Köln/Belgrad: FC-Torhüter Timo Horn: „Wir haben nicht mehr viel zu verlieren“

Köln/Belgrad: FC-Torhüter Timo Horn: „Wir haben nicht mehr viel zu verlieren“

Die Partie in Belgrad zeigte einmal mehr, woran es beim FC krankt. Die Kölner Mannschaft ist vor dem gegnerischen Tor extrem harmlos, davon zeugen nicht nur dürre sechs Treffer in der Bundesliga. Auch der Donnerstagabend verdeutlichte das. Zwölf Torschüsse gaben die Gäste beim letzten Europa-League-Gruppenspiel in Belgrad (0:1) ab — und damit doppelt so viele wie die spielerisch limitierten Hausherren.

Doch nur vier gingen direkt auf das Tor. Bezeichnend war, wie Milos Jojic mit seinen Schüsschen und Christian Clemens mit einem missratenen Lupfer beste Möglichkeiten vergaben. „Meine erste Chance war riesig, die muss ich machen“, sagte Jojic. „Wir standen erneut zwei, drei Mal teilweise frei vor dem Tor, um dann den Ball in die Hände des Keepers zu spielen. Wie schon in den letzten Wochen sind wir vor dem Tor einfach zu harmlos. Der unbedingte Wille, das Tor zu erzielen, fehlt uns“, sagte Torhüter Timo Horn.

Ob der neue Interims-Trainer Stefan Ruthenbeck schnell Abhilfe schaffen kann, steht in Zweifel. Gegen Freiburg steht dem 45-Jährige am Sonntag (13.30 Uhr, Rheinenergie-Stadion) zwar wieder der im Europapokal nicht spielberechtige Stürmer Claudio Pizarro (39) zur Verfügung, das könnte ein Fortschritt sein, denn der 18 Jahre jüngere Sehrou Guirassy spielt noch zu inkonstant. Beim 2:2 beim FC Schalke überzeugte der Franzose noch, in Belgrad dagegen ging das Spiel komplett an ihm vorbei.

Die Personalnot war noch nie so offensichtlich wie beim Spiel in Belgrad. Der FC trat mit seinem letzten Aufgebot an. Lukas Klünter war der einzige Profi-Feldspieler auf der Bank. Horn erklärt aber, dass der neue Coach eine andere Herangehensweise als Peter Stöger hat. Der Trainer habe einiges umgestellt, etwa das Spielsystem, auch das Training sei ein anderes, intensiveres. „Er redet viel mit uns und geht bei den einzelnen Positionen sehr ins Detail. Der größte Punkt, an dem wir arbeiten müssen, ist aber das Selbstvertrauen.

Denn die Selbstverständlichkeit in den Aktionen fehlt. Der Trainer versucht, uns diesen Mut zuzusprechen und bringt sehr viel Energie in die Truppe. Das gefällt uns richtig gut. Er hat Bock auf die Aufgabe — und man spürt das.“

Am Sonntag gegen Freiburg müsse seine Mannschaft voll auf Angriff gehen, nur das zähle. Sollte der FC tatsächlich sein erstes Bundesligaspiel dieser Saison gewinnen, betrüge der Rückstand auf den 16. aus dem Breisgau sechs Punkte. Im Falle einer Niederlage wären es hoffnungslose zwölf Zähler Abstand. „Wir müssen mutig sein, denn in unserer Situation haben wir nicht mehr viel zu verlieren“, sagte Horn. Der Trainer fand, dass Köln in Belgrad „nicht die schlechtere Mannschaft“ gewesen war. „Wir waren gegen den Ball richtig gut, aber wir haben zurzeit Probleme, vorn reinzukommen. Wir haben die Räume gut bespielt, aber der Punch hat gefehlt.“

Die Kölner schienen weder körperlich noch emotional in der Lage zu einer Schlussoffensive. „Die letzten Wochen, die letzten Monate — eigentlich das letzte halbe Jahr. Es läuft nicht so, wie die Jungs sich das vorgestellt haben. Das merkt man am Selbstvertrauen. Gerade Offensivspieler wachsen mit dem Selbstvertrauen“, sagt Ruthenbeck. Es gehe gegen Freiburg darum, „sich zu quälen, nicht aufzugeben. Es ist ein Endspiel für uns.“

Voraussichtliche Aufstellung: T. Horn - Klünter, Sörensen, J. Horn, Rausch - Lehmann, Özcan - Jojic, Osako - Pizarro, Guirassy