Köln: Der 1. FC Köln gibt den Widerstand nicht auf

Köln : Der 1. FC Köln gibt den Widerstand nicht auf

Eine Viertelstunde vor dem Ende erhob sich noch einmal das gesamte Kölner Publikum, die Leute spürten, dass ihre Lieblingsmannschaft nun ganz dringend Hilfe brauchte, um die nun wirklich allerletzte halbwegs realistische Chance auf den Verbleib in der Bundesliga zu wahren. Hingebungsvolle Gesänge schwollen an, sie benötigten zwei Tore, um den 1:2-Rückstand in einen Sieg zu verwandeln, doch das Aufbäumen reichte nur zu einem weiteren Treffer.

Mit dem 2:2 (1:2) gegen den FC Schalke sind die Rheinländer so gut wie abgestiegen. „Das ist jetzt eine sehr emotionale Stimmung“, sagte Marcel Risse, das ist „extrem bitter“. Kölns Trainer Stefan Ruthenbeck erklärte die Gefühlslage seines Teams: „Das ist keine Söldner-Truppe, das ist eine Mannschaft, die den FC liebt und lebt.“

Ruthenbecks trotzige Rechnung

Rechnerisch steht der Abstieg zwar noch nicht fest, aber mit acht Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz bei drei verbleibenden Spielen wäre nun endgültig ein Wunder von fußballhistorischer Dimension erforderlich, um doch noch in der Liga zu bleiben. Ein Sieg gegen den FC Schalke hätte ja tatsächlich hochinteressante Optionen eröffnet, schließlich findet das nächste Auswärtsspiel beim SC Freiburg statt, an den der Effzeh mit einem Sieg aus eigener Kraft auf drei Zähler hätte heranrücken können. „Wir müssen zwar noch dreimal gewinnen, aber wir sind immer noch nicht abgestiegen“, machte Ruthenbeck seine trotzige Rechnung auf.

In Freiburg droht der endgültige Abstieg. Und vielleicht ist das ja auch eine Erlösung nach all dem emotionalen Hin und Her zwischen Frust und neuer Hoffnung, von dem dieses Frühjahr geprägt war.

Und auch dieser Tag hatte seine Licht- und Schattenmomente. Keine vier Minuten waren gespielt, als Yevhen Konoplyanka nach einer guten Spieleröffnung Naldos viel Platz auf der linken Seite hatte. Der Ukrainer spielte einen scharfen Ball ins Zentrum, wo Breel Embolo zum 1:0 traf. Die Schalker wirkten, als wollten sie sich nach ihrem Pokal-Aus vom Mittwoch unbedingt wieder ein Erfolgserlebnis verschaffen, sie waren gut organisiert und giftig, und legten schnell ein zweites Tor nach. Diesmal war es Konoplyanka selbst, der nach einem schönen Dribbling traf (24.).

Der Tabelleletzte wirkte völlig überfordert, spielte zwar mutig nach vorne, aber die Balance stimmte überhaupt nicht. In der Defensive taten sich gewaltige Lücken auf, was dazu führte, dass Trainer Stefan Ruthenbeck schon früh Frederik Sörensen aus dem Spiel nahm und durch Dominic Maroh ersetzte. Und gerade als sich der Frust des Kölner Publikums in wütenden „Vorstand raus“-Rufen entlud, fiel ziemlich überraschend das 1:2. Jonas Hector, der eine ungewohnt offensive Position hinter den Spitzen spielte, zauberte einen hübschen Pass auf Leonardo Bittencourt aus dem Fuß, der den Ball in der kurzen Ecke versenkte (26.).

Ein echtes Comeback war das aber zunächst nicht. Die Kölner bemühten sich zwar um Torgefahr und griffen immer wieder forsch an, gefährlich waren sie aber selten. Ganz im Gegensatz zu den konternden Schalkern. Immer wieder kam Konoplyanka in sehr guter Position zum Abschluss, traf den Pfosten (29.) und verschenkte eine Großchance, als er der naiv aufgerückten Kölner Abwehr enteilt war, ganz allein aufs FC-Tor zusprintete, aber an Timo Horn scheiterte. „Ich glaube, arroganter kann man nicht spielen“, zürnte Schalkes Trainer Domenico Tedesco.

Überforderte FC-Spieler

In der zweite Hälfte spielte der Effzeh dann ein bisschen weniger wild, in den Strafräumen war längst nicht mehr so viel los, aber es war in allen Phasen deutlich sichtbar, wer hier die Spitzenmannschaft war und wer wohl absteigen wird. Neben Sörensen bewegten sich auch Salih Özcan, Marcel Risse und Tim Handwerker am Rande der Überforderung. Und Simon Terodde, der im Winter gekommen war, um die schlimme Harmlosigkeit vor dem Tor zu bekämpfen, erfüllt diese Aufgabe seit Wochen allenfalls mangelhaft. Erst mit einem dieser krummen Freistöße, die Risse manchmal gelingen, kamen die Kölner noch einmal ins Spiel zurück (83.), die Schlussphase wurde richtig spannend. Aber das Tor, das die Kölner so dringend gebraucht hätten, gelang ihnen nicht mehr.

Nach dem Schlusspfiff wehte daher ein Gefühl tiefer Trauer durchs Stadion, Leonardo Bittencourt weinte, Timo Horn rang um Fassung, aber immerhin blieben die Fans friedlich und spendeten ihrem Team Applaus für einen zwar vergeblichen, aber doch leidenschaftlichen Kampf.