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Siebter Abstieg soll verhindert werden : Paukenschlag nach der Hängepartie

Siebter Abstieg soll verhindert werden : Paukenschlag nach der Hängepartie

Der Kampf gegen den Abstieg beginnt für den 1. FC Köln mit dem früheren FC-Profi Horst Heldt als neuer Sportchef. An seiner Seite der neue Cheftrainer: Markus Gisdol.

Nach der tagelangen Hängepartie folgte beim 1. FC Köln der große Paukenschlag: Erst wurde bekannt, dass Markus Gisdol als Trainer den Aufsteiger vor dem nächsten Abstieg retten soll. Kurze Zeit später sickerte durch, dass am heutigen Dienstag nun doch Horst Heldt als Nachfolger von Armin Veh als neuer Geschäftsführer Sport des FC ebenfalls vorgestellt werden soll.

Um kurz vor 18 Uhr bestätigte der Fußball-Bundesligist die Verpflichtungen offiziell. Der Tabellenvorletzte scheint damit endgültig im Krisenmodus angekommen zu sein: Neuer Trainer vor neuem Sportdirektor – und das innerhalb kürzester Zeit, lieber zwei Verpflichtungen tätigen, die nicht unbedingt alle im Verein aus voller Überzeugung mittragen, als weiterhin erfolglos einen leergefegten Markt sondieren. FC-Präsident Werner Wolf sagte dennoch: „Wir haben uns bei der Besetzung der sportlichen Leitung die nötige Zeit genommen und die richtigen Leute gefunden, die über die Rückendeckung des Klubs verfügen.“

Unerwartete Körbe

Es gibt rund 900 Absolventen mit der notwendigen Lizenz, eine Bundesliga-Mannschaft zu trainieren, doch Neulingen wird selten von den Chefetagen das Vertrauen geschenkt. Und dass neue Besen auch nicht unbedingt Erfolg garantieren, haben beim FC zuletzt Markus Anfang und Achim Beierlorzer bewiesen. Dennoch fand Beierlorzer nur neun Tage nach seinem Aus in Köln umgehend Aufnahme bei Mainz 05, und nicht wenige fühlten sich an die Volte mit Peter Stöger erinnert, der nach seiner Entlassung beim FC im Rekordtempo bei Borussia Dortmund in der Verantwortung stand. Die Trainersuche des FC gestaltete sich also durchaus schwierig.

Kölns Interims-Sportchef Frank Aehlig musste auf der Suche nach einem neuen Übungsleiter zunächst einige Körbe hinnehmen: Wunschkandidat Bruno Labbadia hatte wohl keine Lust mehr auf das Dasein als Feuerwehrmann, die B-Lösung Pal Dardai ließ sich nicht so vom Kölner Charme und den sportlichen Aussichten überzeugen, dass er bereit gewesen wäre, seine Berliner Heimat zu verlassen. Und so kam es, dass am Montag zunächst noch André Pawlak und Manfred Schmid den Kader auf das schwere Spiel bei RB Leipzig (Samstag, 18.30 Uhr) vorbereiteten. Ab sofort wird Gisdol also das Amt als Chefcoach übernehmen. „Ich will der Mannschaft schnellstmöglich helfen, das zweifelsohne vorhandene Potenzial wieder abrufen zu können“, sagte der 50-Jährige.

Etwas anders war die Lage bei der Besetzung des Sportchef-Postens: Aehlig und Geschäftsführer Alexander Wehrle mussten wohl erst bei den Klub-Granden intervenieren, um die Vorbehalte gegen Horst Heldt im Gemeinsamen Ausschuss aus dem Weg zu räumen. Das Gerücht, dass der Manager, der zuletzt bei Hannover 96 arbeitete, beim FC anheuern könnte, gab es bereits länger; einige im Klub wollten Heldt bis zur Intervention Aehligs und Wehrle aber nicht verpflichten. „Horst Heldt hat bei seinen bisherigen Managerstationen bewiesen, dass er Kader planen, Teams führen und sich auf wechselnde Gegebenheiten einstellen kann“, sagte Wolf.

Offene Fragen

Auf Aehlig, Wehrle und Wolf dürften nun einige nicht leicht zu beantwortende Fragen zukommen. Denn Gisdol hat schon zwei erfolgreiche Rettungsmissionen in seiner Vita stehen – 2013 konnte der 50-Jährige die TSG Hoffenheim in der Bundesliga halten, 2017 rettete Gisdol den HSV vor dem Abstieg: „Markus ist ein erfahrener Trainer und hat bei seinen bisherigen Stationen bewiesen, dass er einer Mannschaft in einer solchen Situation helfen und die richtigen Impulse setzen kann“, begründete Aehlig die Wahl.

Gisdol musste kurz nach seinen Rettungsmissionen aber wegen Erfolglosigkeit bei beiden Klubs seine Sachen packen. Beim HSV wurde er pikanterweise nach einer Niederlage gegen den FC entlassen – und erhält in Köln trotzdem einen Vertrag bis 2021. Mit einem Neuanfang dürfte Gisdol allerdings kaum betraut werden, sollte die Mission Klassenerhalt misslingen. Zudem passt Gisdols bevorzugte Spielweise nur bedingt zum FC-Kader, den er am Geißbockheim vorfindet.

Anders als die Sicherheitsdenker Labbadia und Dardai bevorzugt Gisdol einen aggressiven Pressingstil. Eigentlich genau jene Philosophie, die auch Beierlorzer dem Team einimpfen wollte und dann feststellen musste, dass dieses aufwendige Spiel seinen Akteuren in den Schlussphasen die letzten Körner raubte und für unnötige Niederlagen sorgte.

Zu den Hauptaufgaben Heldts, der ebenfalls einen Vertrag bis 2021 unterschrieb, dürfte es gehören, genau diese Fragen gegenüber den Gremien zu beantworten. Denn mitten in der Hinrunde der laufenden Saison müssen die Spieler funktionieren, die bereits da sind. Und ob für Verstärkungen in der Winterpause das nötige Kleingeld da sein wird, ist ebenfalls fraglich, nachdem Veh mit seiner Einkaufsliste bereits im Sommer den Etat überzogen hatte.

„Ich kehre zu dem Verein zurück, bei dem ich Profi wurde und mit dem mich nach zehn gemeinsamen Jahren sehr viel verbindet“, erklärte Heldt.