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Köln: 1. FC Köln: Der gute Veh kann auch keine Wünsche erfüllen

Köln : 1. FC Köln: Der gute Veh kann auch keine Wünsche erfüllen

Alexander Wehrle bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Eben jener Finanzgeschäftsführer des geplagten Erstliga-Schlusslichts 1. FC Köln, der eine Woche zuvor das Aus von Trainer Peter Stöger nur unter persönlichen Höchstanstrengungen kommunizieren konnte, war am Montag ein anderer Mensch.

Wehrle präsentierte mit FC-Präsident Werner Spinner in bitteren FC-Zeiten den Hoffnungsträger für hellere Tage: Armin Veh, 56, Augsburger, 27 Jahre Trainererfahrung — der grau melierte Ex-Kicker von Borussia Mönchengladbach ist seit Montag jener Sportfachmann, an den sich alle seelisch zerrissenen Figuren in der Kölner Vereinsleitung anlehnen wollen.

Ein zermürbendes halbes Jahr hat den euphoriegetränkten Klub mit Perspektive in ein Jammertal geführt, das Veh bei seiner Ankunft in der Kölner Arena in Worte kleidete: „Hier wurde vier Jahre hervorragend gearbeitet. Aber man sieht, was in einem halben Jahr alles kaputt gehen kann.“ Drei Punkte nach 15 Spielen — das hat es in der Eliteliga nie gegeben. Aber den Frust wischte Armin Veh am Montag beiseite. „Ich komme frisch von außen, das ist gut. Ich werde mir jetzt ein Bild machen, wie dieser Verein von innen aussieht. Und dann Entscheidungen treffen. So viel Zeit müssen Sie mir schon lassen“, sagte Veh und machte nicht den Eindruck, als wolle er sich drängen lassen.

Klar ist aber seit Montag eine hoffnungslose Botschaft: Die FC-Verantwortlichen planen ab sofort für die zweite Liga. „Ich bin nicht blauäugig, alles andere wäre ein Super-Wunder“, sagte Veh. Angesichts der jüngsten 3:4-Heimniederlage gegen den SC Freiburg, die eine sportliche Tragödie war, sei nichts anderes mehr zu verkaufen, heißt es beim FC. Ein Vorteil sei es, sagte Veh, dass man früh planen könne.

Schreckliche Rechnung

Der neue Geschäftsführer Sport wird bald eine schreckliche Rechnung aufmachen müssen: Bei Abstieg droht dem FC ein personeller Aderlass von Leistungsträgern wie Timo Horn, Jonas Hector, Dominique Heintz, Frederik Sörensen, Yuya Osako, Lukas Klünter oder Leonardo Bittencourt, die allesamt zu guten Konditionen langfristige Verträge unterschrieben hatten, deren Papier aber keine Gültigkeit für die 2. Liga besitzt. Heißt: Köln drohen extreme Millionenverluste, weil deutlich weniger bis gar keine Ablöse generiert werden kann. Das hatte der ehemalige Geschäftsführer Jörg Schmadtke einst unter dem Jubel des ganzen Vereins anders erdacht.

Veh hat das im Blick. Von einer ausgesprochen guten Laune zu Amtsbeginn hat das den Routinier aber nicht abgehalten. Dabei muss er auch akute Fragen beantworten: Vor allem jene, ob der FC mit dem ehemaligen U 19-Trainer Stefan Ruthenbeck ein vermutlich deprimierendes halbes Jahr gen Abstieg taumeln will. Was wohl nicht in Frage kommt ist offenbar, im Winter einen neue Dauerlösung zu installieren. Der Kandidat der Hoffnung wäre durch die quälende Zeit der Erstliga-Rückrunde viel zu früh verbrannt.

Auch soll wohl im Winter kein Geld für teure Zugänge verbrannt werden. „In der Zweiten Liga müssen wir eine Mannschaft haben, die sofort die Favoritenrolle annehmen kann“, sagte Veh. Abschenken werde der FC die nächsten 19 (!) Spiele, in denen theoretisch noch 57 Punkte zu holen sind, trotzdem nicht. „Das kann dieser stolze Klub nicht, auch wegen der Konkurrenz. Das wäre nicht anständig“, sagte Veh.