Armin Veh kehrt mit 1. FC Köln nach Frankfurt zurück

Frankfurt: Armin Veh und seine Wohlfühloasen

Zu einem Abstecher nach Oberursel dürfte es nicht reichen. Dafür ist die Zeit beim Auswärtsspiel des 1. FC Köln bei Eintracht Frankfurt wohl doch zu knapp, als dass Armin Veh auch noch seinem früheren Nachbarn die Hand schüttelt.

Die prosperierende Gemeinde im Taunus vor den Toren Frankfurts hat ihm einst dermaßen zugesagt, dass der gebürtige Augsburger dort während seiner beiden Dienstzeiten bei der Eintracht gewohnt hat. Hier ist die Luft besser und bleibt im Winter der Schnee immer etwas länger liegen. Es war die Wohlfühloase im wohlhabenden Grüngürtel, in der Veh einst als Trainer von Eintracht Frankfurt Kraft tankte.

Fans von Eintracht Frankfurt mit Banner gegen Trainer Armin VEH (F) (nicht im Bild) Fussball 1. Bundesliga, 25. Spieltag, Eintracht Frankfurt (F) - FC Ingolstadt 04 (IN) 1:1 , am 05.03.2016 in Frankfurt/ Deutschland. supporters from Eintracht Frankfurt with Banner against team manager Armin Veh F not in Picture Football 1 Bundesliga 25 Matchday Eintracht Frankfurt F FC Ingolstadt 04 in 1 1 at 05 03 2016 in Frankfurt Germany Foto: dpa

Inzwischen ist der 57-Jährige bekanntlich als Sportvorstand des 1. FC Köln tätig, und nirgendwo dürfte er so herzlich empfangen werden wie beim heutigen Gastspiel im Frankfurter Stadtwald. „Es ist schön zurückzukehren“, sagt Veh, den bis heute ein enges Band mit den Eintracht-Entscheidern verbindet: Mit Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner urlaubte der Genussmensch beispielsweise in der letzten Länderspielpause für einige Tage auf Mallorca. Beide bildeten zwischen 2011 und 2014 unter dem mehr als Repräsentanten tätigen Vorstandschef Heribert Bruchhagen ein erfolgreiches Gespann, das vertrauensvoll zusammenarbeitete.

Erst führte der einstige Meistertrainer des VfB Stuttgart die abgestürzten Adlerträger 2012 zurück in die Bundesliga, dann 2013 schnurstracks in die Europa League. Als er dann im Jahr darauf sagte, er möchte nicht mehr, weil er dem Gegner nicht mehr so oft zum Sieg gratulieren möchte, war der Aufschrei groß. Viele im Umfeld des Vereins fanden das despektierlich, und noch verwunderlicher wirkte dann, dass Veh ausgerechnet in Stuttgart anheuerte, wo doch der VfB damals wie heute nicht besser aufgestellt war. Damit war die Frankfurt-Geschichte jedoch noch nicht zu Ende: Nach einigen Wirrungen arbeitete unter anderem der mit Veh ausgesprochen gut befreundete Eintracht-Aufsichtsratsboss Wolfgang Steubing vehement daran, dass beide Seiten 2015/2016 versuchten, die Erfolgsstory fortzuschreiben.

Sanfter Übergang ist passé

Das Vorhaben misslang gründlich. Dem Trainer fehlte das Feuer, die Mannschaft verweigerte die Gefolgschaft — und Nachfolger Niko Kovac trat im Frühjahr 2016 beinahe schon ein Himmelfahrtskommando an, um die Hessen vor dem Abstieg zu bewahren. Passé war damit auch der schöne Plan, Veh in einem sanften Übergang zum Sportvorstand und damit Bruchhagen-Nachfolger zu machen — inzwischen füllt Fredi Bobic diesen Job nicht nur für die Eintracht-Kontrolleure zur vollsten Zufriedenheit aus.

In Frankfurt wurde nicht einmal mit großer Verwunderung registriert, dass Veh sich dauerhaft nicht damit begnügen wollte, alle zwei, drei Wochen im Stammtischtalk „Doppelpass“ auf Sport1 seine Meinung kundzutun. „Langweilig war mir nicht. Ich bin ja auch kein Langweiler.“ Er habe eben auf eine passende Herausforderung gewartet, und der 1. FC Köln — 18. Tabellenplatz hin oder her — sei dann dieses spannende Projekt gewesen: „Eine tolle Möglichkeit, in einem faszinierenden Traditionsklub etwas zu bewegen.“

Veh stellte in der Winterpause mit den Transfer von Simon Terodde und Vincent Koziello seine Handlungsfähigkeit unter Beweis: zwei Protagonisten, die unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit gebunden sind. Im Gegensatz zur Eintracht kann der Effzeh nicht zwingend mit der Erstklassigkeit planen, aber hat der neue Manager nicht — in Frankfurt als Trainer - nachgewiesen, wie solch ein Betriebsunfall umgehend repariert werden kann? Veh muss die nächsten Wochen auf jeden Fall zweigleisig planen. Und bei der Aufgabenfülle ist vielleicht nicht verkehrt, das Pendeln zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu verkürzen. In Köln hat Veh nämlich ein Domizil gleich im Stadtteil Müngersdorf gefunden, wo auch das Stadion steht. Und genug Auslauf für den geliebten Hund gibt es auch. War damals übrigens ein wichtiger Grund, nach Oberursel zu ziehen.

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