1. FC Köln gegen Borussia Dortmund: Eine Niederlage, die Hoffnungen schürt

1. FC Köln gegen Borussia Dortmund : Eine Niederlage, die Hoffnungen schürt

Der 1. FC Köln zeigt beim 1:3 gegen Borussia Dortmund, dass die Mannschaft auf höchstem Niveau mithalten kann.

Reden wollte Timo Horn nicht mehr. Der Torwart des 1. FC Köln winkte nur ab, als die Journalisten nach ihm verlangten, schweigend verschwand er in der Kabine – aber in seinen Augen war all das zu lesen, was er sonst hätte in Worte kleiden müssen: grenzenlose Enttäuschung.

Und irgendwie war das nach diesem Spiel in der Fußball-Bundesliga am Freitagabend ja auch verständlich. Horn hatte in den letzten 20 Minuten der Partie gegen Borussia Dortmund drei Gegentore kassiert; der FC hatte ein Spiel 1:3 verloren, in dem er stark gespielt und 40 Minuten geführt hatte – und dem Meisterschaftsaspiranten über 70 Minuten mindestens ebenbürtig war. So kam auch Achim Beierlorzer bei seiner Analyse mit wenigen Worten aus, Kölns Trainer sagte: „Ich kann meiner Mannschaft zu der Leistung eigentlich nur gratulieren.“

Es klingt immer ein bisschen komisch, wenn ein Coach seinem Team nach einer Niederlage gratuliert – aber in diesem Fall waren die Glückwünsche durchaus berechtigt: Weil die Kölner gegen eine der besten Mannschaften Deutschlands gezeigt hatten, dass sie als Aufsteiger durchaus in der Bundesliga mithalten können.„Wir haben schließlich nicht gegen irgendeine Mannchaft gespielt, sondern gegen Borussia Dortmund“, sagte Beierlorzer.

So hatten es auch die FC-Fans gesehen: Trotz des verlorenen ersten Heimspiels der Saison feierten die Anhänger ihre Mannschaft nach dem Schlusspfiff. Und selbst Lucien Favre reihte sich in die Gruppe der Gratulanten ein: Köln sei ein „sehr, sehr starkes Team“ und habe ein „sehr, sehr gutes Spiel“ gemacht. So etwas sagt Dortmunds Trainer öfter, im Grunde bei fast jedem Gegner – aber diesmal entsprach es auch der Wahrnehmung aller anderen.

Der FC war mit einem klaren Plan ins Spiel gegangen, selbstbewusst, mutig, aggressiv. Er störte das Dormunder Aufbauspiel früh, gewann viele Zweikämpfe und Bälle. Die Mannschaft wirkte erstaunlich eingespielt – obwohl gleich fünf Neuzugänge in der Startelf standen. Das Führungstor von Dominick Drexler nach 29 Minuten war verdient, sehr sogar – auch wenn die erste Halbzeit arm an Chancen war.

Warum es nicht gereicht hat

Dafür, dass der FC dieses Spiel gegen Dortmund nicht gewann und am Ende nicht mal einen Punkt in Köln behalten durfte, gab es mehrere Gründe, und der wichtigste war wohl die Klasse des Gegners. Favre hatte nach gut einer Stunde Julian Brandt eingewechselt, und mit dem jungen Offensivspieler kamen Dortmunds Stärken auf dem Platz zum Tragen. Spät, aber nicht zu spät. Erst traf der schwache Jadon Sancho zum Ausgleich (70.), der mit Brandt eingewechselte Achraf Hakimi drehte das Spiel (87.), und Paco Alcacer (90.+4) stellte den Endstand her. „Die Auswechslungen haben uns sehr, sehr viel gebracht“, sagte Favre.

Was sein Kölner Kollege nicht behaupten konnte: Beierlorzer hatte nach 54 Minuten Jhon Cordoba auswechseln müssen. Der Stürmer hatte ein starkes Spiel gemacht, Bälle gehalten, abgeschirmt, verteilt; er rannte und rackerte – bis eine Muskelverletzung im Oberschenkel ihn stoppte; Cordoba fällt vorerst aus.

Ohne den Stürmer schaffte der FC gegen Dortmund kaum Entlastung, und das intensive Anlaufen des spielstarken Gegners hatte Kölns Fußballer müde gemacht. Das gab auch Stürmer Anthony Modeste zu, der ebenfalls viel gelaufen war, er sagte: „Es hat am Ende die Kraft gefehlt, aber es ist unser Ziel, dieses Tempo über 90 Minuten zu gehen.“

Der starke Auftritt des FC darf durchaus hoffnungsvoll für die nächsten Spiele stimmen, er darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Aufsteiger ohne Punkte im Tabellenkeller steht. Das ist nach zwei Spieltagen kein Grund zur Panik, aber der weitere Spielplan hält mit den Spielen beim stark in die Saison gestarteten SC Freiburg, gegen den Rivalen Borussia Mönchengladbach und beim Rekordmeister FC Bayern München durchaus knackige Aufgaben für den FC bereit.

Es könnte also passieren, dass Köln auch nach fünf Spieltagen noch in der Abstiegszone der Bundesliga zu finden ist – trotz des erbrachten Beweises der eigenen Stärke gegen Dortmund. „Wir werden so weiterspielen, wie wir es gegen den BVB gezeigt haben“, sagte Beierlorzer. „Und ich bin überzeugt, dass wir mit dieser Spielweise unsere Punkte holen werden.“ Wenn Mut belohnt wird, kann das funktionieren.

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