Köln: Fürs Erste bleibt dem 1. FC Köln nur der Trotz

Köln: Fürs Erste bleibt dem 1. FC Köln nur der Trotz

Versonnen blickte Claudio Pizarro auf das tobende Fußballvolk vor seinen Augen. Die ersten 35 Minuten für seinen neuen Arbeitgeber hatte der Peruaner, der morgen seinen 39. Geburtstag feiert, hinter sich. Und nun stand der frisch verpflichtete Heilsbringer für die dürre Kölner Offensive vor der wogenden Südkurve.

Die ausgelassene Atmosphäre wirkte, als hätte das Team von Peter Stöger endlich den ersten Saisonsieg eingefahren. In Wirklichkeit erlebten Pizarro und die übrigen FC-Spieler nach dem 1:2 gegen Leipzig aber bloß den geballten Trotz ihrer Anhängerschaft.

Die Niederlage gegen die Sachsen war die dritte Pleite im vierten Heimspiel, die sechste im siebten Saisonspiel, entsprechend tief steckt der Vorjahresfünfte nun auf der untersten Kellerstufe fest. Die erschütternde Zwischenbilanz nach dem ersten Fünftel der Saison: ein Punkt, zwei Tore, dazu bereits sechs Punkte Rückstand auf den Hamburger SV auf dem Relegationsplatz. „Die Luft wird immer dünner, und es wird langsam Zeit für uns — das ist klar“, kennt Leonardo Bittencourt den Ernst der Situation.

Die wenn auch recht verkrampfte, aber spritzlebendige Spielweise der Kölner machten dem kleinen Mittelfeldspieler jedoch Mut. „Die Mannschaft ist nicht tot“, betonte er tapfer lächelnd. Denn: „Heute haben wir 90 Minuten lang gezeigt, dass wir Bock haben, diese Situation zu überstehen.“ Und Torhüter Timo Horn ergänzte: „Es ist ziemlich hart, aber wir geben uns nicht auf.“

Den fußballerischen Tiefpunkt, erreicht in der ersten Halbzeit beim 0:1 am Donnerstag gegen Roter Stern Belgrad, haben die Dom­städter immerhin erfolgreich durchwandert. Gegen Leipzig ergaben sie sich nicht mehr ihrem Schicksal, sondern wurden selbst sofort aktiv. Von der ersten Minute an warfen sie sich den Gästen vor die Beine, garnierten ihren Großeinsatz zudem mit dem einen oder anderen ansehnlichen Angriff. Milos Jojic per Fernschuss und Yuya Osako mit zwei Kopfbällen stellten Leipzigs Torhüter Peter Gulacsi drei Mal auf die Probe.

RB-Trainer Ralph Hasenhüttl wurde erkennbar grantig, Mitte der ersten Hälfte wurde der Österreicher gegenüber dem eigenem Personal erstmals laut. Die Ansage aus der Coaching-Zone zeigte Wirkung: Rund um die 30. Minute erspielten sich die Gäste drei hochkarätige Chancen durch Marcel Halstenberg, Yussuf Poulsen und Marcel Sabitzer. Der Weg zur Führung war bereitet — und Rechtsverteidiger Lukas Klostermann beschritt ihn mit seinem Treffer konsequent weiter (30.). Stammtorschütze Timo Werner stand gar nicht im Kader. Der Torjäger leidet unter einer Blockade der Halswirbelsäulen-Muskulatur sowie des Kiefergelenkes.

Tapfer, aber glücklos

Fünf Minuten vor der Pause musste sich Horn mächtig strecken, um bei Brumas Flachschuss von der Strafraumgrenze einen höheren Rückstand zu verhindern. Vorher und nachher wehrten sich die Gastgeber jedoch tapfer weiter: Mit einem Fernschuss von Konstantin Rausch, den Gulacsi parierte, und mit einer von Jojic vergebenen Topchance. Die Kölner Fans stöhnten auf, in der Halbzeitpause rief der Stadionsprecher den ungnädigen „Fußballgott“ um Hilfe an — doch das Treiben ging nach dem Seitenwechsel genauso weiter wie vorher.

So lenkten die Leipziger einen Schuss von Bittencourt mit vereinten Kräften zur Ecke. Um 19.12 Uhr wurde es dann richtig laut in Köln-Müngersdorf: Zwei Tage nach seiner Vorstellung beim Geißbockklub betrat Claudio Pizarro den Rasen.

Der Dauerlächler aus Südamerika gilt als eine Mischung aus Retter und Verzweiflungsverpflichtung. „Ich brauche noch Zeit, es ist etwas total anderes“, sagte Pizarro. „Das Gute ist, dass ich zwei Wochen habe, um mich für das nächste Spiel vorzubereiten.“ Fürs Erste wurde der Angreifer, der für den verletzten Jhon Cordoba ins Spiel kam, von den Kölner Fans mit bebendem Applaus begrüßt. „Als er ins Spiel kam, dachte ich, er hätte ein Tor geschossen“, kommentierte Pizarros Kollege Bittencourt. In der zweiten Halbzeit wogte die höchst unterhaltsame Partie hin und her — bis Leipzig einen Kölner Patzer im Spielaufbau nutzte.

Der aufmerksame Kevin Kampl passte auf die linke Angriffsseite zu Sabitzer — und dessen Flanke drückte Yussuf Poulsen per Kopf ins obere Toreck (80.). Osakos Kopfballtor zwei Minuten später ließ den FC noch mal hoffen. Es blieb allerdings bei der Hoffnung.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 1. FC Köln verliert gegen RB Leipzig mit 1:2

Mehr von Aachener Zeitung