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Köln: 1. FC Köln: Und jetzt patzt auch noch Timo Horn

Köln : 1. FC Köln: Und jetzt patzt auch noch Timo Horn

Es war eine große Geste, zu der die Kölner Fans sich im Moment des Schmerzes am Sonntagnachmittag aufraffen konnten. „Timo Horn, Timo Horn“, riefen die Menschen nach der 2:3-Niederlage gegen den VfB Stuttgart, dabei hatte es wahrlich keinen Grund gegeben, den Torhüter zu feiern. Horn hatte ein Gegentor verschuldet, das Kollege Simon Terodde später als „Knackpunkt“ bezeichnen sollte.

Und den dritten Gegentreffer hätte der Torhüter an einem guten Tag wohl auch verhindert. „Es ist brutal“, sagte Horn nach dieser verpassten Chance, erstmals seit über fünf Monaten den letzten Tabellenplatz zu verlassen. „Es tut mir Leid für die Mannschaft und die Fans“, sagte der Torhüter. „Durch so billige Tore das Spiel zu verlieren, ist Wahnsinn.“

Fast eine ganze Halbzeit lang hatten die Kölner gespielt wie ein Spitzenteam. Der FC war zwar schon vor der Partie die fünftbeste Rückrundenmannschaft, aber eine spielerisch derart reife, selbstbewusste und fußballerisch starke Leistung wie in der ersten Hälfte hatte das Team in dieser Saison noch nicht zu Stande gebracht.

Ein frischer Pizarro

Das Team wirkte homogen, Jonas Hector und Vincent Koziello probierten auch in engen Räumen mutige, komplizierte Manöver, die fast alle gelangen, und Claudio Pizarro, dem man in den vergangenen Wochen sein Alter angesehen hatte, wirkte, als habe ein Magier ihm ein Elixier der ewigen Jugend verabreicht. Früh gelang dem Stürmer das sehenswerte 1:0 (7.). Der 39-Jährige war überraschend in der Kölner Startelf aufgetaucht, er rannte und ackerte, eroberte Bälle und war in der eigenen Hälfte anspielbar, in dieser Form ist er eine echte Hilfe. „Bis zur 44. Minute war das die beste Halbzeit der Saison“, sagte Horn.

Der einzige Vorwurf, den die Kölner sich gefallen lassen mussten, war, dass sie nur 1:0 führten. Mehrfach fehlte am Ende der tollen Spielzüge der letzte durchschlagende Moment, und als Simon Terodde dann doch mal nach brillanter Vorarbeit Koziellos aus bester Lage zum Abschluss kam, traf er die riesige Lücke im Tor der Stuttgarter nicht (30.).

Wobei: Ein Treffer gelang der Mannschaft von Stefan Ruthenbeck sogar, doch der wurde vom Videoassistenten annulliert, weil Koziello einen Ball, der zwischen dem Rasen und der Hand von VfB-Keeper Ron-Robert Zieler eingeklemmt war, wegspitzelte (37.). „Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Tabellenletzter so einen Ballbesitzfußball spielt, wie wir heute“, sagte Trainer Stefan Ruthenbeck.

Doch der 1. FC Köln bleibt eine Dramaqueen, launisch, unberechenbar und sehr aufregend. Statt 2:0 zu führen, trat Marco Höger an der eigenen Grundlinie in den Boden, nachdem er zuvor den Ball erobert hatte; Erik Tommy flankte ins Zentrum, wo Mario Gomez zum 1:1 traf (45.). Und wenige Momente danach holperte ein eher missglückter Gomez-Schuss auf das Kölner Tor zu und glitt durch Horns Hände ins Tor. Selbst Stuttgarts Daniel Ginczek hatte Mitleid und tröstete den armen FC-Keeper angesichts dieses ganz und gar unverdienten Rückstandes, den die Kölner sich da eingehandelt hatten. Nach dem Spiel spendete auch Doppeltorschütze Gomez Trost.

Die ganze Leichtigkeit der ersten Hälfte war beim FC zu Beginn des zweiten Spielabschnitts erstmal verflogen, die Kölner verhedderten sich in unnötigen Debatten mit dem gut pfeifenden Schiedsrichtergespann, plötzlich fehlten Tempo und Präzision, und so war das dritte Stuttgarter Tor, das Andreas Beck nach 57 Minuten erzielte, bei isolierter Betrachtung der Viertelstunde nach der Pause folgerichtig. Und wieder hatte Horn bei dem Flachschuss in die lange Ecke nicht gut ausgesehen. Zwar fingen die Kölner sich danach wieder und kombinierten ordentlich, aber zur Brillanz der ersten Hälfte fanden sie nicht zurück.

Und doch wurde es noch einmal spannend, nachdem Milos Jojic in der 86. Minute per Freistoß zum 2:3 traf. Doch die Stuttgarter hatten sich nun stabilisiert, störten geschickt den Spielfluss und retteten ihren knappen Sieg über die Zeit. „Es ist schwer, nach so einem Spiel Worte zu finden“, sagte Marcel Risse. Die Kölner erleben derzeit fußballerisch ihre beste Phase, „stehen aber schlechter da als vor dem Wochenende“, sagte Risse, „weil der Abstand auf den Relegationsplatz größer ist und wir auch noch ein Spiel weniger haben.“

„Wir geben nicht auf“

Aber verloren soll der Abstiegskampf noch nicht sein, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. „Wenn wir jetzt noch eine kleine Chance kriegen sollten, dann müssen wir zuschlagen“, sagte Terodde.

Und auch Ruthenbeck hat sich noch längst nicht mit dem Abstieg abgefunden. „Das Ergebnis vergessen wir schnell. Die Art und Weise, wie die Mannschaft Fußball spielt, macht mir Mut. Wir geben nicht auf.“