Zu Gast bei Wehen Wiesbaden: Der FC will „keine Fragen offen lassen“

Zu Gast bei Wehen Wiesbaden : Der FC will „keine Fragen offen lassen“

Na, dann muss es in dieser ersten Runde des DFB-Pokals beim Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden halt ohne funktionieren. „Nein, eine Siegerunterhose, irgendwas, das ich schon seit Jahren trage, habe ich nicht“, gestand Achim Beierlorzer ein.

Aber, wer den Trainer des 1. FC Köln vor dem ersten Pflichtspiel seiner Mannschaft gelöst und locker neben seinem Geschäftsführer Sport sitzen sah, der kam auf die Idee, dass es das einzige Versäumnis von Armin Veh war, seinem Chefcoach nicht auch noch so ein magisches Textil besorgt zu haben, um die naheliegende Aufgabe am morgigen Sonntag (18.30 Uhr) und vor allem an den folgenden 34 Spieltagen der Bundesliga-Saison erfolgreich zu meistern.

Die Frage, ob er nun wunschlos glücklich sei mit seinen Aktivitäten auf dem Transfermarkt, entlockte Veh zunächst einen tiefen Seufzer, als habe er lediglich die letzten Brotkrumen aus der Abteilung „Gutes von gestern“ zusammengeklaubt, statt auf die Sahnestücke zu zeigen. „Wir haben frühzeitig kommuniziert, welche Positionen wir umbesetzen wollen, ob wir die Richtigen ausgewählt haben, wird sich zeigen“, lautete dann die vorsichtige Antwort.

Umbesetzt werden dürfte auf der Sechser-Position mit dem Belgier Birger Verstraete und dem Tunesier Ellyes Skhiri, der erst am Montag zur Mannschaft stoßen wird. Auf der rechten Außenbahn sollen Kingsley Ehizibue (Verteidiger) und Kingsley Schindler (Mittelfeld) für mehr Tempo sorgen – und Jorge Meré dürfte mit dem Belgier Sebastiaan Bornauw auch einen schnellen Kollegen in der Innenverteidigung an die Seite gestellt bekommen.

„Kurzfristig verbessert“

Durchaus vorzeigbare Ergebnisse also auf einem Transfermarkt, auf dem schon zunehmend utopische Summen aufgerufen werden für Spieler, die eher ein Versprechen für die Zukunft sein können als eine direkte Verbesserung des Gesamtgefüges. Und so sagt Veh auch fast schon zufrieden: „Wir haben uns kurzfristig verbessert, davon sind wir überzeugt.“

Dass Kölns Sportchef zu Recht in der „Wir-Form“ sprechen kann, bestätigt auch sein Trainer, der die geforderten Qualitäten zur Verfügung gestellt bekam und der nun über mehr Tempo, mehr Dynamik, mehr Robustheit verfügt. „Die Mannschaft ist offen, alle Dinge anzunehmen, jeder zieht mit“, beschreibt Beierlorzer die fünfeinhalb Wochen, die er nun mit dem Team zusammenarbeitet.

Und die lobenden Worte für Vehs Handeln und Verhandeln hatte Beierlorzer bereits gefunden, als Bornauw als letzter Zugang feststand: „Das ist ein Abschluss unserer Transferperiode, den ich mir nicht schöner hätte vorstellen können“, lobte der 51-Jährige seinen Chef und stellte dem Innenverteidiger ein Zeugnis aus, mit dem er sich überall bewerben kann: „Wir kriegen einen jungen, dynamischen, aggressiven, groß gewachsenen, körperlich starken Innenverteidiger, der all das schon macht, was wir hier reinbringen wollen.“

Da fehlt jetzt eigentlich „nur“ noch, die Qualitäten auf den Platz zu bringen – und das gegen einen Gegner, den Beierlorzer als sowohl physisch stark (Ajani, Schäffler, Tietz) wie auch pfeilschnell (Dittgen) charakterisierte. „Wir müssen von der ersten Sekunde an keine Frage offen lassen, sondern mit voller Power reingehen“, forderte er von seinen Profis – und das nicht nur im Hinblick auf das erhoffte und erwartete Erreichen der zweite Pokalrunde, sondern auch mit dem Fernblick auf die Bundesliga-Premiere nach dem Aufstieg beim VfL Wolfsburg.

Wer genau aus dem noch übergroßen Kader (> Infobox) da erste Wahl sein wird, will Beierlorzer auf jeden Fall nicht verraten – und kann es vielleicht auch nicht. Doch ist es wohl eher ein weiteres Indiz für die Verbesserung in der Spitze durch die Zugänge und das Engagement der einzelnen Spieler als für Entscheidungsschwäche, wenn der FC-Coach eingesteht: „Es ist ganz schwer, sich auf die erste Elf festzulegen, und ich weiß auch noch nicht genau, wer alles zum 20er-Spieltagskader gehören wird.“

Armin Veh jedenfalls gibt sich, als könne er sich keinen anderen, jedenfalls keinen besseren Job vorstellen, als den des Sportdirektors beim Bundesliga-Aufsteiger vom Rhein und verkündet nicht ohne Selbstzufriedenheit: „Ich bin total ruhig, denn ich weiß, dass alles in guten Händen ist“ , gibt der 58-Jährige umgehend das Lob an seinen Trainer zurück. „Ich weiß, dass es funktioniert, und es wird auch funktionieren, wenn es mal nicht so laufen sollte.“

Mögliche Aufstellung: T. Horn - Ehizibue, Meré, Czichos, Hector - Schindler, Drexler, Verstraete, Kainz - Cordoba, Modeste

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