Bremen: Erneut fatale defensive Patzer bei der Niederlage des FC in Bremen

Bremen: Erneut fatale defensive Patzer bei der Niederlage des FC in Bremen

Hinterher ging Claudio Pizarro schnurstracks zur Bank. Zu jener des 1. FC Köln wohlgemerkt. Kein Winke-Winke für die Fans. Weder für jene, die in der Ostkurve seinen alten Herzensverein SV Werder unterstützt hatten. Noch für jene, die im Westbereich den Gast angefeuert hatten.

Der 39-Jährige wollte nach dem 1:3 in Bremen erst einmal für sich allein sein, denn in den Minuten vor dem Ende dieser aus rheinländischer Sicht demotivierenden Auswärtspartie waren laute „Pizarro, Pizarro“-Chöre durch das trotz des ungeliebten Montagabend-Termins fast voll besetzte Weserstadion gehallt.

Jener Singsang, der einst immer dann erklang, wenn der Stürmerstar eines seiner 104 Bundesligatore im Bremer Dress erzielte. Doch diesmal wurde Pizarro die Aufwartung gemacht, weil der Peruaner so frei war, nicht zum 2:2 einzunicken, sondern vorbeizuköpfen. Um seinen Fauxpas redete die Nummer 39 nicht lange herum: „Normalerweise muss ich den machen.“ Richtig erklären konnte er die Szene nicht. Vielleicht hatte ihn wirklich der Zwiespalt der Gefühle („Ich liebe Werder, die Fans lieben mich“) aus der Balance gebracht.

„Er weiß halt, was sich gehört“, scherzte Werder-Geschäftsführer Frank Baumann, während Kölns Trainer Stefan Ruthenbeck die Schlüsselszene in der 76. Minute weniger lustig fand. „Den Kopfball hat er 100 Mal reingemacht. Diesmal leider nicht!“ In seinem Statement schwang der fast schon typischen Fatalismus eines Fußballlehrers mit, der bei einem Tabellenletzten nicht mehr alles erklären kann. Außer der Eigendynamik des Misserfolgs. Nur so viel noch: Am 26. Spieltag hatte der Effzeh nicht wegen seiner fehlenden Ausbeute vorne, sondern seiner fatalen Patzer hinten verloren.

Beim 0:1 von Milos Veljkovic (33.) reichte den gewiss nicht übermächtigen Hausherren ein „einfacher Block“, zürnte Ruthenbeck, „das darf im Abstiegskampf nicht passieren.“ Und kaum hatte Yuya Osako in der besten Kölner Phase ausgeglichen (53.), durfte Milot Rashica Werder wieder in Führung schießen. „Nicht gut verteidigt“, mäkelte der Coach, „wir haben die Tiefe nicht reduziert.“ Übrigens auch nicht beim dritten Gegentor durch Maximilian Eggestein (90.).

„Einfache Fehler, das tötet uns jedesmal“, meinte Verteidiger Dominque Heintz. Sein Torwart Timo Horn beklagte „das altbekannte Lied, wie wir uns die Tore fangen“. Es werde nun immer schwieriger mit der Aufholjagd („Ich weiß gar nicht, warum wir uns so tief fallen lassen“), aber eines war dem Kölner Keeper wichtig: „Jeder versucht hier alles. Wir sind ein Team, wir geben uns nicht auf. Wir spielen anders als der HSV.“

Gefühlt um fast eine Klasse besser, obgleich die Kölner immer noch einen Punkt hinter den Hamburgern liegen. Deshalb, so Horn, sei die Stimmung für einen Abstiegskandidaten auch so vergleichsweise harmonisch. Richtig aufhellen würde sich die Gemütslage, sollte am Sonntag im Derby gegen Bayer Leverkusen ein Prestigeerfolg gelingen. „Ein solches Ergebnis tut weh, aber wir werden den Kopf schnell wieder hochnehmen“, erklärte Ruthenbeck. „Es muss ja weitergehen. Wir werden am Sonntag wieder auf Angriff spielen.“ Zu verlieren hat der 1. FC Köln acht Spieltage vor Ultimo immer weniger. Erst recht gegen einen Rivalen vom Rhein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 1:3-Niederlage in Bremen: Köln weiter abgeschlagen Letzter

(hel)