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Köln: Modeste zelebriert sein unfreiwilliges FC-Comeback

Köln : Modeste zelebriert sein unfreiwilliges FC-Comeback

Natürlich tauchte er erst eine Viertelstunde zu spät zum Trainingsauftakt des 1. FC Köln auf — und wie erwartet blickte er ziemlich missmutig um sich. Doch dann schien Sportdirektor Jörg Schmadtke mit dem Zustand des Rasens auf dem Trainingsplatz zufrieden zu sein und sprach ausgiebig und — wie es sich heutzutage wohl gehört — hinter vorgehaltener Hand mit Trainer Peter Stöger.

Da Konditionstrainer Yann-Benjamin Kugel, am Sonntag noch in Diensten der DFB-Elf, den ersten Part übernahm, blieb für den Österreicher auch ausreichend Zeit, die Situation zu besprechen. 17 Feldspieler hatten sich vor rund 2000 meist begeisterten Fans zum Einstieg in die anstehende (Europapokal-)Saison zusammengefunden. Und während einige fehlten, mit denen man in den letzten Wochen eigentlich fest gerechnet hatte — Jonas Hector, Lukas Klünter, Yuya Osako und Frederik Sörensen haben nach Einsätzen mit ihren jeweiligen Nationalmannschaften verlängerten Urlaub bekommen, Salih Öczan leidet an einem Infekt — war mit Anthony Modeste einer dabei, den man an dem Tag eher 7500 Kilometer weiter im Osten vermutet hätte.

Doch da der Transfer nach China auf den letzten Metern platzte, fand sich natürlich auch der Topstürmer der vergangenen Saison zur ersten Einheit ein, nicht ohne seinem Sportdirektor in einem Interview in der „Bild am Sonntag“ vorher noch einen kräftigen Rempler verpasst zu haben: Die FC-Verantwortlichen hätten ihn gegen seinen Willen loswerden wollen, lautete die Kernaussage. „Man muss keine Rakete sein, um festzustellen, dass dies nicht den Tatsachen entspricht“, die knackige Replik von Schmadtke.

Modeste hatte sich damit jedenfalls eine Privataudienz mit den Geschäftsführern Schmadtke und Alexander Wehrle eingehandelt, und so lag der Fokus der Trainings-Kiebitze so sehr auf dem „Beinahe-Chinesen“, dass der erste Auftritt des Rekordtransfers Jhon Cordoba, der für 17 Millionen Euro Ablöse von Mainz 05 gekommen war, zur Nebensache geriet, und Jannes Horn, der als Versprechen für die Zukunft für sieben Millionen Euro kam, nur bei ausgebufften Autogrammjägern auf der Liste stand.

Um es vorweg zu nehmen: Der Franzose vermittelte im Training weder den Eindruck, nun in 75 Minuten seinen Marktwert verdoppeln zu wollen, noch akut an Fußball-Phobie erkrankt zu sein, und so konnte FC-Trainer Peter Stöger beruhigt vor die Presse treten und gelassen wie immer über die Aussichten referieren: „Wir haben für die Zukunft mehr Optionen, sind schwerer auszurechnen“, schätzt der 51-Jährige die Neuzugänge ein. „Wenn er da ist, ist das gut für mich. Wenn andere Dinge passieren, gehe ich davon aus, dass er es auch so möchte“, lautete Stögers Kommentar zur Modeste-Posse.

Bad in der Menge

Der genoss sichtlich sein eher unfreiwilliges Comeback, ging als Allerletzter vom Platz, herzte jeden Helfer und schrieb bereitwillig Autogramme, erklärte sich für Selfies bereit und übernahm mit einem fröhlichen „Ja, Cherie“ auch päpstliche Aufgaben, als er ein Kleinkind auf den Arm nahm. Selbst sein Trainingstrikot ging an einen begeisterten zehnjährigen Fan, und zum Schluss stellte er sich auch noch der Presse und sagte in die gespannte Stille hinein — dass er nichts zu sagen habe: „Alles, was meine Zukunft betrifft, habe ich bereits am Sonntag gesagt. Ich muss nichts mehr sagen“, sagte er nichtssagend. Aber ganz sicher ist, dass das letzte Wort dazu noch nicht gesprochen ist.