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Köln: Horn folgt seinem Bauchgefühl

Köln : Horn folgt seinem Bauchgefühl

Man erlebt es nicht allzu oft, dass der Trainer einer Profi-Fußballmannschaft, die so gut wie abgestiegen ist und dessen eigenes Engagement auf der großen Bühne in drei Wochen endet, öffentlich zum Scherzen aufgelegt ist. Anders Kölns Trainer Stefan Ruthenbeck vor dem anstehenden drittletzten Saisonspiel beim SC Freiburg.

„Aufgrund ihrer Vertragsverlängerung werden Timo Horn und Jonas Hector in Freiburg auf jeden Fall auflaufen“, feixte der 46-Jährige.

Exakt ist diese Darstellung gleich doppelt nicht, denn die beiden Kölner Leistungsträger hätten bei dem eminent wichtigen Spiel für Freiburg ohnehin in der Startelf gestanden, schließlich will der FC sich mit Anstand aus der Liga verabschieden und keine Spiele abschenken. Und richtig ist, dass zwar Hector bereits seinen Vertrag bis 2023 verlängert hat, der FC-Torhüter jedoch bei der Spieltags-Pressekonferenz erschien, um ein Treuebekenntnis zum Klub abzulegen, bevor neue vertragliche Fakten geschaffen wurden. „Das ist etwas ganz Besonderes, etwas Tolles“, befand auch Kölns Sportdirektor Armin Veh, dem es gelungen ist, den nächsten Pflock für das Projekt „sofortiger Wiederaufstieg“ einzuschlagen.

Timo Horn, der vor 16 Jahren als Achtjähriger zum FC kam, gab dann (seltene) Einblicke in seine Gemütslage: „Mein Bauchgefühl hat mir von Anfang an gesagt, dass das der richtige Schritt ist“, erklärte Horn, doch den letzten Ausschlag für den Verzicht auf die Ausstiegsoption und damit für den Neuanfang in der 2. Liga habe das Schalke-Spiel gegeben. Der FC habe bereits 0:2 hinten gelegen und doch noch einmal alles gegeben. „Andere Mannschaften hätten sich in dieser Situation vielleicht schon aufgegeben“, beschrieb Horn das Vorspiel, das seinen Höhepunkt nach Spielende fand, als die FC-Fans ihre Spieler gefeiert haben. „Das war ein sehr emotionaler Moment, da haben wir die Worte unserer Hymne gelebt“, spielte der 24-Jährige auf Zeilen an, die von Treue und Ehre erzählen, den Zusammenhalt preisen und die Bereitschaft, gemeinsam durchs Feuer zu gehen.

Natürlich habe es „Möglichkeiten gegeben, weiterhin auf hohem Niveau Fußball zu spielen“, deutete Horn an, dass ihm Angebote anderer Klubs vorgelegen hätten — und fügte fast bedauernd an, dass der Trend „leider so ist, immer bestmöglich unterzukommen“.

Nach Marco Höger und Jonas Hector tritt nun der dritte Leistungsträger des FC den bevorstehenden Gang ins Unterhaus mit an. Und Sportdirektor Armin Veh muss tatsächlich auf die Frage antworten, ob der Klub nun durch die ausbleibenden Transfererlöse ins Schlingern kommen würde. „Wir sind nicht reich, aber sehr gesund“, gab der 57-Jährige selbstzufrieden Auskunft und schloss Harakiri-Missionen wie in vergangenen Epochen aus: „Kaufmännisch gesehen sind wir so aufgestellt, dass wir gut leben können, auch wenn wir nicht direkt aufsteigen. Wir setzen nicht alles auf eine einzige Saison.“

Stefan Ruthenbeck: „Der Druck liegt beim Gegner“

„Es ist sehr unangenehm, in Freiburg zu spielen. Dem müssen wir uns stellen“, beschreibt Kölns Torhüter Timo Horn eine der herausragenden Tugenden des kommenden Gegners aus dem Breisgau.

Auch Stefan Ruthenbeck bescheinigt dem Team von Trainer Christian Streich „große Laufbereitschaft und Einsatz“. Doch Kölns Coach sieht den anstehenden Gegner in einer schwierigen Phase aufgrund von unglücklichen Schiedsrichter-Entscheidungen und fehlendem Spielglück. „Eine Phase, die wir in der Hinrunde auch hinter uns bringen mussten“, so Ruthenbeck. „Der Druck liegt beim Gegner.“

Bis auf die verletzten Matthias Lehmann und Sehrou Guirassy sind alle FC-Spieler für das Freiburg-Spiel einsatzbereit.