5:1 gegen Arminia Bielefeld: Köln gibt auf dem Platz eine Antwort

5:1 gegen Arminia Bielefeld : Köln gibt auf dem Platz eine Antwort

Der FC spielt beim 5:1 gegen Arminia Bielefeld großartig auf. Doch die Folgen des Machtkampfs werden den Klub begleiten.

Die Geschichte dieses Fußballspiels in der 2. Bundesliga könnte schnell erzählt sein, weil ja eigentlich schon nach gut 20 Minuten festgestanden hatte, wer den Platz als Sieger verlassen würde, der 1. FC Köln nämlich. Der Tabellenführer spielte am Samstag gegen Arminia Bielefeld hervorragend, schoss fünf teilweise sehenswerte Tore, kassierte nur einen ärgerlichen Gegentreffer: 5:1. Großer Sieg.

Trainer Markus Anfang verteilte danach „riesige Komplimente“, er sagte: „Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht, und darauf können wir stolz sein.“ Der Trainer betonte das womöglich mit solchem Nachdruck, weil auch er wusste, dass zur Geschichte dieses Spiels mehr als die 90 Minuten im Rhein-Energie-Stadion gehörte. Daran hing auch ein Kapitel, das nicht am Samstag stattgefunden hat, es spielt nicht mal auf dem Platz; es ist das, das vom Ende der Ära von Werner Spinner handelt.

Die ominöse Nachricht

Der Präsident des Klubs war am Aschermittwoch von seinem Amt zurückgetreten nach einem Machtkampf mit der Geschäftsführung und seinen Kollegen im Präsidium, der in aller Öffentlichkeit ausgetragen wurde. Er gipfelte in einem Interview, in dem Vize-Präsident Markus Ritterbach am Freitag offenbarte, dass Spinner ihn und den zweiten Stellvertreter Toni Schumacher in einer Sprachnachricht aufgefordert habe, nach dem Spiel gegen Ingolstadt am Karnevalssonntag entweder den Trainer oder den Sport-Geschäftsführer Armin Veh zu entlassen. Was Veh prompt erfuhr. Und was letztlich dazu führte, dass weder die Geschäftsführung noch die Vize-Präsidenten weiter mit Spinner zusammenarbeiten wollten. Es stand nun also zu befürchten, dass sich dieser Streit negativ auf die Leistung der Mannschaft auswirken könnte. Doch so kam es nicht.

Johannes Geis sagte: „Natürlich hat uns das berührt, und deshalb macht es uns umso stolzer, dass wir ein solches Spiel abgeliefert haben.“ Der FC präsentierte sich so gut wie lange nicht. Aus den drei Duellen zuvor mit dem SV Sandhausen, Erzgebirge Aue und dem FC Ingolstadt hatten die Kölner zwar drei Siege geholt, dabei aber alles andere als schönen Fußball gespielt; sie hatten sich die neun Punkte erarbeitet.

Gegen Bielefeld zeigte die Mannschaft nun, dass sie auch spielerisch hochklassig auftreten kann. Anfang sagte: „Es ist schön, dass wir auch auf diese Weise gewinnen können.“ Auch der Trainer darf sich als Sieger fühlen, natürlich, diesmal aber sogar ein bisschen mehr als in den vorherigen Spielen: Er hatte auf die richtige Taktik und die richtigen Spieler gesetzt. Die Abwehr verteidigte mühelos, im Mittelfeld beeindruckte Geis an der Seite von Marco Höger mit spielerischer Klasse und großartigen Standards, die Außen bestachen mit scharfen Flanken, und vorne trafen die Stürmer – wie immer.

Das erste Tor schoss mit Dominick Drexler zwar noch ein Mittelfeldspieler (14. Minute), danach aber folgten die großen Auftritte von Simon Terodde und Jhon Córdoba. Erst traf Terodde per Kopf nach einer Ecke von Geis und sorgte damit schon nach 21 Minuten für eine Vorentscheidung.

Dann zeigte Córdoba bei seinem 3:0 (48.), warum er beim FC nahezu unersetzlich geworden ist: robust, schnell, abschlussstark; seinen Gegenspieler Brian Behrendt ließ er wie einen Kreisligafußballer aussehen. Solche Szenen sind der Grund, warum Anfang den Kolumbianer derzeit immer von Beginn an bringt und entweder Terodde oder Anthony Modeste als zweiten Stürmer aufstellt.

Mit seinen zwei weiteren Treffern zum 4:0 und zum 5:1-Endstand – es waren seine Saisontore 25 und 26 – sammelte nun Terodde Pluspunkte (69./90.); Modeste blieb nach seiner Einwechslung für Córdoba nach einer guten Stunde ohne Tor.

„Wir haben zum richtigen Zeitpunkt Tore gemacht“, sagte Terodde. Was bei einer solchen Qualität im Angriff nicht unbedingt überraschend ist. Das sieht auch Höger so, er sagte: „Wir haben aber definitiv großes Glück, die drei zu haben.“ Es ist schwer vorstellbar, dass Köln mit einem solchen Kader und solchen Leistungen den Wiederaufstieg in die Bundesliga nicht schafft.

Und wie geht’s nun weiter?

Es ist auch schwer vorstellbar, dass der Streit in der Führungsetage ohne weitere Folgen bleiben wird. Die Ultras sind schon lange nicht gut auf den Vorstand zu sprechen, Ritterbach und Schumacher stehen bei den Ultras genauso in der Kritik, wie es Spinner getan hat; nach dem Spiel gab es sogar eine Demonstration gegen den Vorstand.

Vor dem Anpfiff hatten die Ultras zudem ein Banner mit der Aufschrift „Mer sin eins? Da waren’s nur noch zwei...“ entrollt. Es war eine Anspielung auf das Motto des FC, das vor der Saison ausgegeben wurde – und das nach den jüngsten Vorkommnissen absurd erscheint.

Sogar das Stadtmarketing erklärte, die „Ränkespiele und Intrigen“ hätten ganz Köln geschadet. Ritterbach, Schumacher und auch die Geschäftsführer Veh und Alexander Wehrle stehen im Fokus. Die Geschichte des Machtkampfs, sie ist wohl noch nicht zu Ende.

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