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1. FC Köln: Horst Heldt zurück beim „Herzensverein“

Neues Personal beim 1. FC Köln : Horst Heldt zurück beim „Herzensverein“

Der neue Sportdirektor des 1. FC Köln Horst Heldt weiß, wie dieser Klub tickt. Sein ebenso neuer Trainer Markus Gisdol muss sich noch reinfinden.

Um das sportliche Ziel von Horst Heldt zu beschreiben, braucht es nur vier Worte: „Die Leute sollen später einmal sagen ‚Leck mich am Ärmel’.“ Bis es so weit war, dass der 49-Jährige am Dienstagmittag als neuer Sportdirektor des 1. FC Köln im Doppelpack mit Markus Gisdol als Trainer und Experte für den Klassenerhalt vorgestellt werden konnte, hat es ungleich länger gedauert. Und der Weg war wohl auch wesentlich steiniger, als die gelösten Mienen von FC-Präsident Dr. Werner Wolf und Geschäftsführer Alexander Wehrle auf dem Podium vermuten ließen.

Dennoch verkündete Wolf wie nach einem langwierigen aber erfolgreichen Enklave: „Heute ist trotz des schlechten Wetters ein Tag, an dem man sich freuen sollte“, ergriff Wolf das Wort und fügte an: „Wir haben uns Zeit genommen, um eine neue sportliche Leitung zu bekommen, und unser systematisches Vorgehen ist belohnt worden.“

Nun, dass zwei Kandidaten auf den Trainerjob öffentlich absagten und die Vereinsgremien sich zunächst nicht zu Heldt mit seiner langen FC-Vergangenheit bekennen wollten, obwohl dieser sogar von einem Headhunter aus der Reihe der Kandidaten gekürt worden war, scheint eine spezielle kölsche Systematik zu sein. Doch ist die Lage zu ernst, um sich lange mit der Vergangenheit beschäftigen zu können. Und so stellte sich Markus Gisdol zuerst der Mannschaft in der Kabine vor, und sein Sportchef beschrieb die Ansprache mit: „Als Spieler hätte ich mir gewünscht, dass ich in Leipzig in der Kabine sitze, das Spiel gleich losgeht und ich einem vors Schienbein treten möchte.“

Kampfeswille geweckt

Der Kampfeswille scheint also geweckt, auch wenn der Champions-League-Teilnehmer aus Sachsen als kommender Gegner dem neuen Führungs-Duo wohl einen Spieltag mehr Zeit einräumt, Zählbares zu liefern. Und ein weiterer Vorteil dürfte wohl sein, dass sich die beiden neuen sportlich Verantwortlichen nicht gegenseitig lange beschnuppern müssen: „Markus Gisdol ist ein hervorragender Trainer. Er brennt für diese Aufgabe“, schätzte Heldt den neuen Übungsleiter ein. „Wir haben zusammen auf Schalke gearbeitet, und das war eine sehr erfolgreiche Zeit.“

Für ihn selbst (Wolf: „Horst Heldt hat gezeigt, dass er Kader planen, Teams führen und sich auf wechselnde Gegebenheiten einstellen kann.“) sei der Posten beim FC die Rückkehr zu seinem Herzensverein, bekannte der 49-Jährige. Immerhin zehn Jahre habe er hier als Spieler verbracht, und nicht erst 2017, als sein Wechsel von Hannover 96 nach Köln am Veto von Klubboss Martin Kind gescheitert war, habe es auch als Sportdirektor immer wieder Kontakte zum Geißbockheim gegeben.

Und tatsächlich droht Heldt die Stimme zu versagen, wenn er über seine tiefe Verbundenheit spricht, um dann im nächsten Moment zu zeigen, dass er es auch versteht, mit flinken Fingern auf der Klaviatur des mächtigen Kölner Boulevards zu spielen: „Ich werde euch fragen, ob ich Spielraum für den Winter habe“, schäkerte Heldt mit den Vertretern der Blätter mit den großen Buchstaben und mit Blick auf die nächste Transferperiode. „Vielleicht gesteht ihr mir ja noch ein wenig mehr zu.“

Dass es einen zeitlichen oder kausalen Zusammenhang zwischen dem Rückzug von Armin Veh und dem Bekanntwerden seiner Vertragsauflösung in Hannover gegeben habe, bestritt Heldt eindeutig. „Da ist nichts getürkt worden. Ich habe meinen Vertrag aufgelöst, um frei zu sein von meinem alten Arbeitgeber und bereit zu sein für neue Chancen. Aber nicht speziell für den FC.“

Keine „One-Man-Show“

Vor den „kurzfristigen und langfristigen Entscheidungen, die ich zu treffen haben werde“, wird sich der neue Sportchef in das FC-Geflecht aus Vereins- und Kompetenzgremien einbringen – und auch auf Konsens oder zumindest stabile Mehrheiten bei der Entscheidungsfindung hinarbeiten. „Mein Job ist keine One-Man-Show, diese Zeiten sind vorbei, und das ist auch gut so.“

Für seinen Trainer ging es nach der einstündigen Pressekonferenz auf den Trainingsplatz, um mit der Mission Abstiegskampf zu beginnen – und zwar mit Lektion eins: Defensive. „Egal, ob wir den Gegner vorn anlaufen oder ihn tiefer stehend empfangen, und egal, welches System wir spielen . Jetzt geht es darum, einfache Lösungen einzustudieren.“