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Hamburg: „Gänsehaut“ verspüren nur die Sieger

Hamburg : „Gänsehaut“ verspüren nur die Sieger

Schön war das nicht für Peter Stöger. Gerade eben noch hatte der 1. FC Köln die Partie in Hamburg durch ein Tor von Lewis Holtby in der 92. Minute krachend mit 1:2 (1:1) verloren, und jetzt musste der FC-Trainer seinem euphorisierten HSV-Kollegen Markus Gisdol bei der emotionalen Aufarbeitung des Spiels zuhören.

Von seiner „Gänsehaut“ erzählte Gisdol, von seiner Begeisterung darüber, welche Eruptionen an Freude, Glücksgefühlen und schierem Lärm das späte Tor bei den 57.000 Zuschauern im ausverkauften Hamburger Volksparkstadion ausgelöst hatte.

Und als der FC-Trainer danach eher unemotional gefragt wurde, warum er denn zur Halbzeit seinen Zentral-Verteidiger Dominik Maroh ausgewechselt hatte — ob der Spieler verletzt gewesen sei? — schmähte Stöger auf wienerisch: „Der war nicht verletzt.“ Und es klang in diesem Moment wie eine Einzelkritik: Setzen, Maroh, sechs.

Gar so schlimm war es eigentlich nicht gewesen aus Kölner Sicht. Es hatte sogar ganz gut angefangen. Stögers Idee, neben Modeste mit Zoller noch einen zweiten Stürmer in die Schlacht zu schicken, funktionierte erst einmal ganz gut. „Die Kölner hatten in der ersten Halbzeit zwei, drei Szenen, bei denen ich dachte: Boah, das muss hier nicht gutgehen heute“, sagte Gisdol in dem Part seiner Spielanalyse, als er am Ende den 1. FC Köln als „richtig, richtig guten Gegner“ lobte.

Häufig Überzahl im Mittelfeld

Nun, nachdem Zoller und Jojic im Mittelfeld einmal frontal zusammengerasselt waren (12.), hatten sich die Kölner an ihr eigenes System gewöhnt. Wenn Rausch, Clemens oder Jojic aus dem Mittelfeld nachrückten, waren die Gäste nicht selten in Überzahl in Nähe des Hamburger Strafraums. Daraus hätten sie mehr machen können, zumal Modeste in dieser Phase immer wieder durch die Hamburger Abwehr flutschte wie ein nasses Stück Seife durch die Hände des Duschenden. „Da hatten wir einige gute Aktionen, wo wir etwas hätten holen können“, sagte Stöger nachher bedauernd.

Weil aber zum Beispiel Abwehrchef Maroh keinen guten Tag hatte, einige Ball- und Passwege des Gegners falsch einschätzte und die Kölner Abwehr etwas wackelig war an diesem Tag, ging der HSV durch ein Tor von Nicolai Müller (25.) in Führung — Wood hatte zuvor auf der linken Seite die FC-Defensive schwindelig gespielt. Der Kölner Ausgleich durch einen schönen Flugkopfball des eifrigen Jojic (32.) nach einer passgenauen Flanke von Clemens war Ergebnis einer von Zoller ausgelösten, zielstrebigen Aktion.

In der Halbzeit schickte Stöger Dominique Heintz für den Unruheherd Maroh in das defensive Zentrum, was durchaus auch als Zeichen nach vorne verstanden werden konnte — wenn die Dinge hinten nicht zu wackelig sind, trauen sich die Vorderleute vielleicht etwas mehr zu. Auf der anderen Seite muss Markus Gisdol seine Leute darüber informiert haben, was zu tun ist, wenn der Gegner Überzahl anstrebt oder — wie Modeste — konstanten Druck auf die Abseitslinie ausübt. Jedenfalls hatten die Hamburger die Kölner Offensive jetzt besser im Griff.

Und auch, wenn es durchaus hektische Momente vor beiden Toren gab, lief das Spiel deutlich auf ein 1:1-Unentschieden hinaus. „Darüber hätten wir uns auch nicht beklagen können“, räumte Gisdol nachher mit dem Großmut des Siegers ein. Stöger warf eine Viertelstunde vor Schluss den jungen Sehrou Guirassy für Clemens ins Spiel, um womöglich doch noch zusätzliche Torgefahr zu entwickeln, jetzt, da Modeste quasi verschwunden war aus dem Spiel.

Der FC spielte aber weiterhin stoisch in Richtung Remis und bemerkte nicht, dass sich das Momentum im Spiel komplett gedreht hatte. Angepeitscht durch Lewis Holtby umzingelten die Hamburger das Kölner Tor enger und enger und enger: „In der letzten Viertelstunde haben wir ein paar schlecht gelöste Aktionen, da haben wir die Situationen nicht ausreichend geklärt“, sagte Stöger später, „das Tor zum 1:2 war ein Spiegelbild davon.“ Das stimmte: zweimal hatte Horn stark reagiert, aber weil der Ball im Strafraum blieb, purzelte er vor die Füße des zu allem entschlossenen Holtby. Der Rest war Lärm und Gänsehaut.