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Bremen: FG-Tänzer kehren mit leeren Händen von der WM zurück

Bremen : FG-Tänzer kehren mit leeren Händen von der WM zurück

Die Zwischenrunde war kaum vorbei, da kamen die SMS und Whatsapp-Nachrichten, denn anders als die Besucher in der Bremer ÖVB-Halle sahen die Zuschauer des NDR-Livestreams die Ergebnisse der zwölf Wertungsrichter. Und die verhießen nichts Gutes — zumindest aus Sicht der Aachener Tänzer.

„Nur“ Platz vier stand für die FG Tanzsportzentrum Aachen/TD TSC Düsseldorf Rot-Weiß da zu Buche. Im Finale — richtig unter Druck und von den Trainern zusätzlich hochgepusht — zeigte das Team einen tollen, nahezu perfekten Durchgang. Doch am Ausgang der Weltmeisterschaft der Lateinformationen änderte es nichts mehr: Mit unglaublichen 39,07 Punkten siegte Titelverteidiger GGC Bremen vor dem russischen Überraschungszweiten Duet Perm (37,20), der den Russischen Meister und Vorjahreszweiten Vera Tyumen (36,30) auf den Bronzerang verwies. Mit 35,86 Punkten stand Aachen/Düsseldorf am Ende mit leeren Händen da — begleitet von gellenden Pfiffen des Publikums, das mit der Wertung so gar nicht einverstanden war.

„Herzlichen Glückwunsch an Robert und seine Bremer sowie die russischen Teams“, war der charismatische FG-Cheftrainer Oliver Seefeldt ein fairer Verlierer. „Wir wussten, dass es eng werden würde. Schade, ich habe es anders gesehen. Nun müssen wir das Ergebnis analysieren, sehen, in welchen Wertungsgebieten wir wie punkten konnten.“ Erstmals war das neue Wertungssystem 2,1 getestet worden, bei dem je drei Richter eins von vier Gebieten — Technische Qualität, Bewegung zur Musik, Teamharmonie und Choreographie/Präsentation — bewerten. Für die Aachener gab es mit 8,5/9,0/9,36/9,0 eine Top-Bewertung im Finale, denn 8 ist sehr gut, 9 überragend und 10 outstanding. Und doch reichte es nicht. Noch in der Zwischenrunde hatte es für die FG eine 9,5 für die Choreographie gegeben, im Finale gab es „nur“ eine 9 —, das allein waren mehr als die entscheidenden 0,44 Punkte, die zu Bronze fehlten.

„Wir haben in allen drei Runden eine gute Leistung gezeigt. In der Vorrunde sollte das Team ruhiger tanzen, um in der Zwischenrunde deutlich zulegen zu können. Das hat es fantastisch gemacht. Als wir dann das Zwischenergebnis hörten, haben wir unser Konzept umgeschmissen und vor dem Finale die Tänzer entgegen unserer Gewohnheit noch einmal richtig gepusht“, erläuterte Seefeldt.

Das Team haute einen tollen, sehr dynamischen Durchgang heraus, vor allem das Roundabout in der Achterreihe, die schwierigste Bildentwicklung der gesamten WM, klappte hervorragend. Nur in eine Pirouette schlich sich — wie aber auch bei Vera Tyumen — ein Fehler ein. Die Russen, tänzerisch sicherlich toll, hatte sich in allen drei Runden nicht so stark wie gewohnt präsentiert, die Übergänge waren nicht immer fließend, die Abstande unregelmäßig. So lässt sich über Rang drei trefflich streiten, wie auch die Pfiffe des sonst so kühlen norddeutschen Publikums zeigten, das die FG Aachen/Düsseldorf mit „Showstars — Rise and Shine“ auf dem Treppchen gesehen hatte. „Sie sind der Weltmeister der Herzen“, sagte ein Mann zu Oliver Seefeldt, der sich nach der Siegerehrung vor dem tröstenden Zuspruch ihm wildfremder Leute kaum retten konnte.

Die Überraschung der WM war Duett Perm, das mit „High-School“ schon 2013 begeisterte, sich tänzerisch stark verbessert zeigte und in den Punkten Technik und Choreographie wohl auch besser als Bremen war. Mit 37,47:37,8 war der Abstand im Semifinale knapp, doch mit 37,20 (9,14/9,5/9,2/9,36) mussten die jungen Russen sich trotz fehlerlosen Finaldurchgangs Bremen deutlich geschlagen geben. Verdient war der Sieg des alten und neuen Weltmeisters, nachzuvollziehen war der Sprung auf 39,07 (9,86/9,5/9,86/9,86), war aber nicht. Auf den Plätzen fünf und sechs hatten Zwölfaxing (Österreich/31,26) und Double V (Niederlande/30,36) nichts mit der Spitzengruppe zu tun.