Der 1. FC Köln steigt in die Fußball-Bundesliga auf und hat Baustellen

Rückkehr in die Bundesliga : Der 1. FC Köln und sein seltsamer Aufstieg

Die direkte Rückkehr in die Fußball-Bundesliga ist zwar geschafft, der Klub hat im Sommer aber viele Aufgaben zu bewältigen. Ein neuer Trainer muss gefunden, die Mannschaft verstärkt werden. Und was passiert im Präsidium?

Als es endlich geschafft war, hüpften die Spieler des 1. FC Köln dann doch geschlossen im Kreis, sie tanzten in ihren „Widder do“-Shirts und sangen ein paar Lieder, sie herzten sich. Auf dem Rasen in Fürth schütteten sie sich am Abend erst gegenseitig Bier über die Köpfe, in einer Kneipe in der Nürnberger Altstadt schütteten sie es sich selbst bis in die Morgenstunden in die Münder.

Begossen wurde nach dem souveränen 4:0-Sieg bei der Spielvereinigung Greuther Fürth der direkte Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga. Torwart Timo Horn sagte: „Das tut in der Seele gut, endlich wieder Erstliga-Fußball in Köln zu sehen und zu spielen.“ Es gab Glück­wünsche, von Oberbürgermeisterin Henriette Reker, von Kardinal Rainer Maria Woelki, von Klubikone Lukas Podolski und von vielen anderen. Alles in allem war es eine ziemlich hübsche Party.

Es war allerdings kein Ausbruch der Emotionen – nicht bei den Spielern, nicht bei den Verantwortlichen; und auch nicht bei den Fans, nicht in Fürth, nicht in Köln. Das war aber auch nicht zu erwarten gewesen, es gab ja gute Gründe gegen ausufernde Feierlichkeiten. Der Aufstieg im Jahr 2019 wird als der seltsamste in die Historie des Klubs eingehen. Und er markiert den Beginn eines schwierigen Sommers.

Wie ist die Saison gelaufen?

Die Spielzeit in der 2. Bundesliga war für den Absteiger ein einziges Auf und Ab, beeindruckende Erfolgsserien und rätselhafte Schwächephasen wechselten sich ab. Es gab bislang 19 Siege, viele davon waren souverän, einige ein bisschen glücklich; der FC verlor aber auch bereits acht Mal, manchmal waren die Niederlagen erschreckend. Die Mannschaft spielte inkonstant. Das ist überraschend, weil sie mit einer Vielzahl von Spielern besetzt ist, die gemeinhin als überdurchschnittlich gut für einen Zweitligisten gelten. Dass es am Ende zum Aufstieg reichte, liegt einerseits daran, dass das Team wohl wirklich zu gut ist, um nicht Erster oder Zweiter in der 2. Liga zu werden. Andererseits gibt es in dieser ausgeglichenen Liga auch keine andere Mannschaft, die souverän durch die Spielzeit marschiert. Nicht der Hamburger SV, nicht der SC Paderborn, auch nicht Union Berlin. „Uns fällt natürlich ein Stein vom Herzen“, sagte Mittelfeldspieler Marco Höger.

Was sind die Gründe für die fehlende Konstanz?

Es ist immer einfach, die Schuld für Misserfolge beim Trainer zu suchen, und nichts anderes hat auch der FC gemacht: Markus Anfang wurde drei Spiele vor Saisonende entlassen, als Tabellenführer. Sportchef Armin Veh begründete die Trennung vor rund anderthalb Wochen damit, dass er den Aufstieg gefährdet sehe. Was eine ziemlich exklusive Sicht auf die Dinge ist: Der FC wäre auch mit Anfang aufgestiegen. Es ist aber dennoch so, dass Anfang und seine Co-Trainer Tom Cichon und Florian Junge ein Hemmnis für die Mannschaft waren – weil es menschliche Probleme und sportliche Fehlentscheidungen gab.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es innerhalb der Mannschaft Spannungen gibt. Es wirkt so, als hätte der Absturz des Klubs in der Vorsaison, der im Abstieg aus der Bundesliga gipfelte, keinen reinigenden Prozess ausgelöst. Im Team gibt es immer noch Spieler, deren Selbstwahrnehmung weit über ihren tatsächlichen Leistungen liegt. Es sind dieselben Fußballer, die geglaubt haben, der Wiederaufstieg werde ein Selbstläufer. Am Ende bleibt das Gefühl, dass eine Vielzahl großartiger Individualisten den Aufstieg geschafft hat – und keine verschworene Einheit. „Ich bin mental sehr, sehr erschöpft“, sagte Offensivspieler Dominick Drexler. „Es war eine sehr lange Saison mit ein paar schlechten Phasen.“

Die Unruhe innerhalb des Klubs war sicher ebenfalls nicht förderlich. Dass Veh als Angestellter des Vereins einen Machtkampf mit dem inzwischen zurückgetretenen Präsidenten Werner Spinner austrug und ohne Konsequenzen als Sieger daraus hervorging, wirkt selbst in der Nachbetrachtung irrational. Hinzu kommt, dass auch große Teil der Ultras beständig gegen den Vorstand protestieren.

Wie geht es jetzt weiter?

