zu respektieren“, sagte Wehrle. Es gab also nichts mehr zu besprechen am Samstagabend. Doch der 1. FC Köln blieb still.

Gegen 23 Uhr erreichte der Mannschaftsbus das Geißbockheim, Team und Trainer zogen sich in den Spielertrakt zurück, verabschiedeten sich bald nach und nach in die Nacht, während ein paar Fans auf dem Parkplatz ausharrten. Gleichzeitig teilte der Verein mit, dass das Training am Sonntag von 10 auf 13 Uhr verlegt worden war. Wer die Einheit leiten würde, blieb offen. Doch klar war: Etwas würde geschehen.

Die mit der Verlegung gewonnenen Stunden am Sonntagvormittag nutzten die Kölner dann für ein letztes großes Gespräch mit dem Kölner Rekordtrainer. Ein Gespräch, das derart ausartete, dass sie zu ihrer eigenen Pressekonferenz zu spät kamen: Für zwölf Uhr hatten sie geladen, erst um 12.27 Uhr erhoben Geschäftsführer Wehrle und Werner Spinner das Wort. Drei Minuten zuvor hatte der 1. FC Köln mitgeteilt: „FC und Peter Stöger trennen sich“.

Es folgte eine denkwürdige Runde, in der Werner Spinner die Entscheidung so kommentierte: „Wir sind in der Verantwortung, alles zu versuchen, um den Klassenerhalt doch noch zu erreichen. Bis zuletzt haben wir gehofft, dass wir dies in der Konstellation mit Peter, seinem Team und der Mannschaft schaffen können. Leider ist diese Überzeugung trotz des positiven Resultats auf Schalke nicht mehr ausreichend vorhanden. Deshalb halten wir es in der aktuellen Situation für unabdingbar, auf der Trainerposition ein Signal zu setzen, auch wenn uns diese Entscheidung sehr schwer fällt und wehtut. Wir wollen damit einen Impuls setzen.“

Wehrle ergänzte: „Ich möchte erst einmal Peter und Manni für ein überragendes Zusammenarbeiten danken. Wir haben aber in den vergangenen Tagen gespürt, dass unser gemeinsamer Weg zu Ende ist, und zwar unabhängig vom Resultat auf Schalke.“

1,3 Millionen Euro Abfindung

Peter Stöger hatte das Gebäude zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Der Trainer und sein Assistent Schmid waren an der Rückseite des Geißbockheims zum Waldparkplatz gegangen, während Nachfolger Stefan Ruthenbeck auf dem Gelände war, um seine erste Einheit vorzubereiten.

Stöger wollte nicht mehr sprechen, aber er ließ Worte zum Abschied ausrichten: „Am Freitag war klar, dass das Spiel auf Schalke unser letztes wird. Es ist im Sinne des Klubs und vor allem der Mannschaft, dass jetzt eine Entscheidung getroffen wurde. Wir drücken die Daumen, dass der FC den Klassenerhalt schafft.“ Die Trainer werden eine Abfindung von rund 1,3 Millionen Euro erhalten.