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Köln: FC zwischen Stolz und Sorge

Köln : FC zwischen Stolz und Sorge

Eine Wechselperiode lässt sich im Fußball in drei Phasen gliedern. Nummer eins beginnt weit vor dem zeitlich begrenzten Transferfenster und besteht primär aus Spekulationen. Nummer zwei ist gekennzeichnet dadurch, dass der grobe Unsinn gefiltert und alles ein wenig konkreter wird.

Und dann kommt Nummer drei, die Phase, in der die meisten Geschichten mindestens einen wahren Kern haben — und in der tatsächlich etwas passiert. Das ist der spannende Abschnitt des Traras. Und wie für alle Vereine hat er auch für den 1. FC Köln begonnen, jetzt, wo die Saison beendet ist.

Am Samstag herrschte aber erst einmal Freude über das 2:2 bei Borussia Dortmund als ordentlichen Schlusspunkt einer Saison, die der FC mit fünf Spielen nacheinander ohne Niederlage und der ersten einstelligen Endplatzierung seit 24 Jahren abgeschlossen hat.

Die Spieler blickten der Abschlussfeier entgegen, zu der ihr Arbeitgeber abends ins Deutzer Brauhaus geladen hatte, und sie freuten sich darauf, in den nächsten Tagen mit Abstand und Ruhe zu begreifen, was sie sich in den vergangenen zehn Monaten erarbeitet haben: die luxuriöse Situation, auf eine Saison zurückblicken zu können, in der sie die Ziele des Klubs — primär den Klassenerhalt, sekundär eine Verbesserung im Vergleich zu Platz zwölf der vorherigen Saison — ohne Sorgen erreicht haben.

Schmerzgrenzen

Doch schon am Sonntag gab es einen Hinweis darauf, dass nun Phase drei der Wechselperiode begonnen hat. Und die hält für jene, die es mit dem FC halten, nicht nur angenehme Nachrichten bereit. Denn für den Fall, dass zahlungskräftige Vereine an einem ihrer Spieler interessiert sein sollten, müssten sie sich eben damit auseinandersetzen, haben die Verantwortlichen zuletzt stets erklärt. Der FC sei zwar nicht zum Verkauf seiner Leistungsträger gezwungen, doch gebe es Schmerzgrenzen. Und eine solche ist offenbar bei Yannick Gerhardt erreicht — verschiedenen Medienberichten zufolge steht der Wechsel des Mittelfeldspielers zum VfL Wolfsburg vor dem Abschluss. Von einer Ablöse zwischen zwölf und 13 Millionen Euro ist die Rede.

Es wäre nicht allzu überraschend, sollte das Geschäft tatsächlich zustande kommen. Seit Wochen wird neben Timo Horn und Jonas Hector auch Gerhardt als einer der Spieler genannt, die den Klub verlassen könnten. Dass es im Fall der finanzstarken Wolfsburger nicht am Geld scheitern wird, ist klar.

Weil die Niedersachsen die Saison auf dem achten Tabellenplatz beendet haben und die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb verpassten, ist beim VfL, dessen Chefscout Pierre Littbarski ist, ein Umbruch geplant. Und wenn dieser vernünftig konzipiert ist, dann führt an Spielern wie Gerhardt kaum ein Weg vorbei: jung, ehrgeizig, begabt. Einer, der sich prima gemacht hat, aber längst nicht das Ende seiner Entwicklung erreicht hat.