Klar ist: Vor dem 1. FC Köln liegt ein schwieriger Sommer. „Wir haben sicherlich Dinge, die wir im Hinblick auf die 1. Liga auch verbessern müssen“, sagte Horn. „Schritt für Schritt kann man den Verein auch wieder festigen und hoffentlich in der Bundesliga etablieren.“ Die Zahl der Baustellen ist groß, es gibt viel Arbeit – vor allem für Veh, der in Köln mittlerweile auch immer kritischer beäugt wird. Der Sportchef steht nach Spinners Rücktritt und Anfangs Entlassung im Fokus und, das vor allem, unter Druck; er muss jetzt liefern. Es ist gut für Veh, dass er mit dem auch rechnerisch perfekten Aufstieg Planungssicherheit hat. Was vor allem für die Trainersuche wichtig ist...

Wer wird neuer Trainer in Köln?

Es verdichten sich die Gerüchte, dass Dieter Hecking ein Kandidat beim FC ist. Es heißt, Veh und der zum Saisonende bei Borussia Mönchengladbach aussortierte Coach hätten ein gutes Verhältnis, Mitte der 80er Jahre spielten die beiden ein Jahr gemeinsam beim Kölner Rivalen. Logisch wäre seine Anstellung, weil er als gelassener Coach Ruhe verkörpern würde. Ob er allerdings von allen Fans akzeptiert würde, darf bezweifelt werden, weil er direkt aus Gladbach nach Köln wechseln würde; das spricht gegen Hecking.

Dass in einer pulsierenden Stadt wie Köln auch weitere Namen wie David Wagner – der aber wohl bei Schalke 04 anheuern wird – oder Achim Beierlorzer gehandelt werden, gehört zur Folklore. Spannend ist die Frage, ob Interimstrainer André Pawlak eine Chance auf den Chefposten hat. Er überzeugte bei der zweiten Mannschaft in der Regionalliga, bei seinem ersten Spiel mit den Profis in Fürth spielte der FC wieder wie ein Aufsteiger. Dass Pawlak in seinem ersten Spiel als Profitrainer einen Aufstieg feiern durfte, ist ein Nebenaspekt zum Schmunzeln; ins Gewicht fallen wird das nicht. Der 48-Jährige wird in den letzten zwei Saisonspielen womöglich aber noch einmal Werbung in eigener Sache machen wollen. Zurzeit sei der Chefposten aber „gar kein Thema“ für ihn, sagte Pawlak.

Was muss in den Kader investiert werden?

Eine Menge. Was nicht bedeuten muss, dass sehr teure Spieler gekauft werden müssen; bei einem Etat von rund 50 Millionen Euro ist das ohnehin nicht so einfach. Veh und sein neuer Trainer müssen die Mannschaft clever verstärken – auf nahezu allen Positionen. Dass vor allem die Defensive schon in der 2. Liga massive Probleme hat und bereits 41 Gegentore zuließ – beim Aufstieg 2014 unter Trainer Peter Stöger waren es in der ganzen Saison nur 20 –, ist Grund genug, sie nach dem Aufstieg zu verstärken. Verteidigern wie Matthias Bader und Benno Schmitz fehlt die Klasse für die Bundesliga, Rafael Czichos, Höger und Johannes Geis fehlt das Tempo, um dort in der letzten Linie verteidigen zu können. Dass dem FC ein Interesse an Waldemar Anton vom designierten Erstliga-Absteiger Hannover 96 nachgesagt wird, kommt nicht von ungefähr.

Im Mittelfeld sind Louis Schaub, Drexler und Florian Kainz auf dem Papier zwar sicher Spieler mit Bundesligaformat, sie müssen es aber erst mal unter Beweis stellen. Gleiches gilt für den bislang einzigen Neuzugang, Mittelfeldspieler Kingsley Schindler, der ablösefrei von Holstein Kiel zum FC kommt. Spieler wie Horn und Christian Clemens müssen dort zeigen, dass sie Stützen der Mannschaft sein können. Und in der Spitze haben sich Simon Terodde (28 Tore) und Jhon Córdoba (20) zwar in dieser Saison besonders treffsicher präsentiert, in der Bundesliga haben beide das aber noch nicht auf den Platz gebracht.

Das hat Anthony Modeste ihnen voraus; der Rückkehrer muss nach seinen offensichtlichen Differenzen mit Anfang aber erst einmal in die Mannschaft integriert werden. Was generell ein Thema werden dürfte: Zur Investition in den Kader sollte es auch zählen, wieder eine Einheit zu formen, aus neuen und alten Spielern, die auf dem Platz füreinander einsteht. Mit klaren taktischen Vorgaben, die das Team auch umsetzen kann. Auch das gehört zu den Aufgaben Vehs und des neuen Trainers.

Was passiert im Präsidium?

Der Präsidentenposten ist seit Spinners Rücktritt vakant. Stefan Müller-Römer rückte interimsweise ins Gremium auf; das Verhältnis des ehemaligen Chefs des Mitgliederrates zu den Vize-Präsidenten Toni Schumacher und Markus Ritterbach gilt als nicht unbelastet. Das zu Veh ist sogar sehr belastet, nachdem der Sportchef die Verantwortlichen des Mitgliederrates vor wenigen Monaten als „Vollamateure“ verunglimpfte. Als Spinners möglicher Nachfolger hat sich der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach ins Gespräch gebracht; er würde bei der Wahl im September mit Schumacher und Ritterbach antreten. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass der Mitgliederrat dieses Trio unterstützen wird; er favorisiert wohl einen kompletten Neubeginn. Es könnte zu einer Kampfabstimmung kommen.

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