Aufstieg in Gefahr: FC-Sportchef Veh schont auch Trainer Anfang nicht mehr

Aufstieg in Gefahr : FC-Sportchef Veh schont auch Trainer Anfang nicht mehr

Nach dem 2:3 in Paderborn sieht Armin Veh den Aufstieg gefährdet. Der FC-Sportchef wirkte auch noch 15 Stunden nach der Niederlage restlos bedient. Er kritisierte den Kölner Coach und die Mannschaft.

Bereits auf dem Platz, unmittelbar nach der in Art und Weise sensationellen 2:3-Niederlage in Paderborn, hatte es ein Donnerwetter für die Spieler des 1. FC Köln gegeben und Trainer Markus Anfang seine Profis zusammengestaucht. Zu groß waren Ärger und Frust über diese unglaubliche Pleite. Am Samstagmorgen folgte am Geißbockheim noch eine heftige Ansprache. Um 10 Uhr war das Training angesetzt, erst um 11.10 Uhr verließen die Spieler die Kabine und absolvierten einen Waldlauf.

Armin Veh, der Sportchef der Kölner, hatte am Abend zuvor die bereits sechste Niederlage des großen Aufstiegsfavoriten nicht mehr kommentieren wollen. Anders am Samstagmorgen. Veh wirkte auch noch 15 Stunden später restlos bedient. Und die Zeiten, in denen erkennbare Schwächen noch kleingeredet wurden, scheinen der Vergangenheit anzugehören.

„Der Aufstieg ist gefährdet. Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn man solch ein Spiel verliert. Das geht nicht“, sagte Veh. Und dies war als deutliche Kritik an Mannschaft und Trainerteam zu verstehen. Die Menge der Niederlagen sei eindeutig zu hoch, findet Veh: „Und es ist schon die dritte Pleite in den letzten vier Spielen. Das können wir uns nicht leisten.“ Und was dem Sportchef auch nicht gefiel: Bis auf das Spiel gegen St. Pauli hat sein Team gegen keine vermeintliche Spitzenmannschaft gewonnen. „Das ist bei unserer Klasse zu wenig.“

Für den Sportchef war auch mit einem Tag Abstand unverständlich, warum die Mannschaft des Absteigers am Ende derart eingebrochen ist. Dabei befand sich der FC ja schon auf einem guten Weg und führte durch Tore des formstarken Jhon Córdoba und Anthony Modeste mit 2:0. Alles sprach für ein filmreifes Comeback des Franzosen und einen Sieg seiner Mannschaft. Doch die schlug sich dann selbst. „Wenn man hier in Führung liegt, muss man hier gewinnen, so ist es peinlich“, haderte Modeste. Natürlich zählten die Tore von Kai Pröger und Marlon Ritter in die Kategorie „Sonntagsschüsse“, die allerdings durch ein konsequenteres Abwehrverhalten zu verhindern gewesen wären.

„Souveränität vermissen lassen“

„Wir haben die notwendige Souveränität vermissen lassen. Da müssen wir uns absolut verbessern. Wir müssen bis zum Ende souverän spielen und uns nicht hinten rein stellen. Wir haben eine Mannschaft, die das kann, dies aber bisher noch nicht komplett abgerufen hat“, befand Veh. Der Sportchef nahm – deutlich wie noch nicht zuvor – das Trainerteam um Markus Anfang in die Pflicht. „Wir müssen Lösungen finden, erkennen und das dann richtig analysieren.“

Neben Torhüter Timo Horn war bei vielen Fans auch der in der 78. Minute für den bereits verwarnten Abwehrchef Rafael Czichos eingewechselte Frederik Sörensen der Sündenbock für die Pleite. Dass der Wechsel aber zumindest unglücklich war, wollte Veh nicht verhehlen: „Wenn ich ein Spiel so lange im Griff habe, dann einen Wechsel vornehme und der so in die Hose geht – das darf nicht sein“, sagte Veh, ergänzte aber auch, dass man im Nachhinein immer schlauer sei.

Zum Ende seiner Ausführungen hatte Veh zumindest seinen Humor nicht verloren. Solche Niederlagen würden ihn zwar ungemein schmerzen. „Aber der einzige Vorteil für mich ist, dass ich abnehme, weil ich nicht schlafen kann.“ Offenbar zählt Veh also nicht zu der Kategorie Menschen, die mitten in der Nacht noch zum Kühlschrank tigern.