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Mönchengladbach: Forderungen, Favre und die Mängelliste...

Mönchengladbach : Forderungen, Favre und die Mängelliste...

Die Fans sangen vom Europapokal. Minutenlang und immer wieder. Und immer wieder sagt Lucien Favre: „Man soll aufhören, zu viel zu fordern von Gladbach.“ Es bringt den Trainer auf die Palme, wenn nach einem klaren Sieg wie dem 4:1 gegen Eintracht Braunschweig am Freitagabend viele Beobachter der Meinung sind: Jetzt müsse aber auch auswärts endlich mal ein Sieg her.

Da ist man beim Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach genau an der richtigen Adresse ... „Wir machen Fortschritte, und wir arbeiten daran, die Balance zu finden“, sagt der Schweizer dann (leicht genervt). Er zählt lieber die Mängel auf, die zumindest in 20 Minuten nach der Pause gegen den biederen Aufsteiger zu beobachten waren: „Zu langsam bei der Ballannahme, zu viele Ballverluste, zu viele technische Defizite.“ Aussagen aus dem Favreschen Standardrepertoire.

Max Kruse sagt allgemein: „Natürlich meckern wir auf einem hohen Niveau“, doch der Neuzugang, der per Elfmeter traf und zwei Treffer vorbereitete, ruht sich wie kein Mitspieler auf den feinen Heimerfolgen aus. „Wir müssen das besser machen.“ Das das konkretisiert Martin Stranzl, „es darf nicht sein, dass wir die Bälle so einfach herschenken“, findet der Abwehrchef.

Max Eberl, der entspannt am Samstag seinen 40. Geburtstag feiern durfte, stufte das Leistungsvermögen der Braunschweiger ganz richtig ein. „Bei einem anderen Gegner weiß ich nicht, ob wir das gehalten hätten.“ Dem Sportdirektor fehlte in der Schwächephase die „totale Hingabe“, die Gier, so wie in Halbzeit eins weiterzuspielen.

Denn die war „gut“ (Favre) bis „sehr gut“ (Stranzl). Die Borussen hielten das Tempo hoch, variierten es, erspielten sich Chancen, schossen zwei Treffer. Dass Oscar Wendt, der den verletzten Filip Daems bestens vertrat, sogar mit dem falschen Fuß zum 1:0 traf, irritierte selbst den Schweden. „Es kommt nicht oft vor, dass ich treffe, und dann auch noch mit rechts ...“ Der Vater einer drei Monate alten Tochter feierte es daumenlutschend. Und fast hätte auch Havard Nordtveit feiern können, denn nach seiner Einwechslung durfte er in der Nachspielzeit einen Freistoß an den Pfosten hämmern. Es war sein 100. Bundesligaspiel, „und da hätte ich gerne getroffen“.

Die nächste Chance bietet sich ihm am Freitag, denn der Norweger wird in Augsburg für den gesperrten Granit Xhaka in die Startelf rutschen. Gesänge vom Europapokal wird man dann nicht hören, denn am Freitag waren es nur die Eintracht-Fans, die so trotz der vielen Gegentore ihre Freude über die Rückkehr in die Liga mitteilten. Die Borussen-Fans sangen (noch) nicht von Europa, sie beließen es bei der Feststellung, dass ihr Klub der geilste auf der Welt sei. In dieser Saison auch einer der erfolgreichsten. Zumindest zu Hause.