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Leverkusen: Ein glücklicher Punkt, der viel wert sein kann

Leverkusen : Ein glücklicher Punkt, der viel wert sein kann

Als das Fußballspiel des 1. FC Köln bei Bayer Leverkusen längst abgepfiffen war, hätte Peter Stöger noch mal ins Schwitzen kommen können, es war ja abzusehen, dass er dieses nervenaufreibende 2:2 ein zweites Mal an diesem Tag durchleben musste.

Stöger ist Trainer des 1. FC Köln, und von Trainern wird erwartet, dass sie direkt nach dem Spiel die Fragen beantworten, die es aufgeworfen hat. Und das waren im Derby einige gewesen: die nach dem Spiel selbst, seinem Verlauf, seinen Schlüsselszenen; die nach der Mannschaft, ihrer Leistung und Stögers Wechseln, nach Bayers Aufholjagd. Und danach, was das für Köln und Europa bedeute. Er könne jetzt versuchen zu erklären, was warum wie gelaufen sei, befand Stöger, aber das wolle er nicht, er sagte: „Als Trainer des 1. FC Köln fahre ich mit einem guten Gefühl nach Hause.“ Und damit hatte er ja keine Frage unbeantwortet gelassen.

Ein Endspiel gegen Mainz

Dieser eine Punkt, den die Kölner mit auf den kurzen Heimweg nehmen durften, war ein glücklicher gewesen, er war nicht verdient, das wusste Stöger, das wussten seine Spieler. Sie alle wussten aber auch: Er kann eine Menge wert sein, dieser eine Punkt. Der FC hat am Samstag im Heimspiel gegen Mainz nun so etwas wie ein Finale um die Qualifikation für die Europa League. Das sei „etwas Außergewöhnliches“, urteilte Stöger. Und Abwehrspieler Dominique Heintz erklärte: „Wenn uns einer gesagt hätte, dass wir am letzten Spieltag die Chance, auf Platz fünf oder sechs zu springen — wir hätten alle unterschrieben.“

Köln ist Siebter. Die Qualifikation für die Europa League hat der Klub nicht, aber er könnte mit einem Sieg im letzten Saisonspiel gegen Mainz 05 sowohl Hertha BSC als auch Freiburg noch überholen. Etwa wenn die Berliner gegen Leverkusen verlieren. Oder Freiburg bei Bayern München nicht gewinnt, was ja durchaus möglich ist. Platz sieben hat der FC mit drei Punkten gegen Mainz sowieso sicher, er könnte ihn nur noch an Werder Bremen oder Borussia Mönchengladbach verlieren, wenn er nicht gewinnt und die Kontrahenten Siege einfahren. Daran verschwenden Kölns Spieler keine Gedanken; genauso wenig wie daran, dass sie als Siebter hoffen müssten, dass Borussia Dortmund und nicht Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal holt, um nach Europa zu kommen. Heintz sagt: „Wir wollen am kommenden Samstag groß feiern — und nicht erst nach dem Pokalfinale.“ Eine klare Ansage.

Weil das Unentschieden in Leverkusen den Kölnern diese Chancen bietet, konnten sie zufrieden sein mit diesem Spiel, das sie auf der einen Seite hätten gewinnen können. Und auf der anderen Seite hätten verlieren müssen. Nach dem Tor von Milos Jojic (14. Minute) und Lukas Klünters erstem Bundesligatreffer (49.) hatte der FC schon mit 2:0 geführt, unverdient zwar, weil Leverkusen besser war, mehr Möglichkeiten hatte und vielfach nur an Kölns erneut überragendem Torwart Timo Horn scheiterte; aber so einen Vorsprung kann ein Team auch mal ins Ziel retten. Die Chance auf Europa wäre dann natürlich größer gewesen; Köln hätte Freiburg überholt.

Darum hatte Stöger nach knapp einer Stunde ja auch auf Fünferkette umgestellt, den defensiven Marco Höger für den offensiven Leonardo Bittencourt gebracht. Aber weil der leidenschaftlich kämpfende Stefan Kießling (60.) und Joel Pohjanpalo (71.) Bayers Überlegenheit doch noch in Tore ummünzten, weil Höger mehr Unsicherheit als Stabilität brachte und die Defensive kaum entlastet wurde, hätte sich der FC auch nicht beschweren können, wenn er am Ende ohne Punkt dagestanden hätte. Stöger sprach später von einem „richtig guten Gegner“, der sich mit dem Remis ja den Klassenerhalt gesichert hatte.

Vor dem „Finale“ gegen Mainz will Stöger nicht viel verändern, die Trainingswoche soll normal verlaufen; damit sei sein Team ja schon die ganze Saison gut gefahren. Und wie will der FC dieses entscheidende Spiel angehen? Horn sagt: „Wir werden einfach alles raushauen.“ Klingt, als könnte sogar Peter Stöger dann mal ins Schwitzen kommen.