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Nach der Rettung folgt der Umbruch: 1. FC Köln trennt sich von Sportchef Heldt

Nach der Rettung folgt der Umbruch : 1. FC Köln trennt sich von Sportchef Heldt

Am Samstag feierte der 1. FC Köln die Rettung vor dem Bundesliga-Abstieg in der Relegation. Sportchef Horst Heldt rettete das aber nicht mehr den Job. Er muss trotzdem gehen.

Der Party erfolgte Ernüchterung. Nur einen Tag nach dem befreienden Jubel über den Klassenverbleib des 1. FC Köln verging Horst Heldt die Freude. Ungeachtet des furiosen 5:1 (4:1) im zweiten Relegationsspiel gegen Holstein Kiel wurde der Geschäftsführer des Tabellen-16. der Fußball-Bundesliga freigestellt. Damit zog der FC die Konsequenz aus einer Zittersaison und plant ohne den eigentlich bis 2023 gebundenen Heldt den Neuaufbau.

Nach Einschätzung des Vorstands und des Gemeinsamen Ausschusses „sei trotz des erreichten Klassenerhalts im sportlichen Bereich eine Neuausrichtung erforderlich“, teilte der Verein am Sonntagabend mit. „Wir wissen, wie sehr er unseren Verein im Herzen trägt. Aber wir können mit der Zusammenstellung des Kaders und der sportlichen Entwicklung in der abgelaufenen Saison nicht zufrieden sein“, sagte FC-Präsident Werner Wolf.

Ganz unerwartet kam dieser Schritt trotz der Rettung nicht. Bereits vor dem mit 0:1 verlorenen Relegations-Hinspiel hatte Heldt Fragen über einen angeblich drohenden Rauswurf mit einem süffisanten Lächeln beantwortet. „Ich war nicht überrascht. Es würde mich überraschen, wenn mich beim 1. FC Köln noch was überraschen würde“, sagte er.

Anders als bei Heldt hielt die Freude bei Trainer Friedhelm Funkel länger an. Den von einer Bierdusche verursachten unangenehmen Geruch in der Nase nahm der 67-Jährige gern in Kauf. Die Erleichterung, in der Saison-Verlängerung doch noch das Prädikat erstklassig behalten zu haben, war auch seinen Spielern anzumerken. „Es fällt unheimlich viel von einem ab. Wir haben bis zuletzt daran geglaubt, in der Liga zu bleiben“, sagte Torwart Timo Horn.

Erst am letzten Spieltag hatten sich die Kölner durch das 1:0 gegen den FC Schalke 04 noch auf den Abstiegsrelegations-Platz 16 gerettet. Das 0:1 im Hinspiel in Köln nährte wieder Zweifel am Klassenverbleib. Das überzeugende 5:1 - auch dank des Doppelpacks des verletzungsgeplagten schwedischen Stürmers Sebastian Andersson - wischte diese Zweifel weg. „Irgendwie hat sich das durch die Saison gezogen: Immer wenn wir mit dem Rücken zur Wand standen, haben wir so Spiele abgeliefert wie heute“, sagte der Kapitän und emotionale Leader Jonas Hector.

Retter Funkel wird wieder gehen. Er meldete sich am Sonntag in den Urlaub und ins Rentner-Dasein ab. Der Erfolg in Kiel war das Ende der knapp zweimonatigen Mission. „Diese sieben Wochen haben schon sehr, sehr viel Kraft gekostet, die ich aber gern investiert habe“, sagte er. „Jetzt gehe ich in der Tat wieder zurück in meinen Ruhestand.“

Zurück lässt er einen Verein, der einiges ändern muss, um in der kommenden Saison nicht in eine ähnlich dramatische Lage wie in diesem Jahr zu geraten. Paragraf 3 des kölschen Grundgesetz „Et hätt noch immer jot jejange“ muss nicht immer greifen. Auf Ebene der Verantwortlichen wurde bereits gehandelt. Sportchef Heldt muss gehen, sein Geschäftsführer-Kollege Alexander Wehrle wird mit dem VfB Stuttgart in Verbindung gebracht. Und der umstrittene Vorstand muss sich am 17. Juni den Mitgliedern stellen.

Im ehemaligen Paderborner Steffen Baumgart steht immerhin schon Funkels Nachfolger fest. Doch der Kader muss sich auch aus finanziellen Gründen noch aufstellen. Verkaufs-Kandidaten sind Abwehrchef Sebastiaan Bornauw, Mittelfeldspieler Ellyes Skhiri und U21-Nationalspieler Ismail Jakobs.

Die Leihspieler Marius Wolf (Borussia Dortmund) und Elvis Rexhbecaj (VfL Wolfsburg) werden wie Ex-Nationalspieler Max Meyer, Torwart Ron-Robert Zieler (Hannover 96) und der ablösefreie Salih Özcan wieder gehen. Zwar kommen einige verliehene Spieler zurück, ihre Chancen auf eine Weiterbeschäftigung sind aber gering.

Als Neuzugang steht Mittelfeldspieler Dejan Ljubicic von Rapid Wien fest, nach Medienberichten soll auch Torhüter Marvin Schwäbe von Bröndby Kopenhagen kommen. Darüber hinaus steht der Schalker Mark Uth offenbar vor einer Rückkehr zum FC.

Der 34 Jahre ältere Funkel wünscht sich für die neue Saison die Rückkehr der Fans. Am Samstag waren im Holstein-Stadion schon knapp über 2300 Menschen. „Wenn 25 000 Zuschauer in Köln im Stadion sind, dann ist das schon geil“, sagte Funkel. „Ich hoffe, dass ich dann eine Karte bekommen und auf der Tribüne zugucken kann.“ Denn der Köln-Retter ist auch FC-Fan.

(dpa)