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Vater sehr wahrscheinlich Düsseldorfer: Das Leben von Geißbock Hennes wird durchleuchtet

Vater sehr wahrscheinlich Düsseldorfer : Das Leben von Geißbock Hennes wird durchleuchtet

Manche sagen: Wer dem Geißbock Hennes etwas antut, der kann auch gleich den Kölner Dom sprengen. Beide sind Wahrzeichen einer Stadt, die immer wieder zwischen Traditionstümelei und Moderne wankt. Nun gibt es endliche eine große Hennes-Biografie – mit brisantem Inhalt.

Wenn Prominente ihre Biografie vorstellen, dann gehen sie zum Beispiel in Talkshows und erklären wortreich, warum ihr Leben so spannend ist, dass es nun jeder nachlesen muss. Im Fall des Promis, über den an diesem Mittwoch in Köln ein großes Nachschlagewerk vorgestellt wird, ist es anders. Fast schon gelangweilt steht er im Schatten eines Baumes. Während die Fotografen warten, kratzt er sich ausgiebig mit der Schnauze am Hinterteil.

Nein, Hennes IX. ist kein gewöhnlicher Promi. Das liegt allein schon daran, dass er auf dem Papier eine schnöde „Bunte Deutsche Edelziege“ ist, in der Realität aber ein Leben führt wie der Papst. Hennes ist ein Geißbock und seit 1950 – in verschiedenen Inkarnationen – Maskottchen des 1. FC Köln. Als solches wird er verehrt und umsorgt. Und deshalb wurde nun sogar eine Biografie über ihn verfasst.

Geschrieben hat sie der Autor Johannes Schröer, ein gelernter Theologe. Seine Kompetenz im Religionsfragen war der Sache nicht abträglich. Hennes ist sakrosankt. Den wiederkehrenden Misserfolg des 1. FC Köln etwa, der am Samstag mal wieder absteigen kann, würden ihm Fans nie anlasten, sagt Schröer. „Sie würden nie, nie, nie rufen: Hennes raus! Hennes raus!“, sagt er. „Man schmeißt ja auch keinen Heiligen vom Podest.“ Eher würden ihm die „Nöte“ angetragen.

Dabei förderte Schröer bei seinen Recherchen durchaus Brisantes zutage. Etwa das: Hennes I., Traditionsstifter und gefühlt der kölscheste Kölner neben Willy Millowitsch, könnte ausgerechnet von einem Düsseldorfer abstammen. Der Ort der Zeugung sei nämlich recht gut zu „rekonstruieren“, schreibt Schröer. Es habe sich um eine „kurze, aber sehr heftige Liebe im Maienmonat 1949“ gehandelt.

Hennes' Mutter lebte damals bei einem Zirkus, der das ausgemergelte Tier in den 40er-Jahren in Thüringen aufgelesen hatte. Gut hatte es nicht um sie gestanden – der Tierarzt soll den Gnadenschuss in Erwägung gezogen haben, was der ganzen Hennes-Saga einen frühen Garaus gemacht hätte. Doch die Ziege wurde aufgepäppelt – und gebar irgendwann ein Kitz. Die Frage war nur: Wer war der Vater?

Vater von Hennes sehr wahrscheinlich Düsseldorfer

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass Hennes I. auf einer Rheinwiese in Düsseldorf gezeugt wurde“, erläutert Autor Schröer. Der Zirkus habe dort damals ein Gastspiel gehabt. Manche Nacht verbrachte die Ziege auf einer Wiese – ohne Zaun, Gatter oder Hindernis „für einen Düsseldorfer Bock auf nächtlicher Tour“, wie Schröer schreibt. Hennes' Vater – heute unbekannt – könnte sich aus einem Garten zu ihr gesellt haben. Damals hielten noch viele Menschen Ziegen.

Düsseldorf hin, Düsseldorf her, später wurde der Sohn dem 1. FC Köln geschenkt. Natürlich bei einer Karnevalssitzung, es ist eben Köln. Spielertrainer Hennes Weisweiler hielt als Namenspate her und 1950 war Hennes I. inthronisiert. Geschickt erkannte Franz Kremer, Präsident und Gründungsvater des noch jungen FC, das Potenzial des Tiers – es machte den Verein zur Marke. Als Hennes starb, entschied Kremer demnach auch, dass der Nachfolger ebenfalls Hennes - also nun Hennes II. - heißen solle.

Bis heute ranken sich Geschichten, Mythen und Legenden um die Böcke. Besagtem Hennes II. etwa war nur eine kurze Amtszeit beschieden, von 1966 bis 1970. Unter FC-Fans erzählte man sich damals, die mit den Kölnern verfeindeten Mönchengladbacher hätten ihn vergiftet, was Biograf Schröer aber zu widerlegen weiß. Es war wohl doch eher ein Schäferhund, der ihn gebissen hatte. Hennes VII. wiederum galt als „Fahrstuhl“-Hennes, weil er vier Ab- und Aufstiege erleben musste.

Der aktuelle Hennes IX. ist ein stattliches Tier und soll nun eine Dynastie begründen – durch Erbfolge. Sprich: Der Bock soll selbst für mögliche Nachfolger sorgen, wie in einem Königshaus. Daher wurde er auch nicht kastriert. Das Problem: Hennes IX. hat bislang nur Töchter gezeugt. Und eine Frau als Chef im „Kleinen Geißbockheim“ ist (noch) nicht vorgesehen. Auch das klingt ein wenig nach Papst.

(dpa)